Musik ist eine Medizin

AMRISWIL. Balz Burri ist nicht nur seit 27 Jahren Allgemeinmediziner in Amriswil, sondern auch ein hervorragender Flötist. Am Wochenende tritt er mit dem Kammerorchester Amriswil auf.

Martin Preisser
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Die Querflöte strahlt für Balz Burri eine besondere Fröhlichkeit aus. (Bild: Martin Preisser)

Die Querflöte strahlt für Balz Burri eine besondere Fröhlichkeit aus. (Bild: Martin Preisser)

Begabt in Musik und Medizin, diese Kombination gibt es oft, auch unter grossen Musikern. Zu nennen wäre da zum Beispiel der grosse Humanist Albert Schweitzer. Warum es genau solche Doppelbegabungen gibt, weiss auch Balz Burri nicht genau. «Musik ist wie das Leben», sagt der Allgemeinmediziner, der seit 27 Jahren in Amriswil praktiziert. «In der Musik geht es um das Fliessen, um Emotionen, um Anspannen und Entspannen. Musik verbindet Körper und Seele. Das sind Themen, die auch in der Praxis eine Rolle spielen.»

Davon hat auch er geträumt

Im Alter von 16 Jahren hat der junge Balz, was die Innerschweizer Abkürzung von Balthasar bedeutet, mit der Flöte den Jecklin-Musikwettbewerb gewonnen. Eine alte Schallplatte hat den Auftritt festgehalten. Ein damaliger Mitkandidat ist später Soloflötist bei den Wiener Philharmonikern geworden. Eine tolle Stelle in einem tollen Orchester, davon hat Balz Burri auch als bereits tätiger Arzt immer wieder ein wenig geträumt. Und auch heute verfolgt er genau, mit welchen Querflötisten die Spitzenpositionen in grossen Orchestern besetzt sind.

Ist Balz Burri ein besserer Arzt, weil er Flöte spielt? «So kann man es nicht sagen. Allerdings verknüpft Musik vieles im Gehirn, was einem im Beruf hilft.» Nach Wettbewerbserfolgen studierte der junge Balz Burri bei Andre Jaunet, damals eine Kapazität unter den Flötenlehrern. Eine Stelle als junger Assistenzarzt habe er bekommen, weil er Flöte spielte, erinnert sich Balz Burri. Täglich eine Stunde übt er auf seinem Instrument und auf den Soloauftritt am nächsten Wochenende, der erste seit zehn Jahren, freut er sich.

«Musik weiterzugeben ist ein Geschenk, eine andere Möglichkeit zu kommunizieren. Und Musik ist eben auch Medizin.» Beim Musizieren vor Publikum entstehe ein Fluidum, eine verbindende Energie, weiss Burri, der mit dem Kammerorchester Amriswil ein Flötenkonzert von Luigi Boccherini aufführt. «Das ist fröhliche Musik, die gut in den grauen November passt», sagt er. In seinem Röntgenraum hat Burri ein Klavier stehen. Dort entspannt er sich manchmal im Praxisalltag und lässt die Akkorde beruhigend auf sich wirken. Angst vor falschen Tönen in der Konzertsituation hat der 60-Jährige nicht. «Kleine Unebenheiten sind schnell vergessen. Was bleibt, ist der Gesamteindruck.»

Apfel gegen trockenen Mund

Balz Burris Finger sind nach wie vor sehr beweglich. «Sie sind beim Flötespielen nicht das Problem. Anspruchsvoller ist die Finesse in den Lippen, die die richtige Spannung haben müssen.» Vor dem Auftritt einen Apfel essen helfe gegen einen trockenen Mund. Die Flöte liebt Burri auch wegen ihrer Fröhlichkeit. «Sie ist etwas zum Fliegen und zum Abheben.» Wenn er nicht seiner kleinen Enkelin vorspielt, drückt sich Balz Burri auch gerne durch den Tanz aus. Seit acht Jahren tanzt er intensiv mit seiner Frau argentinischen Tango.

22. November, 20 Uhr, evangelische Kirche Amriswil; 23. November, 17.15 Uhr, evangelische Kirche Altnau