MUOLEN: «Viele Kinderwagen auf der Piste»

Nirgends im Kanton St. Gallen sind 2015 auf die Einwohnerzahl gerechnet mehr Kinder zur Welt gekommen als in Muolen. Auch dank Gemeindepräsident Bernhard Keller.

Johannes Wey
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20 kleine Muolerinnen und Muoler kamen vergangenes Jahr zur Welt, das sind 16,9 auf 1000 Einwohner. Damit liegt die Gemeinde weit über dem kantonalen Durchschnitt von 10,8 Geburten auf 1000 Einwohner.

Bei einem Dorf mit 1200 Einwohnerinnen und Einwohnern kann das ein statistischer Ausreisser sein, Gemeindepräsident Bernhard Keller sieht aber auch noch andere Gründe.

Werden über Muolen auffallend viele Störche gesichtet?

Soweit ich weiss, gibt es hier ­keine Storchennester. Offenbar kommen die Kinder auf einem anderen Weg nach Muolen. Im Übrigen gab es in den letzten Jahren auch keine Stromausfälle. Ein moderner Mythos sieht da ja einen Zusammenhang mit der Geburtenrate. Unsere Elektra arbeitet aber einwandfrei. Ich vermute, die hohe Pro-Kopf-Zahl der Geburten hängt mit unserem grossen und bezahlbaren Angebot an Wohnraum zusammen.

Wenn Sie durch Muolen gehen, merken Sie dann etwas von der hohen Geburtenrate?

Durchaus. Vor allem zwischen dem Einfamilienhausquartier an der Bahnhofstrasse und dem Dorf sind jeweils viele Kinderwagen auf der Piste. Für mich waren die kantonale Statistik und der Artikel im St. Galler Tagblatt vom 19. Dezember ein bisschen wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Unserer Gemeinde schmeichelt das, denn es zeigt, dass es den Familien in Muolen gefällt. Und sie bleiben auch, wie eine andere Statistik zeigt.

Hand aufs Herz: Ist diese Zahl bei einer 1200-Seelen-Gemeinde nicht einfach grossen Schwankungen unterworfen?

Natürlich können drei, vier Geburten mehr einen grossen Einfluss in der Statistik haben. Mein Jüngster ist nun anderthalb Jahre alt. Je nach Stichtag haben ich und vor allem meine Frau also auch etwas zu dieser Zahl beigetragen. Trotzdem denke ich, dass die Geburtenzahl auch mit der Lebensqualität hier zu tun hat. Ich kann es nicht anders ­sagen: Offenbar ist es schön, in Muolen zu wohnen.

Statten Sie als Gemeinde­präsident den Eltern jeweils einen Besuch ab, um ihnen persönlich zur Geburt zu gratulieren?

Weil wir eine kleine Gemeinde sind und ich selber Vater bin, kenne ich einen Grossteil der Eltern. Und natürlich gratuliere ich bei Gelegenheit im richtigen Rahmen. Von einem Besuch unmittelbar nach der Geburt sehe ich jedoch ab. Dann haben die frischgebackenen Eltern genug anderes zu tun.

Starten schon bald Planungen für einen neuen Spielplatz?

In Muolen blicken wir noch weiter in die Zukunft: In wenigen Wochen können wir umfassend über die Planung für einen neuen Mehrzwecksaal und deren Umsetzung informieren. Diese Infrastruktur kommt den Kindern zugute, sobald sie alt genug sind, Mitglied in einem Verein zu werden. Ich freue mich, dass deren Nachwuchs offenbar gesichert ist. In einer kleinen Gemeinde haben Geburten ohnehin schnell einen Einfluss auf die Infrastruktur. Etwa bei der Schulraumplanung. Wenn man plötzlich eine zusätzliche Klasse führen muss, können viele Kinder auch eine Herausforderung sein.

Johannes Wey

johannes.wey@tagblatt.ch