MUOLEN: Muolen gönnt sich Millionen

Wie Eggersriet und die Stadt Gossau führt die Gemeinde das neue Rechnungsmodell des Kantons St. Gallen bereits jetzt ein. Die drei Pioniergemeinden beschreiten allerdings nicht den gleichen Weg.

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Strassen, Kanäle und weitere öffentliche Bauten haben in Muolen einen neuen Buchwert. Die Gemeinde beschloss kürzlich, ihr Verwaltungsvermögen aufzuwerten. Muolen wurde so zum Jahreswechsel um 2,5 Millionen Franken reicher. Die Summe wird in eine Reserve gelegt, die wegen eines neuen Gesetzes innert 10 bis 15 Jahren abgebaut werden muss. Gossau hat die Aufwertung ebenfalls vorgenommen. Dadurch wurden in der Stadt im Fürstenland eine Reserve von 70 Millionen Franken aufgedeckt.

Frühere Einführung dank guter Vernetzung

Die Aufwertung im neuen Rechnungsmodell des Kantons St. Gallen (RMSG) ist allerdings freiwillig. In Eggersriet-Grub SG hat der Gemeinderat entschieden, auf die Umbuchung der Strassen und Kanäle ins Anlagevermögen zu verzichten. Wie es in den anderen Gemeinden aussieht, ist noch nicht bekannt. Denn das RMSG befindet sich noch in der Einführungsphase. Um einen Übergang zur neuen Gesetzgebung zu schaffen, führen im aktuellen Jahr nur 11 der 77 St. Galler Gemeinden das Modell ein. Gossau, Eggersriet und Muolen zählen nicht zufällig zu den Pioniergemeinden. Unter anderem können alle drei Präsidenten auf talentierte Finanzverwalter zählen. Heinz Loretini aus Gossau gilt gar als Musterschüler. Er sass auch in der Expertengruppe, die das RMSG ausarbeitete. Die beiden gut vernetzten CVP-Gemeindepräsidenten, Bernhard Keller aus Muolen und Roger Hochreutener aus Eggersriet, waren ebenfalls an der Ausarbeitung beteiligt. Für beide war es eine willkommene Herausforderung, bereits in diesem Jahr umzustellen. Nicht zuletzt auch, weil so eine individuelle Betreuung durch die Revisionsstelle, das Amt für Gemeinden, gesichert ist. Roger Hochreutener sagt auf Anfrage, die Pionierrolle habe auch ihren Reiz: «Das Mitwirken im Einführungsprozess ermöglicht eine umfassende Sicht auf die neue Gesetzgebung.»

Das neue Modell kennt zwei Motivationen: Erstens soll sich die Buchhaltung der Gemeinden an jene in der Privatwirtschaft angleichen. Durch eine neue Kontoführung soll zudem mehr Transparenz geschaffen werden. Bernhard Keller betont, dass durch die Umstellung die Vergleichbarkeit der Jahresrechnungen zunehme. Hochreutener sieht den Vorteil vor allem darin, dass über den finanziellen Zustand der Gemeinde mehr Klarheit besteht: «Es wird ersichtlich, wo und wie viel die Gemeinde in ihre Infrastruktur investieren muss.» Dies lenke vom starren Blick auf den Steuerfuss ab, der alleine nicht aussagekräftig sei, um den finanziellen Zustand einer Gemeinde zu beurteilen.

Die laufende Rechnung heisst neu Erfolgsrechnung. Werterhaltende Kosten, etwa Reparaturen an Wasserleitungen, werden nicht mehr in die Investitionsrechnung aufgenommen, sondern müssen neu in der Erfolgsrechnung verbucht werden. Es kommen zusätzliche Anhänge hinzu, darunter eine Geldflussrechnung. Die Jahresrechnung wird in ein Betriebs- und Finanzergebnis abgestuft. Zusammengeführt bilden diese das operative Ergebnis. In der dritten und letzten Stufe werden Bezüge aus einer Reserve oder Einlagen in eine Reserve abgebildet. Daraus entsteht das Endergebnis der Jahresrechnung.

Zwei Gemeindepräsidenten, zwei Meinungen

Mehr Transparenz sollen auch neue Abschreibungsdauern schaffen. Man will sich den tatsächlichen Nutzungsdauern annähern, weshalb beispielsweise für Schulhäuser ein neuer Spielraum von 25 bis 30 Jahren Abschreibungsdauer gelten soll.

Die Aufwertung des Verwaltungsvermögens wäre auch ein Schritt hin zu mehr Transparenz. Roger Hochreutener jedoch erachtet diese Umstellung nicht für sinnvoll. «Strassen und Kanäle haben ja keinen Handelswert, ich kann sie niemandem verkaufen.» Ausserdem ist Hochreutener der Ansicht, dass diese «Schönfärberei» nur dann Sinn ergibt, wenn auch der Kanton die Aufwertung vornehmen würde.

Bernhard Keller ist zwar auch dieser Meinung, er beurteilt allerdings die Aufwertung des Verwaltungsvermögens für seine Gemeinde als sinnvoll: «Dadurch besteht in Muolen nun eine klare Übersicht über das Gemeindevermögen und damit Transparenz auf allen Ebenen.»

Sebastian Schneider

amriswil@thurgauerzeitung.ch