Münsterlingen versenkt den Steg

SCHERZINGEN. Die Gemeindeversammlung entscheidet sich in geheimer Abstimmung gegen einen Bootssteg. Eine Mehrheit der Stimmbürger will das Seeufer lassen wie es ist. Alle Planungen für einen Hafen in Münsterlingen werden damit beendet.

Urs Brüschweiler
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Die Münsterlinger Bucht im herbstlichen Kleid. Die Stimmbürger möchten, dass sie so bleibt und hier keine Steganlage gebaut wird. (Bild: Reto Martin)

Die Münsterlinger Bucht im herbstlichen Kleid. Die Stimmbürger möchten, dass sie so bleibt und hier keine Steganlage gebaut wird. (Bild: Reto Martin)

Die Stimmbürger klatschten als Gemeindeammann René Walther das Resultat bekanntgab. 89 Münsterlinger hatten Ja gesagt zum Projekt Steganlage mit Wellenbrecher, 115 hatten ein Nein auf ihren Stimmzettel geschrieben. Die zahlreich erschienenen Münsterlinger mussten geheim abstimmen, ob sie den Kredit von knapp neun Millionen Franken genehmigen wollen. Projekt-Gegner Jakob Kuster hatte im Laufe der Diskussion einen Antrag gestellt.

Auf das Vertrauen gesetzt

Nachdem Walther das Steg-Projekt vorgestellt hatte, nutzten diverse Bürger die Gelegenheit um Fragen zu stellen und ihre Meinungen darzulegen. Daniel Bruun, früher selber im Gemeinderat, hatte gar einen ganzen Fragenkatalog vorbereitet. Der Gemeindeammann arbeitete diesen mit Unterstützung von Hafenplaner Josef Kurath Punkt für Punkt ab. Die Gruppe um Hansjörg Keller, Jakob Kuster und Ernst Oderbolz hatte im Vorfeld mit Flugblättern gegen den Steg gekämpft. Sie beteiligten sich auch am Dienstag aktiv an der Debatte. Die Sicherheit von Menschen und Booten sei so weit draussen im See nicht gewährleistet. Kurath setzte auf Vertrauen. «In einem Hafen den wir geplant haben, gab es noch nie einen relevanten Schaden.» Gemeindeammann René Walther erklärte, dass sogar die Versicherungen das Ganze abgesegnet hätten und kein Risiko bestünde. Auch alt Gemeindeammann Fritz Zweifel stellte sich vorbehaltlos hinter die Steganlage.

Nicht schön und nicht nötig

Dass das Pendel am Ende aber auf die andere Seite schwingen würde, war bald zu erahnen. Nach Hansjörg Kellers rhetorischer Frage: «Wer will denn überhaupt mit diesem Projekt die schöne Landschaft verschandeln?», gab es zaghaften Applaus.

Entscheidend für das Nein am Ende dürften aber nicht jene Bürger gewesen sein, die noch mit einem richtigen Hafen liebäugeln. Eher jene, die ihn gar nicht für nötig halten. Anina Wulf-Moor, SP-Kantonsrätin aus Münsterlingen sagte: «Münsterlingen ist eine der letzten Gemeinden mit einem intakten, natürlichen Seezugang. Die Bucht ist nicht geeignet für einen Hafen.» Auch sei der Nutzen für «Nicht-Böötler» zu klein. Lisa Huber blies später ins selbe Horn: «Münsterlingen braucht das nicht. Der Steg ist wahrlich nicht schön.» Beide Aussagen quittierten die Stimmberechtigten mit viel Beifall.

Es gilt das Wort von Jost Rüegg

Nicht wenige Anwesende mussten schmunzeln, als sie feststellten, dass mindestens vier Redner sich mit WWF-Exponent Jost Rüegg kurzgeschlossen hatten. Dieser wurde in Abwesenheit mehrfach zitiert. Auch wenn dabei Gegner und Befürworter leicht unterschiedliche Interpretationen des Gesagten wiedergaben: Jost Rüegg glaubt offenbar der Steg sei «das kleinste Übel» aller Hafen-Varianten.

Keine Häfen im Flachwasser

«Was passiert wenn wir Nein sagen?», wollte ein Stimmbürger wissen. «Der Steg ist die einzige Variante die möglich ist. Traditionelle Häfen im Flachwasser werden nicht mehr bewilligt», erklärte der Gemeindeammann. Hansjörg Keller verneinte dies zwar vehement. Edgar Sidamgrotzki, selber in leitender Funktion beim Kanton tätig, pflichtete Walther aber bei. «Entweder wir schaffen jetzt dieses Highlight, oder man lässt es sein.»

René Walther Gemeindeammann Münsterlingen (Archivbild: Reto Martin)

René Walther Gemeindeammann Münsterlingen (Archivbild: Reto Martin)