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MÜNSTERLINGEN: Starkoch bringt Blinden das Kochen bei

Im Blindenzentrum in Landschlacht stehen diese Woche einige Gäste selber in der Küche. Mario Garcia, Sieger der Schweizer Ausgabe des «Bocuse d'Or», gibt den Sehbehinderten einen Kochkurs.
Nicole D’orazio
Zusammen kochen macht Spass: Begleiterin Doris Gruber, Profikoch Mario Garcia und die blinde Elisabeth Sinstadt. (Bild: Andrea Stalder)

Zusammen kochen macht Spass: Begleiterin Doris Gruber, Profikoch Mario Garcia und die blinde Elisabeth Sinstadt. (Bild: Andrea Stalder)

In der Küche duftet es gut. Sheila Brunner schnippelt die Kartoffeln in kleine Stücke. Zusammen mit drei anderen Blinden und Sehbehinderten sowie drei Begleiterinnen nimmt sie diese Woche an einem Kochkurs im Internationalen Blindenzentrum (IBZ) in Landschlacht teil. «Mir macht es Spass. Man darf keine Berührungsängste haben», sagt die stark sehbehinderte Bernerin. Zu Hause kocht sie eher wenig, da sie alleine wohne. Deswegen habe sie die Chance genutzt, hier in einer Gemeinschaft zu kochen und Gleichgesinnte zu treffen. Zum Abendessen gibt es Älplermagronen. Sheila Brunner schneidet nun bei einem grossen Stück Gruyère behutsam die Rinde ab. «Ich taste genau ab, wo ich schneiden muss.»

Mario Garcia hat den Überblick in der Küche. Der Spitzenkoch, der letzte Woche die Schweizer Ausgabe des renommierten Wettbewerbs «Bocuse d’Or» gewonnen hat, zeigt einer blinden Teilnehmerin, wie sie den Schwingbesen führen muss.

Die Teilnehmerinnen haben keine Berührungsängste

«Die Frauen sind extrem schnell», erzählt er. «Das hätte ich zu Beginn nicht gedacht.» Man dürfe als Sehender nicht ängstlich sein. Die Teilnehmerinnen hantierten in der Küche sehr forsch und ohne Berührungsängste. Auch mit dem Messer. «Das ist mein erster Kochkurs mit Sehbehinderten. Ich versuche immer, ihnen alles möglichst einfach zu erklären und schliesse auch mal die Augen, um mich in ihre Situation hinein zu fühlen.» Kochkurse sind das Metier des 27-Jährigen. Denn er führt eine eigene Kochschule im luzernischen Horw.

Die Teilnehmerinnen sind sehr zufrieden mit dem Profikoch. «Er macht das genial und ist sehr geduldig mit uns », meint Anja Haaga aus Radolfzell. Sie hat sich mit einer Freundin spontan für den Kurs angemeldet. «Zuhause kocht vor allem mein Mann. Ich möchte mir hier Tipps holen, wie ich die Zutaten richtig schneiden und zubereiten kann.» – «Ich habe mich angemeldet, weil ich sonst nie Gelegenheit hätte, mit einem Profi zu kochen und Ideen zu holen», sagt die blinde Elisabeth Sinstadt aus Niederglatt. «Ich finde das total spannend.»

Im IBZ geben die Mitarbeiter bis zum Schluss Gas

Der Kurs wird vom Blindenzentrum in Kooperation mit der Schweizerischen Caritasaktion der Blinden organisiert. «Die Anzahl Teilnehmerinnen ist ideal, da so auf jede individuell eingegangen werden kann», sagt Kursleiterin Gabi Waber vom IBZ. Ein oder zwei mehr hätten noch mitmachen können. Der Direktion ist es wichtig zu zeigen, dass man im Blindenzentrum den Kopf nicht in den Sand steckt, sondern bis zum Schluss mit grosser Freude für die Gäste da sei, meint Roland Gruber, der stellvertretende Direktor. Denn Ende September dieses Jahres wird das IBZ schliessen. Der Stiftungsrat hat dies Anfang Januar aus Rentabilitätsgründen beschlossen.

Sheila Brunner ist darüber sehr enttäuscht. «Für uns Sehbehinderte ist die Schliessung des IBZ sehr schlimm. Denn unser zweiter Ferien-Standort in der Schweiz, das Hotel Solsana in Saanen, wird ebenfalls geschlossen.» So könnten sie nirgends mehr hin. In normalen Hotels sei es für Sehbehinderte nicht so einfach. «Ich kann auch nicht in jedes Hotel meinen Blindenhund mitbringen.» Für sie bedeuten die Schliessungen einen Skandal in der reichen Schweiz. Die Freude am Kochkurs möchte sie sich deswegen nicht vermiesen lassen und widmet sich dem Käse, der geraspelt werden muss.

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