Münsterlingen erhält eine kleine OLS-Abstimmung und sagt Nein

MÜNSTERLINGEN. Statt einer Gemeindeversammlung zu den Strassenprojekten gab es in Münsterlingen am Donnerstag eine Podiumsdiskussion. Abgestimmt wurde trotzdem.

Urs Brüschweiler
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Bild: URS BRÜSCHWEILER

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MÜNSTERLINGEN. Offiziell durften die Münsterlinger ihre Meinung über BTS und OLS nicht kundtun, obwohl das eine Mehrheit von ihnen gerne wollte. Eine Parolenfassung auf Gemeindeebene sei nicht zulässig, hatte der Gemeinderat mit Verweis auf die Thurgauer Staatskanzlei entschieden und damit einige Münsterlinger enttäuscht und wütend gemacht. Ein Leserbriefschreiber hatte das sogar mit einem Verstoss gegen das Recht auf freie Meinungsäusserung verglichen.

Stimmen wurden nicht gezählt

Eine Abstimmung gab es nun trotz allem, wenn auch in kleinem Rahmen, informell und ohne exakte Auszählung. Am Donnerstagabend fand im Saal der Psychiatrischen Klinik eine Podiumsdiskussion über das Projekt BTS/OLS statt. Der Gemeinderat hatte diese organisiert, als Ersatz für die nicht statthafte Gemeindeversammlung mit Konsultativabstimmung. Moderiert wurde die Diskussionsrunde, bei der die Komitees je drei Personen stellen durften, von TZ-Redaktor Mario Testa. Dieser schritt dann aber doch gleich zu Beginn der Veranstaltung zur Abstimmung. «Ein Stimmungsbarometer soll doch möglich sein», sagte er. Sechs Hände gingen hoch, als Testa nach Unentschlossenen fragte. Etwa zehn Personen bekannten sich als Befürworter. Eine deutliche Mehrheit – zurückhaltend geschätzt etwa 30 Personen – lehnt die Strassenprojekte ab. Der Moderator kam mit der Abstimmung wohl einigen Anwesenden zuvor, welche eins solche sonst gefordert hätten.

Komitees schickten Teilnehmer

Beim anschliessenden zweistündigen Podiumsgespräch brachten die Gegner und Befürworter ihre bekannten Argumente auf den Tisch. SP-Kantonsrätin Anina Wulf-Moor aus Scherzingen, der grünliberale Kantonsrat Klemenz Somm aus Kreuzlingen und SVP-Kantonsrat Matthias Rutishauser aus Lengwil kämpften für die Contra-Seite. Gottfried Bütikofer, Landwirt aus Langrickenbach, SVP-Kantonsrat Erwin Imhof aus Bottighofen und FDP-Kantonsrat Fritz Zweifel aus Scherzingen argumentierten für den Bau von BLS und OLS. Die Stimmung im Saal war wechselhaft. Mal waren die Kontrahenten und die Zuschauer entspannt, mal gingen die Emotionen hoch.

Sticheleien und harsche Worte

Insbesondere zwischen Klemenz Somm und Erwin Imhof entwickelte sich ein spannendes Rededuell, bei welchem beide auch nicht auf Sticheleien verzichteten. Für Stimmung im Saal sorgte Somm auch mit einem Seitenhieb gegen den ehemaligen Münsterlinger Gemeindeammann Fritz Zweifel. Er führte aus, dass es eigentlich eine Frechheit sei, dass nach der Südumfahrung von 2007 nun bereits wieder eine Vorlage aufs Tapet komme. Als Zweifel seine Einwände kundtun wollte, bremste ihn Somm mit den Worten aus: «Fritz, damals warst Du noch auf unserer Seite.» Das Publikum quittierte es mit Applaus. Fritz Zweifel blieb um eine Antwort nicht verlegen. Er zeigte auf, weshalb er 2007 tatsächlich gegen die Südumfahrung eingetreten war. «Es war ein Flickwerk. Man wusste nicht genau, wo die Strasse durchgehen würde.» Die heutige Vorlage hingegen sei ausgereift und ausgewogen.

Mehr kritische Fragen

Obwohl man wegen der Ausgangslage eigentlich mit mehr als 60 Besuchern hatte rechnen dürfen, beteiligten sich die Anwesenden rege an der Diskussion. Die Rückmeldungen aus dem Publikum, welches nach Vorgabe des Moderators vornehmlich Fragen stellen und nicht Statements abgeben sollte, waren mehrheitlich kritischer Natur.

Ein flammender Appell

Den prägnantesten Auftritt hatte der Scherzinger Felix Burgener. «Wenn das Projekt damals nicht gestimmt hat, wie sollen wir dann glauben, dass es diesmal stimmt.» Nach einem flammenden Appell rief er den Leuten zu: «Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden.» Burgener erhielt für seine Rede viel Applaus aus den Reihen der Münsterlinger.