MÜNSTERLINGEN: Ein Zuhause für Autisten

Die Stiftung Mansio plant für 13 Millionen Franken einen Neubau auf dem Spital-Campus. Aus dem Architekturwettbewerb ist «Initium» als Siegerprojekt hervorgegangen. Die Jury war einstimmig dafür.

Nicole D’orazio
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So stellen sich die Architekten den Eingansbereich des Neubaus vor. (Bild: PD)

So stellen sich die Architekten den Eingansbereich des Neubaus vor. (Bild: PD)

Es gibt immer mehr Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung. «Das hat mit der demografischen Entwicklung zu tun. Der Thurgau ist ein Wachstumskanton, und dank der medizinischen Errungenschaften werden die Leute immer älter», sagte Florentina Wohnlich, die Leiterin des Sozialamtes des Kantons Thurgau, an der gestrigen Medienkonferenz der Stiftung Mansio. Es müssten deswegen jährlich im ganzen Kanton neue Plätze geschaffen werden. 30 Wohnplätze mit integrierter Beschäftigung sollen im Neubau der Mansio auf dem Areal des Kantonsspitals entstehen – nicht wie die anderen Häuser direkt am See. Gedacht sind diese für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Gestern wurde das Siegerprojekt präsentiert. Entworfen haben «Initium», was Anfang heisst, die Gähler Flühler Architekten aus St. Gallen.

Im Frühjahr 2021 sollen die Bewohner einziehen

In einem zweistufigen selektiven Wettbewerbsverfahren gingen 70 Bewerbungen ein, wovon neun für die zweite Phase ausgewählt wurden. «Sieben haben wir nach Referenzen bestimmt, zwei nach der Nachwuchsquote, um auch jungen Büros eine Chance zu geben», erklärte der Bauherrenvertreter Christian Peter. «Der Sieger wurde vom Preisgericht einstimmig gekürt.» Das sei der erste Schritt, man stehe nun am Anfang der Detailplanung. Mit der Baueingabe wird in neun bis elf ­Monaten gerechnet, der Bezug ist im Frühling 2021 geplant.

«Das Projekt bindet sich durch das präzis geschnittene ­Volumen sehr gut in die Situation und die Topografie ein», sagte der Kantonsbaumeister Erol Doguoglu. Der zweiteilige Gebäudekomplex gliedere den Aussenraum und schaffe die richtigen Orte fürs Ankommen, die Zufahrten und den Garten. «Die Architekten haben sich intensiv mit dem Raumprogramm beschäftigt. Es wird diszipliniert organisiert und betrieblich perfekt umgesetzt. Es ist schön gelöst. Vor allem, dass die Bewohner in den Kleingruppen noch Raum zum Zirkulieren finden», lobt Doguoglu. Das Siegerprojekt verfüge von den neun eingereichten Vorschlägen das kompakteste ­Volumen und sei am wirtschaftlichsten. Das heisst, es ist am günstigsten zu bauen. Trotz des kleinsten Volumens schaffe es räumliche Qualität, nicht über mehr Fläche, sondern mit einem typologischen Erfindergeist. «Es ist ein gutes Beispiel dafür, wenn die Prozesse im Wettbewerb offen gestaltet werden. Am Schluss hat man eine unglaublich gute Lösung gefunden.»

«Wir haben gerade ein Heim gebaut, was uns geholfen hat», sagte Architekt Diego Gähler. Zusammen mit Spezialisten habe man das Raumprogramm aufgestellt. «Wir wollten eine wohnliche Atmosphäre schaffen. Die Einbindung war uns das Wichtigste. Der Eingangshof ist ein gut ausformulierter Raum fürs Ankommen und Gehen.»

Die neun Projekte sind bis 5. November in der Cafeteria des Gemeinschaftszentrums der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen ausgestellt und öffentlich zugänglich.