Mückenstich statt Zwergenstube

Leuchtturm

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Schnäggehüsli. Zwerglistube. Müsliburg. So zuckersüss klingen die Spielgruppen-Namen der Nachbarsgemeinden. Alle werben sie derzeit die Kleinen an. In Salmsach muss man nix schön reden. Hier fliesst seit Jahren mit der Aach die Gülle durchs Dorf – und tötet alles ausser Mücken. «Muggestich» heisst denn auch die heimische Spielgruppe.

Auf der Anmeldung ist eine Stechmücke abgebildet. Mugge­stich? Welches Kind findet das gut? Aber wir Salmsacher sind halt ein bodenständiges Völkli. Das Leben ist nun mal keine Zwerglistube. Wer in die Waldspielgruppe will, muss etwas aushalten. So ein Mückenstich ist immerhin besser als ein Wespenstich. Und eigentlich steht er fast sinnbildlich für den Sommer hier am See. Denn ein lauer Grillabend endet meist nicht mit einer Sternschnuppen-Nacht, sondern mit der ­erloschenen Glut und diesem Surren, das ab einer gewissen Uhrzeit jeden Gast aus dem Garten vertreibt.

Aber ein Kind sieht selbst in einem Mückenstich etwas Positives. Dann nämlich, wenn es sich beim Kratzen an die schönen Momente erinnert, in denen die Mücke zugestochen haben könnte. Im Seebad? Beim Muschelsammeln? Oder beim Entenjagen im Schilf? Und am Abend werden bei allen Familienmitgliedern die Stiche gezählt, nach dem Motto: «Zeig mir deine Mückenstiche, und ich sage dir, ob du heute wirklich was erlebt hast.»

Annina Flaig