Mostexperten schlafen im Stroh

FRASNACHT. Schlafen auf dem Bauernhof: Dieses ländliche Erlebnis bietet Elisabeth Stäheli den Sommer über auf ihrem Hof in Frasnacht. Ihr Strohhotel hat ein Extra: Sie bildet ihre Gäste zu Mostexperten aus.

Gioia Zogg
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Wenn sie wollen, schlafen die Gäste im Stroh.

Wenn sie wollen, schlafen die Gäste im Stroh.

Elisabeth Stäheli führt die Mostgalerie und das romantische Strohhotel am Bodensee in Frasnacht; meist ganz alleine. Um die Osterzeit geht es los: das Strohhotel, das Übernachtungsmöglichkeiten für Familien, Gruppen oder Alleinreisende bietet, eröffnet die Saison. «Meistens sind es Velofahrer, die den See umfahren und hier eine Nacht haltmachen», sagt Elisabeth Stäheli. Manchmal blieben Familien auch zwei bis drei Tage oder länger. Es gäbe auch Stammgäste, die jedes Jahr vom Strohhotel aus ihre Tagesausflüge unternehmen. Das Hotel bietet Betten aller Art. Vom klassischen Zimmer mit Bett über das Matratzenlager bis hin zum legendären Schlafen im Stroh kann man alles erleben – immer inklusive Frühstück.

Bauernleben vermitteln

Für die gelernte Handarbeitslehrerin bedeutet das Wäsche waschen, Zimmer und Anlagen reinigen, Verpflegung bereitstellen, Rezeption, E-Mail- und Telefon betreuen und Finanzen beisammenhalten – rund um die Uhr. Meist bleibt da keine Zeit, auf dem Hof ihres Mannes zu helfen. «Der Bauernhof ist ein wichtiger Teil für das Erlebnis <Schlafen im Stroh>. Ausserdem beziehe ich die Rohstoffe für das Hotel von meinem Mann.» Ansonsten seien die beiden Betriebe aber getrennt. Elisabeth Stäheli ist es aber wichtig, den Gästen das tägliche Bauernleben zu vermitteln. Es sei eine gute Möglichkeit, um die romantische Vorstellung von der Arbeit auf einem Landwirtschaftsbetrieb zu berichtigen und aufzuzeigen, wieso für gute und natürliche Produkte ein entsprechender Preis verlangt werden muss.

Auch Gäste haben eine Pflicht

In der Hauptsaison bekommt Elisabeth Stäheli Hilfe von zwei ihrer vier Töchter. «Im August und September ist hier am meisten los, weil die süddeutschen Bundesländer dann Sommerferien haben.» In ihrem Hotel übernachten viele deutsche Gäste. Aber nicht alle ihre Besucher kommen aus den Bodenseeländern. «Die Internationalität hier finde ich sehr spannend. Sowieso sind die Gespräche mit meinen Gästen für mich das Schönste an meinem Beruf», sagt sie.

Gastfreundschaft wird im Strohhotel grossgeschrieben. Obwohl Elisabeth Stäheli sich nur selten die Namen der Gäste merken kann, weiss sie, welche Vorlieben oder Aversionen ihre Stammkunden haben. Gastfreundschaft hat für die Gastronomin jedoch zwei Seiten. «Ich finde, dass auch der Gast eine Gästepflicht hat: Respekt, Anstand und eine gewisse Ordentlichkeit, das Selbstverständliche eben.»

«Köstlich Möstlich»

Im Winter ist das Strohhotel geschlossen. Die freie Zeit nutzt Elisabeth Stäheli, um die im Sommer geschmiedeten Pläne umzusetzen, sich weiterzubilden oder einfach für Ferien und Reisen. Der Winter ist bei ihr jedoch nur von kurzer Dauer. Denn im Frühling und Herbst – zur Blüte- und Erntezeit – heisst es bei den Stähelis «Köstlich Möstlich». Dann veranstaltet Elisabeth Stäheli in ihrer Mostgalerie Mostdegustationen und Apéros für Gruppen und Gesellschaften. Eine Vielfalt von rund 20 verschiedenen alkoholischen und alkoholfreien Saft-, Most-, Süssmost-, Schorle-, Cidre- und Weinarten aus der Region bietet sie an. «Unser Ziel ist es, den Gästen Apfelsaft und Most näherzubringen, damit diese wieder in Mode kommen. Immerhin sind wir hier in Mostindien», sagt Elisabeth Stäheli.

Vielleicht bald mit Café

Mehr und mehr Gäste finden den Weg zur Mostgalerie und zum Strohhotel. «Wir haben bereits dieses Jahr erwogen, ob wir für das Hotel eine Hilfe anstellen. Momentan haben wir uns aber noch dagegen entschieden.» Trotzdem steht die Entwicklung des Strohhotels aber nicht still. Pläne für einen dem Thema Most entsprechenden Spielplatz sind bereits gesetzt. Noch weniger definitiv, aber bereits heiss diskutiert wird ein Café mit hauseigener Glace. «Dieses würde allerdings hauptsächlich von meiner Tochter betreut», sagt Elisabeth Stäheli. Sicher ist noch nichts, ausser dass sie dann nicht mehr alleine in ihrem Hotel tätig wäre.

Elisabeth Stäheli kümmert sich immer alleine um das Frühstück für die Gäste ihres Strohhotels. (Bilder: Gioia Zogg)

Elisabeth Stäheli kümmert sich immer alleine um das Frühstück für die Gäste ihres Strohhotels. (Bilder: Gioia Zogg)

Bis zu 20 verschiedene Saftsorten können die Gäste degustieren.

Bis zu 20 verschiedene Saftsorten können die Gäste degustieren.

Bild: GIOIA ZOGG

Bild: GIOIA ZOGG

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