Mocmoc bleibt – vielleicht

Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Romanshorn dieser Tage ganz knapp an einer Katastrophe biblischen Ausmasses vorbeigeschlittert.

Markus Schoch
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Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Romanshorn dieser Tage ganz knapp an einer Katastrophe biblischen Ausmasses vorbeigeschlittert. Von allen guten Geistern verlassen, spielten die Verantwortlichen der Stadt mit dem Feuer und hätten verbrannte Erde hinterlassen, wenn sie nicht rechtzeitig zur Besinnung gekommen wären. Sie überlegten sich tatsächlich ernsthaft, Hand an den legendären Mocmoc zu legen, der derzeit im Weg steht – was er nach Meinung der Hälfte der Bevölkerung sowieso seit über zehn Jahren tut. Wegen der Baustelle auf dem «Bodan»-Gelände ist das gelb-schwarze Fabelwesen zuweilen ein Verkehrshindernis für Lastwagen, die den Coop-Pronto beliefern.

Die Chauffeure müssen weiter ihr ganzes Können aufbieten, wenn sie Waren beim Bahnhofplatz abladen wollen. Denn Mocmoc bleibt, wo er steht, hat die Stadt entschieden. Zum Glück: Nur schon ihre Gedankenspiele sorgen seit Tagen für Gesprächsstoff und rote Köpfe an den Stammtischen. Das Denkmal vom Sockel zu holen, hätte ein Erdbeben ausgelöst und all die mit Wut verknüpften Erinnerungen an die Oberfläche gespült, die im tiefen See des Vergessens längst auf Grund gesunken sind.

Ein Schelm, wer denkt, dass sich die Stadt bei ihrem Entscheid von der Hoffnung leiten liess, dass Mocmoc diesen Winter einen Schwächeanfall erleidet und sein rot leuchtender Herzschlag aussetzt. So dass in der Dunkelheit ein übermüdeter Lastwagenfahrer beim Rückwärtsfahren den erfundenen und unsichtbar gewordenen Stadtheiligen übersieht. Damit hätten sich die Diskussionen um die reizlos gewordene Reizfigur ein für allemal erledigt. Und nur einer wäre schuld, dem man ausser Schläfrigkeit aber nichts vorwerfen könnte. Genial, dieser Plan, wenn es ihn wirklich gäbe.

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