Mit vier Velos nach China

HEFENHOFEN. Als Radrennfahrer konnte Bernhard Oberholzer schon einige nationale Erfolge feiern. Heute fliegt er als Teil der Schweizer Delegation nach China an die Sommer-Universiade 2011 in Shenzhen, um gegen Studenten aus aller Welt anzutreten.

Valentin Schneeberger
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Packt seine Sachen für ein grosses Abenteuer: Der Radspezialist Bernhard Oberholzer. (Bild: Valentin Schneeberger)

Packt seine Sachen für ein grosses Abenteuer: Der Radspezialist Bernhard Oberholzer. (Bild: Valentin Schneeberger)

Hefenhofen. «Nervös bin ich nicht wirklich», sagt Bernhard Oberholzer. Er sei eher gespannt darauf, was ihn in China erwarten werde. Der 26jährige Radrennfahrer aus Hefenhofen fliegt heute nach Shenzhen, um das erste Mal an einer Sommer-Universiade (siehe Kasten) teilzunehmen.

Für das Velotalent gleicht dieses Unterfangen einem grossen Abenteuer: Noch nie zuvor in seinem Leben war er so weit weg von zu Hause – weder privat noch für einen Wettkampf. Vom 12. bis am 23. August wird sich Oberholzer in der Nähe von Hongkong mit Studenten aus aller Welt messen.

Ein enger Zeitplan

«In der Vergangenheit bin ich höchstens einmal nach Mallorca in ein Trainingscamp geflogen», erzählt Oberholzer. Dass der Flug über Hongkong nach Shenzhen mehr als 12 Stunden in Anspruch nimmt, macht ihm dann doch ein wenig Sorgen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass sein Körper auf Reisen zuweilen sensibel reagieren könne. «Ich hoffe, dass ich mich nach der Ankunft in China schnell erholen kann. Schliesslich starte ich schon zwei Tage danach mit den Vorbereitungen für das Strassenrennen am Samstag.»

Der Zeitplan für Shenzhen ist eng ausgelegt, denn Oberholzer wird für die Schweiz gleich in vier verschiedenen Disziplinen auf Medaillenjagd gehen. Auf der Strasse tritt er sowohl im Einzelrennen als auch im Mannschaftszeitfahren an und auf der Bahn stellt er sich dem Punktefahren und der Einzelverfolgung über 4000 Meter. Dazwischen sind fast tägliche Trainingseinheiten eingeplant. «Obwohl der sportliche Teil klar überwiegt, werde ich sicher noch Zeit finden, um mich ein wenig in Shenzhen und Hongkong umzusehen», meint Oberholzer.

Logistische Herausforderung

Der Rad-Allrounder aus Hefenhofen wurde neben 92 weiteren Athleten vom Schweizer Hochschulsport-Verband für die Sommer-Universiade selektioniert. Neben den diversen Rad-Disziplinen, welche dieses Jahr zum ersten Mal Teil der Sportveranstaltung sind, treten in Shenzhen Wettkämpfer aus 20 weiteren Sportarten gegeneinander an. Insgesamt reist die Schweizer Delegation mit rund 140 Sportlern, Funktionären, Offiziellen und Betreuern nach China.

Oberholzer ist beeindruckt von der Organisation, welche für einen Anlass dieser Grösse benötigt wird: «Schon alleine meine Teilnahme an der Universiade ist eine logistische Herausforderung», sagt er. Schliesslich benötigt der Radrennfahrer für die vier verschiedenen Disziplinen auf Bahn und Strasse auch vier unterschiedliche Velos. Diese mussten vor dem Flug alle auseinander genommen und verpackt werden, damit der Transport nach Shenzhen reibungslos klappt.

Will sich überraschen lassen

Auf die Menschenrechtssituation innerhalb der Volksrepublik China angesprochen, meint Oberholzer: «Natürlich störe ich mich extrem am repressiven chinesischen Regime und noch mehr an deren Folgen für die Zivilbevölkerung.» Trotzdem wolle er sich sich davon selbst ein Bild machen und die Teilnahme an der Sommer-Universiade in Shenzhen sei eine gute Gelegenheit dazu. «Ich bin gespannt, ob sich meine Eindrücke der Verhältnisse von Schein und Sein bestätigen oder ob ich allenfalls meine Meinung revidieren muss», erklärt er. Überhaupt wolle er sich bei seinem China-Abenteuer überraschen lassen.

In einer Disziplin aufs Podest

Auch betreffend einer konkreten Zielsetzung lässt der Thurgauer sämtliche Möglichkeiten offen. Es sei auch nicht ganz leicht, sich im Vorfeld des Wettkampfes selbst einschätzen zu können. «Zum einen bin ich nicht so gut über das Niveau meiner Kontrahenten informiert, wie ich mir das aus meinen bisherigen Rennen gewohnt bin.» Zudem würden die ungewohnten Bedingungen in Shenzhen eine Einschätzung zusätzlich erschweren. «Das unterschiedliche Klima und der Smog sind sicher Faktoren, die dem einen oder anderen Fahrer zusetzen könnten», schätzt Oberholzer. Trotzdem will er bei mindestens einer Disziplin versuchen, aufs Podest zu fahren. «Das wäre natürlich das Tüpfelchen auf dem i», sagt er.

Bild: Valentin Schneeberger

Bild: Valentin Schneeberger

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