Mit Ross und Wagen zum Ölkauf

AMRISWIL. Martha Eberle aus Amriswil erinnert sich an eine Kindheit mit Spezereiläden, in denen Zucker und Mehl in Papiertüten abgepackt wurden. Für Alessandro Staunovo ist das Einkaufen heute eine ungeliebte Sache.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Martha Eberle erlebte die Zeit der Spezereiläden, Alessandro Staunovo fährt mit der Familie jeweils am Samstag zum Einkaufen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Martha Eberle erlebte die Zeit der Spezereiläden, Alessandro Staunovo fährt mit der Familie jeweils am Samstag zum Einkaufen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Früher gab es noch keine Supermärkte. Man kaufte in Spezereiläden ein; Läden die meist Familienbetriebe waren. Verkäufer und Kunden kannten sich noch, es wurde nicht nur bedient und gekauft, meistens ergab sich auch eine Unterhaltung.

«Im Dorf gab es zwei Spezereiläden», erzählt Martha Eberle, die mit neun Geschwistern auf einem Bauernhof im Agen in Häggenschwil aufgewachsen ist. Einmal wöchentlich fuhr ihre Mutter mit dem Velo zum Einkaufen ins Dorf. Stand ein Grosseinkauf an, wie etwa die Anschaffung von Speiseöl, fuhr der Vater mit Ross und Wagen zum Dorfladen. «Das Speiseöl kauften wir in 10-Liter-Kannen ein», erklärt die 88jährige Seniorin, die in Amriswil wohnt.

Viele Lebensmittel, so auch Zucker und Mehl, wurden noch «offen» verkauft, das heisst: die gewünschten Mengen wurden abgewogen und in Papiertüten abgefüllt. Getränke mussten keine gekauft werden. Leitungswasser und Apfelsaft – süssen für die Kinder und sauren für die Erwachsenen – gab es genug auf dem Bauernhof im Agen. Auch Essig wurde nie gekauft, denn der Obstessig konnte aus vergorenem Most gewonnen werden. Gemüse, Beeren und Salate kamen erntefrisch aus dem eigenen Bauerngarten auf den Tisch.

Blockschokolade zur Belohnung

Gelegentlich brachte die Mutter eine Schokolade mit nach Hause. «Wie haben wir uns gefreut, wenn wir ein Täfeli Blockschokolade zur Belohnung bekamen», erzählt Martha Eberle. Damals gab es nur dunkle Blockschokolade, die man heute zum Kochen und Backen verwendet.

Martha Eberle mag sich noch gut an die ofenfrischen Brote aus der Häggenschwiler Bäckerei erinnern. Manchmal musste sie nach der Schule dort einen Vierpfünder holen. Weil dieser so verführerisch duftete, konnte sie oftmals der Versuchung nicht widerstehen. Auf dem Heimweg habe sie das Brot mit den Fingern ausgehöhlt. «Aber nur ein faustgrosses Loch hat es gegeben», verrät die Seniorin schmunzelnd. Bargeldloses Einkaufen war damals schon bekannt. Die getätigten Einkäufe wurden nämlich in einem Büchlein notiert und einmal monatlich bezahlt.

Am Samstag zum Shoppen

«Jeden Samstag begleite ich meinen Vater zum Einkaufen», sagt der 8jährige Alessandro Staunovo und ergänzt, dass der Einkauf einmal wöchentlich im Supermarkt verrichtet wird. Einkaufen gehöre aber nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Seine kleine Schwester Anabel hingegen liebt das samstägliche Shoppen sehr. «Sie rennt immer zum Einkaufswagen, um sich in diesem möglichst schnell den Sitzplatz zu ergattern», erklärt der Zweitklässler aus Amriswil.

«Früher bekamen wir Salate und Beeren aus Nonnos Schrebergarten», erzählt Alessandro und fügt an, dass es diesen Schrebergarten leider nicht mehr gibt und seither auch die Salate im Supermarkt gekauft werden.

Bananen müssen sein

Am meisten freut sich Alessandro, wenn er beim Einkaufen einen «Star-Wars-Schleckstängel» bekommt und erklärt, dass dieser nach dem gleichnamigen Film benannt ist. Der Schüler weiss auch, dass etwas bei den samstäglichen Besorgungen nie fehlen darf: Bananen. Diese mögen er und seine Schwester ganz besonders.

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER

Bild: YVONNE ALDROVANDI-SCHLÄPFER