Mit Parmaschinken und O sole mio

Ganz im Zeichen unseres südlichen Nachbarlandes Italien stand heuer das jährlich stattfindende Kulturcinema-Sommerfest. Serviert wurden passende Speisen und authentische Klänge.

Uschi Meister
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Die Todos Band sorgt am Sommerfest für die passende Musik. (Bild: Uschi Meister)

Die Todos Band sorgt am Sommerfest für die passende Musik. (Bild: Uschi Meister)

ARBON. Der in sanften Farben strahlende Garten empfing die Gästeschar bei noch anhaltender Tageshelle. Nur sechzig Festteilnehmer hatten sich frühzeitig genug angemeldet und durften sich ihres Platzes erfreuen, vierzig weitere Interessenten mussten aufs kommende Jahr vertröstet werden. Was immerhin aussagt, dass alle der rund hundert Mitglieder des Vereins Kulturcinema gerne gekommen wären.

Gastgeberin Claudia Lämmler bedauert dies einerseits und entschuldigt: «Wir haben einfach nicht mehr Geschirr und auch nicht die Möglichkeiten, für alle ein gepflegtes Dinner herzurichten.» Ganz zu schweigen von bequemen Sitzgelegenheiten. Weitaus wichtiger war es, den Gästen ein Wohlfühlerlebnis rundum zu bescheren, beim Essen im Garten freie Platzwahl zu lassen und beim Konzert im Saal dann allen Sicht und gute Akustik zu bieten.

Ein bemerkenswertes Haus

Wer kam, kam aus dem Staunen nicht heraus. Das alte Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert lässt mit seiner nicht eben verlockend wirkenden Aussenfassade in keiner Weise erahnen, was in ihm drin steckt. Anbauten verwandelten es zur Druckerei, die Romantik des Sommergartens steht der Funktionalität der Innenräume entgegen. Diese, halb Büro und zur zweiten Hälfte ein Zuhause, eignen sich als Kino- oder Konzertsaal, sind aber auch gut ausgestattete Beiz.

Der Blick auf den Römerturm und den Baukran daneben unterbrach den Hauch Italianità. Das Menu reichte vom Klassiker Melonen mit Parmaschinken bis zum Gelato in der Konzertpause. Attraktion schlechthin war dann das Konzert, denn dieses – unter dem Motto «musica è passione» – versetzte zurück in die Zeit der Cantautori und den Glanz des Sanremo-Festivals.

Ganz im Glanz der Cantautori

Als Spitzenmusiker entpuppten sich alle fünf Mitglieder der «todos band», in der Michele Croce als Sänger und charmanter Causeur die Fäden zog. Die Zeitreise ging von 1800 bis 1976, die Reichweite vom kargen Süden Italiens bis Argentinien, die Inhalte streiften «anima e cuore» – die Seele und die Herzen. Die Akustik des Raumes liess aufhorchen. Die sich in Spiegeln vervielfachenden Beleuchtungskörper setzten Akzente. Noch stundenlang hätte man weiterhören mögen. Spätestens Gassenhauer «Ciao, Ciao Bambina» weckte die Lust am Mitsummen, sich im Rhythmus zu wiegen. Astor Piazzollas «Años de Soledad» verbreitete Melancholie. Selbst «O sole mio» komponiert von Eduardo Di Capua hätte niemals stimmiger daherkommen können als zum Ausklang dieses ungetrübten Sommertages.

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