Mit Malen dem Alltag entfliehen

NEUKIRCH AN DER THUR. Mit ihrem Malatelier hat sich Jasmin Hidber einen Wunsch erfüllt. Freies Malen ist für sie Entspannung und Erholung. Dies teilt die Künstlerin aus Neukirch an der Thur gerne mit anderen.

Hannelore Bruderer
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Ohne konkrete Vorstellung davon, wie es am Ende aussehen wird, beginnt Jasmin Hidber ein neues Bild. (Bild: Hannelore Bruderer)

Ohne konkrete Vorstellung davon, wie es am Ende aussehen wird, beginnt Jasmin Hidber ein neues Bild. (Bild: Hannelore Bruderer)

Es sind Farben, Formen und Strukturen, die Jasmin Hidbers Bilder prägen. «Wenn ich ein neues Bild beginne, habe ich keine konkrete Vorstellung, was ich malen möchte. Ich beginne mit einer Farbe, einem Strich und daraus entwickelt sich dann das ganze Bild», sagt sie. Diese Freiheit erfahren alle Interessierten, die in ihrem Atelier ein Bild malen.

Beim therapeutischen Malen geht es um kreative Selbsterfahrung und darum, den Alltag draussen zu lassen. Das ideale Umfeld dafür hat sich Jasmin Hidber mit ihrem Atelier im ehemaligen Waschhaus des Hauses Neukirch geschaffen.

Einen Traum erfüllt

Jasmin Hidber ist in Näfels aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Mann in Sargans. Mit ihrem Malatelier hat sich die 34jährige frühere Primarlehrerin und Schulleiterin einen Traum erfüllt. «Ich liebe meinen Beruf. Dennoch habe ich gespürt, dass da noch etwas fehlte.» Vor bald drei Jahren hat sie sich entschieden, das Malatelier Mina in Neukirch an der Thur zu eröffnen. Ihrem Beruf ist sie trotzdem treu geblieben. Sie unterrichtet mit einem 50-Prozent-Pensum an der heilpädagogischen Schule in Trübbach.

Ein besonderer Ort

«Als ich das erste Mal in meinem Atelier in Neukirch stand, wusste ich, dass dies ein ganz besonderer Ort ist und ich hier ideal arbeiten kann», erzählt Jasmin Hidber.

Alle Bedenken, dass Neukirch zu weit von ihrem Wohnort und Wirkungskreis entfernt liegt, waren schnell vergessen. Das schmucke Häuschen gegenüber dem Haus Neukirch wirkt verträumt. Dieser Eindruck wird jetzt im Frühling noch verstärkt, durch die Pracht der blau blühenden Glyzinie, die sich am Dach entlangwindet. Der helle Raum im Innern strömt Wärme und Ruhe aus. Malutensilien liegen auf dem Tisch verstreut, an den Wänden hängen Bilder.

«Ich male für mich»

Mit einem kühnen grünen Kreidestrich beginnt Jasmin Hidber ein neues Bild. Sie malt vorwiegend mit Gouache, Strukturpaste, Erdfarben oder Kreide. Mal sind es geschwungene, mal klare geometrische Formen. Einige Bilder umfassen fast das ganze Farbspektrum, andere sind auf ein, zwei Töne reduziert. «Ich male für mich», gibt die Maltherapeutin unumwunden zu. Ihre Freude am Malen gibt sie aber auch anderen Personen weiter. «Der Kontakt zu den Menschen ist mir genauso wichtig wie die Malerei», sagt sie.

Zum freien Malen kommen Kinder und Erwachsene jeden Alters zu ihr. «Manche sind erstaunt, weil ich ihnen keine Regeln auferlege, keine Anweisungen gebe und keine Erwartungen an ihre Werke habe. Das ist für viele eine neue Erfahrung.»

Jasmin Hidber bietet auch Kurse für begleitetes Malen an. Anders als beim freien Malen, wird beim begleiteten Malen der Prozess dokumentiert und über einen längeren Zeitraum betrachtet.

Um ihren Kundenkreis zu erweitern, hat Jasmin Hidber diesen Frühling einen Tag der offenen Tür initiiert und sich dafür mit sieben anderen Kunstschaffenden der Region zusammengetan. Das Echo sei gross gewesen, sagt sie. Gut sechzig Personen hätten ihr Atelier besucht.

Immer wieder stellt die Künstlerin ihre Werke auch an verschiedenen Orten aus. Im Herbst ist ihr Schaffen in der Nähe ihres Wohnorts, im Foyer des Alten Kinos Mels, zu bewundern.