Mit Hand und Fuss sprechen

Schüler aus dem Welschland haben die Primarklasse von Giosch Antoni Sgier, dem ehemaligen Arboner Stadtammann, im Schulhaus in Berg besucht. Die Kinder sollen lernen, aufeinander zuzugehen. Kommunikationsprobleme werden mit Handzeichen behoben.

Perrine Woodtli
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Die Klasse aus Cossonay (hinten) wartet auf die Tanzeinlage der Berger Schülerinnen und Schüler. (Bild: Michel Canonica)

Die Klasse aus Cossonay (hinten) wartet auf die Tanzeinlage der Berger Schülerinnen und Schüler. (Bild: Michel Canonica)

BERG SG. 12 Uhr. In der Primarschule Brühl ist es für gewöhnlich ruhig um diese Zeit. Nicht so an diesem Mittag. In der Eingangshalle steht ein mit Essen bedeckter Tisch. Rundherum sitzen zahlreiche Schüler, die laut plaudern und lachen – alle ein wenig aufgeregt. Kein Wunder. Die 5.- und 6.-Klässler der Primarschule haben Besuch aus dem Welschland.

Den Mund aufmachen

Im Rahmen von Schulreise Plus, einem Angebot der ch-Stiftung, besucht eine Schulklasse aus Cossonay, nahe Lausanne, Primarschüler in Berg. Der Primarlehrer Giosch Antoni Sgier ist begeistert. Er war es, der den zweitägigen Austausch zwischen den französisch- und deutschsprachigen Schülern eingefädelt hatte. Sgier hofft, dass seine Klasse merkt, dass die französische Sprache lebt. «Wir lernen hier keine Fremd-, sondern eine Landessprache. Wenn wir nur Bücher wälzen, wird das den Schülern oft nicht bewusst», sagt Sgier und ergänzt: «Wenn sie jetzt aber mit ihrem Gegenüber sprechen, merken sie, dass die Sprache lebt. Sie sollen sich getrauen, sich mit den anderen auszutauschen.» Es spiele keine Rolle, ob das Gesagte korrekt ist.

Dem stimmt auch die Lehrerin der Klasse aus dem Kanton Waadt zu. «Wichtig ist, dass sie den Mund aufmachen und sich getrauen, auf unbekannte Leute offen zuzugehen», sagt Jana McKenzie-Wiesigel. Die Klassenlehrerin war sofort dabei, als sie hörte, dass Sgier eine Klasse für einen Austausch suchte. «Auch die Schüler waren von Beginn an begeistert.» Während des Austausches sollen laut der Lehrerin auch gewisse Klischees begraben werden. «Die Deutschschweizer haben eine klare Vorstellung von den Welschen und umgekehrt. Die Schüler sollen sich aber selber ein Bild machen.» Dass die Kinder Spass haben, ist schnell zu erkennen. Über alle Ecken hinaus wird miteinander gesprochen. Ein bisschen auf Deutsch, ein bisschen auf Französisch. «Oder wir vermischen die Sprachen einfach», ruft ein Mädchen aus Berg. «Oui, mélanger», stimmt ihr Gegenüber ihr nickend zu. Andere helfen, sich mit den Händen zu verständigen.

«Les Champs-Elysées»

Nach dem Mittagessen unterhalten die Gastgeber mit einer kleinen Tanzeinlage. Unterstützt von einer Schülerin am Saxophon, singen die Kinder ihren Gästen «Les Champs-Elysées» vor. Die welschen Schüler wippen im Takt mit, die Schülerinnen singen gutgelaunt mit.

Weiter standen Kennenlernspiele und Aktivitäten in der Turnhalle auf dem Programm. Zum Abendessen ging jeder Gast zu einem Schüler aus Berg nach Hause. «So erhalten sie auch einen privaten Einblick in die Familien», sagt Sgier. Geschlafen wurde dann in der Schule in Schlafsäcken auf Turnhallen-Matten. Doch bei dieser einen Begegnung wird es nicht bleiben: Bald schon besucht die Berger Klasse die Schule in Cossonay.