Mit grossen Schritten in die Bühnenwelt

Remo Traber aus Hauptwil spielt eine der Hauptfiguren im Musical «Mein Name ist Eugen», das diesen Frühling in Zürich aufgeführt wird. Für seine Rolle muss der Jungschauspieler Haare lassen. Und Berndeutsch lernen.

Martin Rechsteiner
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Das Schauspiel und den Velolenker im Griff: Remo Traber spielt den kleinen Bäschteli, der mit seinen Kollegen vom Tessin nach Zürich radelt. (Bild: Reto Martin)

Das Schauspiel und den Velolenker im Griff: Remo Traber spielt den kleinen Bäschteli, der mit seinen Kollegen vom Tessin nach Zürich radelt. (Bild: Reto Martin)

Der junge Mann presst die Lippen zusammen und zieht das Hosenbein hoch: «Ich spiele einen 13-Jährigen, der kurze Hosen trägt… erraten, nächste Woche ist der Wachs-Termin», sagt Remo Traber. In Wirklichkeit ist der Hauptwiler 18 Jahre alt und spielt, als jüngster Teilnehmer, eine Hauptfigur im Musical «Mein Name ist Eugen» nach dem gleichnamigen Literaturklassiker von Klaus Schädelin.

«Letzte Woche mussten schon meine langen Haare dran glauben», sagt Traber. Denn eine Mähne passt schon gar nicht zur Rolle, in die er im Musical schlüpfen wird: Traber spielt den kleinen Bäschteli – ein verwöhntes Einzelkind aus reichem Hause. Bäschteli ist verschupft, zartbesaitet und scheu: Er erlebt mit seinen lausbübischen Kollegen ein Abenteuer.

Die Proben sind im vollen Gange

Remo Traber hat gerade Musicalprobe und deshalb nur in seinen Pausen Zeit. Er wirkt aufgeweckt und locker, seine Ohren sind gepierct, an seiner Nase hängt ein silberner Ring. «Jetzt habe ich kurz Zeit – die nächste Szene wird easy, da werde ich nur kurz Schlagzeug spielen», sagt Traber. Auf den ersten Blick nicht so ganz der Bäschteli, wie Klaus Schädelin ihn in seiner Erzählung beschreibt.

«Ich musste mich zuerst etwas zurechtfinden, persönlich auf die Rolle stossen», sagt Traber. Das sei aber ein Prozess, der zum Handwerk des Schauspiels gehöre und den man teilweise alleine bewältigen müsse. «Oft stellte ich mir in Alltagssituationen vor, wie Bäschteli in dem Moment reagiert hätte. So kriege ich ein Gefühl für die Rolle.»

Das klingt bereits erfahren für jemanden, der gerade für sein erstes Musical probt und weder eine Theater- noch eine Schauspielschule oder Ähnliches hinter sich hat. «Das werde ich aber mit ziemlicher Sicherheit nach meiner Lehre nachholen», sagt Traber. Seine vierjährige Lehre zum Theatermaler am Luzerner Theater habe er unterbrochen, um bei dem Stück mitzumachen. «Kulissen zu gestalten ist zwar ein Traumjob für mich als Kunst- und Bühnenliebhaber», sagt Traber. «Dennoch wollte ich mir die Gelegenheit, selbst auf der Bühne zu stehen, nicht entgehen lassen», begründet er den Unterbruch seiner Ausbildung.

Ausgebildet wird Traber aber auch für das Musical: Regelmässig besucht er bei einem Coach ein Berndeutsch-Training. Denn weil die Protagonisten des Stücks allesamt aus dem Bernischen stammen, muss auch die Sprache authentisch sein – nicht die leichteste Übung, wenn man als Hauptwiler mit dem Thurgauerdialekt gesegnet ist: «Nach drei Wochen schaffe ich es immerhin, den Text meiner Rolle in richtigem Berndeutsch zu sprechen», sagt Traber und grinst.

Üben nach Feierabend

Berndeutsch-Büffeln sei aber nicht «die einzige Hausaufgabe», die während den Proben anstehe. «Neben den Text für meine Rolle schreibe ich mir meist auch die Bewegungsabläufe, die ich auf der Bühne mache», sagt Traber. «So kann ich am Abend nach dem Probetag zu Hause alles noch einmal üben.»

Dass er daheim Theaterszenen durchspiele oder auch singe, daran hätten sich die Mitbewohner in seiner Zürcher WG längst gewöhnt, sagt Traber und lacht. Auch für ihn sei es normal, in den eigenen vier Wänden zu üben. «Seit ich klein bin, singe ich. Schon damals übte ich zu Hause», sagt er.

Die Zeit drängt, die nächste Probe rückt näher. «Ich muss noch schnell zu Mittag essen», bemerkt Traber und schnappt sich seine Thermosflasche. «Tee. Ohne den würde ich den Tag nicht überleben», erklärt er mit einem Lächeln, steht auf und macht sich auf in Richtung Supermarkt.

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