Mit Ehrfurcht in die Bleiche

ARBON. Nach dem verheerenden Brand im Saurer-Areal startet die Konform AG durch. Die Designer von Erlebniswelten und Messeauftritten werden künftig in den Gimmel-Hallen kreativ tätig sein. Dort endet die 164jährige Gerberei-Tradition.

Max Eichenberger
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Gimmel-Hallen: Die Gerberei von Max Gimmel (l.) stellt ihre Produktion ein; die Konform AG mit Jvo Ruppaner und Anita Reber zieht ein. (Bild: Max Eichenberger)

Gimmel-Hallen: Die Gerberei von Max Gimmel (l.) stellt ihre Produktion ein; die Konform AG mit Jvo Ruppaner und Anita Reber zieht ein. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Für Konform-Gründer Jvo Ruppaner war es ein schwarzer Augustsonntag. Das Grossfeuer, das im Saurer WerkZwei gewütet hatte, zerstörte einen Grossteil des Lagers des Kulissenbauers. 3500 Requisiten, viel Mobiliar, Vorhänge, Objekte vom Holzkarussell bis hin zur Weinpresse verbrannten oder gingen durch den Löschwassereinsatz kaputt. Ebenso vernichtete das Feuer eingelagertes Standmaterial. Dabei handelte es sich vornehmlich um Kundenmessestände. 600 Paletten Material insgesamt musste das Unternehmen abschreiben: Erlebniswelten, welche die Konform AG für ihre Kunden kreiert und sich damit international einen Namen gemacht hat, gingen innert Stunden in den schwarz angesengten Gemäuern unter.

Nach Schock durchgestartet

Nicht knicken konnte das fatale Brandereignis den Unternehmergeist der kreativen 40köpfigen Truppe um Jvo Ruppaner. Es seien zwar schon Existenzängste aufgeflammt unter den Mitarbeitern, gesteht der Kopf des Teams. Und die ersten Tage und Wochen seien mit dem Erstellen von langen Inventarlisten für die Versicherung, die einen Businessplan verlangte, mühsam gewesen. Für ihn sei aber Aufhören nie eine Option gewesen, sagt Ruppaner: «Dieser Gedanke war für mich inexistent.» Er habe aber eine Erkenntnis gewonnen: dass der Brandfall auch eine Chance sein könne, das Unternehmen neu aufzustellen.

Dreidimensionale Welten

Die Konform AG konzentriert sich künftig noch stärker auf das Geschäftsfeld Erlebnis-Szenographie. Dieses umfasst das Design und die Architektur von Erlebniswelten. In diesem ausbaufähigen Bereich, der unter anderem die Gestaltung von Messeständen beinhaltet, hat Konform ohnehin eine hohe Kompetenz – wie bei den Textilien. «Als Generalunternehmer wollen wir nicht mehr alles selber machen», umreisst Ruppaner die strategische Ausrichtung. Gezwungenermassen hatte die Firma nach dem Brand schon extern produzieren lassen. Vermehrt will die Konform AG im konzeptionellen Bereich tätig sein und «dreidimensionale Welten» für ihre Kunden kreieren und dabei Emotionen von deren Kunden ansprechen. Der Personalbestand bleibt bei 40 Personen; verstärkt wird die Kreativabteilung. Für Konform arbeiten inzwischen sechs Designer, vier Architekten und eine Szenographin. Vom Provisorium im Saurer WerkZwei wird die Firma nächsten Frühsommer in die dann leerstehenden Hallen der Gerberei Gimmel umziehen.

Eine gute Lösung für alle

Ende Jahr stellt Gimmel die Produktion ein. Der Komplex – 4500 Quadratmeter Produktionsfläche, 500 Quadratmeter Werkstatt/Büro/Heizung – ist am Montag grundbuchamtlich überschrieben worden. Im März/April baut Konform um. Für Ruppaner wie für Max Gimmel, der in fünfter Generation die Gerberei führte, und nicht zuletzt auch für die Stadt Arbon ist das eine gute Lösung. «Es macht uns ehrfürchtig und stolz, dass wir in diesen Räumen den traditionellen Unternehmergeist in anderer Form weiterführen werden.»

Besser Arbon als Zürich

Konform hat nach dem Brand seine Fühler weit ausgestreckt bis nach Sirnach, Wattwil und in den Raum Zürich. Im Oktober dann hat sich die Lösung in der Bleiche angebahnt. Hier in Arbon, wo eine Ära zu Ende geht, wird eine andere fortgesetzt. Eine Halle ist inzwischen leer, ein Teil der Maschinen verkauft. Jetzt sucht Max Gimmel auch für die Maschinen, die für die Trockenbearbeitung der Leder eingesetzt waren, Käufer.