«Mit Druck umgehen können»

Am Wochenende hat der Heldswiler Stefan Zeberli seinen Schweizer-Meister-Titel im Ballonfahren erfolgreich verteidigt. Er schildert, was das Ballonfahren für ihn bedeutet und wie er sich die Zukunft vorstellt.

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Zum dritten Mal in Serie Schweizer Meister: Stefan Zeberli (rechts) verteidigte zusammen mit Bruder Simon Zeberli den Titel. (Bild: Rita Kohn)

Zum dritten Mal in Serie Schweizer Meister: Stefan Zeberli (rechts) verteidigte zusammen mit Bruder Simon Zeberli den Titel. (Bild: Rita Kohn)

Herr Zeberli, Sie sind zum dritten Mal in Folge Schweizer Meister im Ballonfahren. Könnten Sie sich ein Leben ohne Ballon vorstellen?

Stefan Zeberli: In den letzten zehn Jahren hätte ich das wohl nicht können. Das Ballonfahren hat mir genau das gegeben, was ich gebraucht habe. Aber im Leben ändern sich die Faktoren und Prioritäten. Heute weiss ich, dass ich nicht bis 60 oder 70 im Ballon unterwegs sein werde. Oder wenigstens nicht in diesem Ausmass.

War es Ihnen in den letzten zehn Jahren nie zuwider, in den Ballon steigen zu müssen?

Zeberli: Nein, nie. Ballonfahren ist für mich immer eine riesige Erholung. Das gilt aber nicht ganz für die Wettbewerbsfahrten; bei denen ist auch eine Anspannung zu fühlen. Aber wenn ich im Ballon unterwegs bin, fühle ich mich sehr entspannt und wohl auch für einen Moment sorgenfrei.

Sie gelten derzeit als bester Ballonfahrer der Schweiz. Ist das auch ein Ergebnis Ihrer Erfahrung?

Zeberli: Wenn man jung ist, fällt es einem leichter, etwas von Grund auf zu lernen. Ballonfahren ist sicher eine Frage des Gespürs, aber auch der Routine. Vor zehn Jahren habe ich mein Brevet gemacht und war seither sehr viel in der Luft. Dazu kommt, dass mich einerseits das Ballonfahren sehr interessiert, andererseits aber auch das Wetter. Ich sitze oft am PC und stelle Wetterberechnungen an.

Das hilft mir nicht nur beim Ballonfahren, es hilft mir auch im Beruf. Als Abteilungsleiter einer Gärtnerei ist es für mich sehr wichtig zu wissen, was das Wetter macht. Es bestimmt letztlich auch, wann und wo ich meine Leute am besten einsetze.

Gab es schon Momente, in denen Sie sich im Ballon nicht mehr wohl gefühlt haben?

Zeberli: Bis jetzt nicht.

Als es einmal eine brenzlige Situation gab, habe ich zum Glück richtig reagiert und eine Notlandung eingeleitet. Das hat mein Vertrauen in den Ballon aber nicht erschüttert. Ein Dreivierteljahr nach diesem Vorfall bin ich Europameister geworden. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich das Vertrauen verloren hätte. Passieren kann immer etwas, besonders dann, wenn mehrere negative Faktoren zusammenkommen. Aber grundsätzlich fühle ich mich im Ballon sicher.

Welche Rolle spielt Ihre Crew?

Zeberli: Ballonfahren ist ein Teamsport. Das Team ist extrem wichtig, gerade auch an den Wettkämpfen. Zwar bin ich der Pilot, und es hängt alles an mir, was in der Luft geschieht. Aber das Team am Boden kann auch Strafpunkte holen. Einen Wettkampf kann man nur gewinnen, wenn man auf ein gutes, eingespieltes Team zählen kann. Das gilt auch für meinen Bruder, der mitfährt. Ich könnte grundsätzlich alleine fahren, aber ich wäre wohl überfordert. Mein Bruder hält Ausschau nach Ballonen, die unerwartet hoch steigen.

Er hat auch die Koordination mit dem Bodenteam unter sich, mit dem wir per Funk verbunden sind.

Fiel es Ihnen leicht, ein Bodenteam zusammenzustellen?

Zeberli: Am Anfang war es schwieriger. Heute kann ich auf eine Gruppe von Leuten, unter anderem auch aus meiner Familie, zurückgreifen. Aber ich bin vier bis sechs Wochen an Wettkämpfen und Trainings im Ausland; diese Zeit kann kaum jemand aufbringen.

Deshalb fahre ich nicht immer mit dem vollständigen Team, sondern manchmal auch mit vier statt sechs Leuten und nur einem Auto. Das kommt aber ganz auf den Bewerb an.

Sie sind an den Schweizer Meisterschaften als Favorit gestartet. Als Titelverteidiger waren Sie dabei einem grösseren Druck ausgesetzt. Hat Sie dieser belastet?

Zeberli: Ein Stück weit sicher, ja. Es ist genau das, was ich zuerst lernen musste: Mit dem Druck umzugehen.

Zum Beispiel an der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren, als ich bis zum vorletzten Wettbewerbstag auf Platz 1 lag. Diese Situation muss ich bewältigen können, wenn ich an der Spitze mitfahren möchte.

Sie sind nicht nur Schweizer Meister, sondern auch Europameister. Rechnen Sie da mit einer erfolgreichen Titelverteidigung?

Zeberli: Nicht ganz so fix wie bei den Schweizer Meisterschaften. Nun bereite ich mich aber erst einmal auf die Weltmeisterschaft vor, die im Oktober stattfinden wird.

Das Feld ist dort sehr eng beieinander. Von den 120 Startenden sind sicher 50 fähig zu gewinnen. Der Weltmeistertitel würde für mich eine Steigerung bedeuten. Wohl die einzige Steigerung, die jetzt noch möglich ist.

Sie holten sich dreimal in Folge den Schweizer-Meister-Titel. Sind die Schweizer Meisterschaften denn überhaupt noch eine Herausforderung für Sie?

Zeberli: Eine Herausforderung schon, aber vielleicht auf einem anderen Gebiet. Ich bin mit mir nicht zufrieden, wenn ich nicht das Maximum erreiche.

Sie haben aber mit so grossem Vorsprung gewonnen, dass Sie doch nahezu unangefochten an der Spitze sind . . .

Zeberli: Bei der drittletzten Fahrt wusste ich, dass ich den Titel erfolgreich verteidigen werde, die letzte Fahrt hätte ich von der Punktzahl her gar nicht mehr antreten müssen. Aber das Mitmachen trotz uneinholbarem Vorsprung ist etwas Schönes, wenn es auch ganz anders ist.

Vor zehn Jahren machten Sie Ihr Brevet. Wann wussten Sie, dass Ballonfahren Ihre Passion sein wird?

Zeberli: Schon sehr früh, als ich etwa in der ersten oder zweiten Klasse war. Damals habe ich von nichts anderem gesprochen als davon, Ballonpilot zu werden. Die erste Fahrt, die ich dann aber hätte machen können, liess ich verstreichen, weil ich mich nicht traute. Ich hatte vor dem Feuer stets einen grossen Respekt. Irgendwann zwischen 10 und 12 bin ich dann zum ersten Mal in einem Ballon mitgefahren.

Damals war das Ballonfahren gerade sehr populär. Überall sah man die Ballone am Himmel, es gab bei vielen Wettbewerben eine Ballonfahrt zu gewinnen. Das ist inzwischen etwas abgeflaut.

Interview: Rita Kohn