Mit der Sporthalle nichts zu tun

ARBON. Zweimal haben die Schulbürger der Sekundarschule Arbon eine Steuerfusserhöhung verweigert. Die Behörde bittet nun eindringlich, ihr die vier Prozent mehr zu gewähren. Sonst komme die Schule nicht aus dem Schuldensumpf heraus.

Max Eichenberger
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Gegen hundert Sekundar-Schulbürger verfolgen in der bald fertigen Sporthalle die Budget-Präsentation. Links SSG-Präsident Robert Schwarzer. (Bild: Max Eichenberger)

Gegen hundert Sekundar-Schulbürger verfolgen in der bald fertigen Sporthalle die Budget-Präsentation. Links SSG-Präsident Robert Schwarzer. (Bild: Max Eichenberger)

Die Halle ist hell erleuchtet, die Umgebung noch unfertig. Über loses Erdmaterial und die eben erst verstärkte Betondecke des Untergeschosses finden so viele Schulbürger von Sekundar- (SSG) und Primarschulgemeinde (PSG) den Weg in die Sporthalle wie noch nie zuvor an einen Budget-Informationsabend. Das Interesse ist gross.

Im besten Fall eine Million mehr

Es ist die erste Veranstaltung in der Dreifachhalle, die wegen einer pannenreichen Baugeschichte am 23. Januar mit mehr als dreijähriger Verzögerung endlich eingeweiht werden kann. Die Freude ist daher nicht ungetrübt, auch weil an der SSG als Mitträgerin des Bauprojekts – neben der Stadt Arbon und dem Kanton Thurgau – nach der «extrem komplizierten» Abrechnung aller vier Schadenfälle im besten Falle eine Million Franken hängenbleiben wird. Angesichts der nun absehbaren Totalkosten von 20,3 Millionen Franken und einer Differenz von fünf Millionen zu den ursprünglich gerechneten Kosten, zöge sich die SSG so noch mit einem blauen Auge aus der Affäre. «Aber in den Vergleichsverhandlungen haben wir auch Haare lassen und Zugeständnisse machen müssen», räumt SSG-Präsident Robert Schwarzer ein. Um diese Million erhöhte sich der Anteil der SSG von 5,5 Millionen – wenn sich auch die anderen Kostenträger des Projektes, Kanton und Stadt Arbon, entsprechend beteiligen werden. Ein Teil der Mehrkosten wäre ohnehin angefallen, weil beteiligte Unternehmen falsch geplant haben.

Jetzt vorwärtsschauen

Falls dieses Szenario tatsächlich eintritt, würde dies die künftigen Jahresrechnungen der SSG um 45 000 Franken belasten; umgerechnet sind das 0,15 Steuerprozente, relativiert Finanzressortchef Urs Gähwiler: «Das ist nicht matchentscheidend für die angespannte Finanzsituation der Sekundarschulgemeinde», stellt er klar. Ins Reich der Gerüchte verwies Gähwiler Unkenrufe, die Sek käme die fertige Halle doppelt so teuer zu stehen.

Riquet Heller attestiert der Behörde, sie habe gut verhandelt und bestmögliche Rückfinanzierungsquoten bei den beklagten Firmen herausgeholt. Tatsächlich wäre der ordentliche gerichtliche Verfahrensweg mit einem unwägbaren Prozessrisiko verbunden gewesen, gibt Schwarzer zu bedenken. Jetzt müsse im Interesse der Schule vorwärtsgeschaut werden.

Hohe Amortisationen drücken

Heller gehört einem überparteilichen Komitee an, das sich dafür einsetzt, der SSG die beantragten vier zusätzlichen Steuerprozente zu gewähren und ihr die Mittel in die Hand zu geben, die sie benötigt . Auch so bleibe die Finanzsituation – mit einem Budgetdefizit von 407 000 Franken – noch herausfordernd genug, sagt Urs Gähwiler: «Ohne Steuerfusserhöhung verlagern wir einen immer grösser werdenden Schuldenberg auf die nächste Generation.» Das sei unverantwortlich. Die Schule könne man nicht einfach schliessen.

Die SSG krankt an den Baufolgekosten des ehrgeizigen Infrastruktur-Investitionsprogramms der früheren Behörde. «Wir haben ein klassisches strukturelles Defizit: wir kommen nicht aus der Bredouille, solange wir diese hohen Amortisationen leisten müssen», erklärt Gähwiler. Pädagogisch vertretbare Sparmassnahmen habe man umgesetzt, erinnert SSG-Präsident Schwarzer. Sogar die Personalkosten seien rückläufig. Eine Demontage wäre allerdings kurzsichtig.

Spiel mit dem Feuer

Schwarzer hofft anderseits auch, dass Steinach die verrechneten Vollkosten für die Beschulung ihrer Schüler gemäss Staatsvertrag trägt und die SSG die Kurve kriegt. Der Streitfall, der Verunsicherung in die Schule trage, sei noch nicht bereinigt. Die Steinacher, die zwar zunächst dem Rechnungsmodell des Thurgauer Amtes für Volksschule zugestimmt und eine erste Tranche überwiesen haben, jetzt aber Alternativen prüfen, spielten mit dem Feuer: «Dass wir Steinach quersubventionieren, das geht nicht.»

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