Mit der Schere an die Meisterschaft

Swenja Staub vom Coiffeur Femina in Weinfelden reist im März mit dem Schweizer Nationalteam nach Südkorea an die Berufsweltmeisterschaften. Für ein gutes Resultat opfert die 21jährige Coiffeuse einen Grossteil ihrer Freizeit.

Anna Hug
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Coiffeuse Swenja Staub zeigt die beiden Frisuren, die sie an den Europameisterschaften entworfen hat. (Bild: Anna Hug)

Coiffeuse Swenja Staub zeigt die beiden Frisuren, die sie an den Europameisterschaften entworfen hat. (Bild: Anna Hug)

WEINFELDEN. Sie sind farbig, ausgefallen und so gar nicht alltagstauglich: Die Frisuren der beiden Puppenköpfe im Schaufenster des Coiffeursalons Femina an der Freiestrasse. Die Modelle zeugen von Mitarbeiterin Swenja Staubs Teilnahme an den Berufs-Europameisterschaften der Coiffeure vergangenen Monat. Momentan bereitet sich die junge Bottighoferin auf die Weltmeisterschaft im kommenden Frühjahr in Südkorea vor.

Ihr Weg zur Weltmeisterschaft begann, als sie sich im Mai 2014 für die SwissSkills Bern anmeldete. Um sich zu bewerben, musste Staub einer Puppe einen besonderen Schnitt verpassen und sie passend schminken und anziehen. Schliesslich wurden die besten 36 Bewerberinnen und Bewerber zu den SwissSkills eingeladen. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich da hinkomme», sagt Staub. Am Event in Bern im September vor einem Jahr erreichte sie schliesslich den guten vierten Rang bei den Junioren.

Diese Plazierung ermöglichte ihr und fünf weiteren Coiffeusen ein Training mit Schweizer Nationaltrainer Enzo Di Giorgio. Zwei der sechs Juniorinnen konnten sich einen Platz im Nationalteam sichern und somit später an die Europameisterschaft nach Paris reisen, darunter auch Swenja Staub.

Fast ein Jahr für perfekte Frisur

Die Vorbereitungen auf die Europameisterschaften waren zeitintensiv. «Wir haben ein Dreivierteljahr vor dem Wettkampf mit dem Üben angefangen», sagt Swenja Staub. Anfangs reiste sie jeweils alle zwei Wochen an einem ihrer freien Tage nach Glattbrugg in den Friseursalon von Di Giorgio. In den letzten sechs Wochen vor dem Wettkampf musste sie wöchentlich zum Training. «Wir übten die gesamte Zeit dieselbe Hochsteckfrisur und denselben Schnitt, bis das Ganze eben perfekt war. Es gab Momente, da wollte ich den Puppenkopf am liebsten an die Wand werfen», sagt die 21-Jährige. Viel übte Staub auch nach Feierabend in Weinfelden an ihrem Arbeitsplatz. «Das Femina-Team steht voll hinter mir und unterstützt mich bei diesem Vorhaben», sagt Staub zufrieden.

Am 20. September an den Europameisterschaften in Paris musste sie schliesslich in 15 Minuten die Hochsteckfrisur und in 30 Minuten den Haarschnitt an zwei Puppenköpfen vollenden. Im Einzel reichte es für die Bottighoferin für Rang 11 und Rang 15, im Team konnte sie mit Ileana Costantini bei den Junioren gar den vierten Rang für die Schweiz holen. Nun, wenige Wochen nach den Europameisterschaften, beginnen bereits wieder die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft im März in Seoul, Südkorea.

Tolle Atmosphäre an Wettkampf

Swenja Staub hat die Bewerbung für die SwissSkills nie bereut, obwohl sie sehr viel Freizeit investieren musste und weiterhin muss. «Man gewinnt zwar kein Preisgeld, dafür aber sehr viel Erfahrung.» Besonders gefallen habe ihr jeweils die Atmosphäre bei den Wettbewerben und die Bewunderung, die sie von den Leuten rund herum erfuhr. Ob sie nochmals an einer Europameisterschaft teilnehmen will, weiss sie noch nicht. «Nächstes Jahr möchte ich die Berufs- und Meisterprüfung in Angriff nehmen und vielleicht später an der Berufsschule unterrichten», sagt sie. Staub weiss, dass sie weiterhin in diesem Berufsfeld arbeiten möchte. «Man macht an diesen Meisterschaften nicht mit, wenn man den Beruf nicht wirklich mag.»