Mit dem Velo auf den Jakobsweg

Der Amriswiler Roland Hofer und Markus Rüegge aus Wigoltingen starten am Wochenende zum grössten Abenteuer ihres Lebens: Mit dem Fahrrad quer durch die Schweiz, Frankreich und Spanien. Eine Reise entlang des Jakobsweges.

Bianca Binder
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Sind startbereit: Roland Hofer und Markus Rüegge machen sich morgen Samstag mit dem Velo auf den Weg nach Santiago de Compostela. (Bild: Lars Hofer)

Sind startbereit: Roland Hofer und Markus Rüegge machen sich morgen Samstag mit dem Velo auf den Weg nach Santiago de Compostela. (Bild: Lars Hofer)

Am Samstagmorgen startet in Amriswil das wohl grösste Abenteuer im Leben der beiden Ostschweizer Roland Hofer und Markus Rüegge. Während ihrer Veloferien in der Toscana im Oktober 2009 beschlossen die beiden kurzerhand, im Pilgerjahr 2010 den Jakobsweg von Amriswil nach Santiago de Compostela (Spanien) in Angriff zu nehmen. Viele Pilger tun dies auf dem Fussweg. Die beiden Velofans werden ihn jedoch mit dem Fahrrad hinter sich bringen. Fünf Wochen nehmen sie sich dafür Zeit.

Roland Hofer, Bankangestellter aus Amriswil, und Markus Rüegge, Schulleiter in der Schulgemeinde Steckborn, sind verschwägert. Ihre beiden Frauen lassen sie zu Hause. «Wir haben aber beide das Einverständnis unserer Familien. Unsere Frauen begleiten uns die ersten drei Etappen bis nach Burgdorf», freut sich Roland Hofer.

Eine Crème für den Hintern

Jeden Tag 100 Kilometer Weg zurückzulegen sei das Ziel. «Da braucht es gute Velohosen und eine spezielle Crème, um den Allerwertesten zu pflegen», erklärt er. Wenn man täglich so viele Stunden auf dem Fahrrad sitze, könne der schrecklich schmerzen. «Überhaupt ist die medizinische Ausrüstung fast wichtiger als Kleidung und sonstiges Gepäck», so Hofer. Momentan bringen seine Taschen noch fast dreissig Kilo auf die Waage. Mindestens zehn davon müssen noch weg.

«Schliesslich müssen wir über einige ziemlich hohe Hügel. Da merkt man jedes Gramm», weiss er aus Erfahrung. Vorsorglich haben die beiden deshalb einige Reservetage ins sonst strenge Programm eingebaut.

Abenteuer Einsamkeit

Das grösste Abenteuer wird für die beiden Männer, dass sie ganz auf sich alleine gestellt sind. «Wir transportieren die ganze Ausrüstung selber», so Roland Hofer. Angst haben die beiden aber keine. Jedes Jahr absolvieren sie «nebenbei» 4000 bis 5000 Kilometer mit dem Fahrrad.

Der Drahtesel ist eine Mischung aus Tourenvelo und Bike, mitsamt Clicker-Bindung und spezieller Schaltung. Immer im Gepäck sind dabei ein paar Basler Läckerli, um den Zuckerspiegel konstant zu halten. Überhaupt wird die Ernährung ein wichtiger Punkt auf der Reise sein. «Da verbrennt man so viele Kalorien, dass man abends beruhigt die doppelte Portion essen darf», freut sich Hofer. Nur: «In den Pilgerherbergen, den sogenannten Refugios, haben Fussgänger Vorrang. Wer mit dem Fahrrad pilgert, kann erst ab 19 Uhr eine Reservation tätigen.

Wir wissen also nie so genau, ob wir noch ein freies Bett für die Nacht erwischen», erklärt Roland Hofer.

Pannen und Streit

Die beiden Ostschweizer haben extra einen Velokurs besucht. Von einem Fachmann haben sie gelernt, wie man Ketten, Bremskabel und Pneus wieder auf Vordermann bringt. «Das ist wichtig, wenn man irgendwo in der Pampa steckt und eine Panne hat», schmunzelt Hofer.

Auf den Jakobsweg gehen die Männer nicht aus spirituellen Gründen: «Es ist die Herausforderung und das Abenteuer, was uns lockt.» Vor allem aber seien sie gespannt auf die Erfahrung. Was, wenn die beiden Männer sich auf der Reise auf die Nerven gehen? «Wir haben schon viele Veloreisen zusammen unternommen, das hat super geklappt.» Sie hätten zudem das gleiche Fahrtempo, weiss Hofer. «Mit dem Fahrrad wird es sowieso nicht die gleiche tiefgehende, spirituelle Erfahrung wie zu Fuss.

Man muss sich aufs Fahren konzentrieren», sagt Roland Hofer.

Nicht ganz ungefährlich

Ein Pfefferspray ist auch im Gepäck: «Auf dem Camino Francés in Spanien hat es verwilderte Hunde, die auch mal angreifen», erklärt er. Eine ganz besondere Bedeutung hat für den passionierten Panflötisten Hofer auf der Reise seine Panflöte im Kleinformat. «Die habe ich mir extra bauen lassen, um in den verschiedenen Kathedralen ihren Klang zu testen», freut er sich. «Wir sind nervös und in Gedanken bereits auf dem Camino. Los geht's!»