Mit dem Töffli quer durch Europa

Eine Reise vom Kemmental nach Paris, Amsterdam und London ist heute nichts Besonderes mehr – ausser man legt die Strecke als Easy Rider auf einem Puch X30 zurück.

Caroline Leuch
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Abenteurer Patrick Oettli, Dario Wellauer, Basil Koller (v. l.). (Bild: cl)

Abenteurer Patrick Oettli, Dario Wellauer, Basil Koller (v. l.). (Bild: cl)

Graltshausen. «Willkommen Easy Riders» stand auf einem grossen Leintuch, verziert mit vielen kleinen Töffli. Auf dem Grill brutzelten Steaks und Würste, selbstgemachte Nussgipfel und Getränke standen bereit für den Empfang von Dario Wellauer (18), Patrick Oettli (16) und Basil Koller (18). Eltern, Geschwister und Freunde hatten sich vor Wochenfrist in einer Scheune in Graltshausen eingefunden, um die drei Heimkehrenden zu begrüssen.

In dieser Scheune haben die drei, die sich seit dem Kindergarten kennen, einen Partyraum eingerichtet, wo sie auch mal Reisepläne schmieden.

Mit Abschleppseil gerüstet

Im Frühsommer stand fest, dass die Freunde mit ihren Puchs X30 von Alterswilen nach Paris, London und Amsterdam reisen wollten. Patrick Oettli, der eine Ausbildung zum Polymechaniker absolviert, war für die Routenplanung verantwortlich. Mit der Zerlegung ihrer Motorräder begannen die Reisevorbereitungen.

«Hierfür haben wir uns allerdings zu wenig Zeit genommen», sagt Basil Koller. Auch er kennt sich als Lehrling für Anlageapparatebau mit Werkzeug und Technik aus. Wer sich für die Vorbereitungen zu wenig Zeit nehme, werde nicht mit Erfolg belohnt, habe sein Grossvater prophezeit, erzählt Dario Wellauer, der eine Lehre als Elektroinstallateur macht. Deshalb habe ihm der Opa ein Abschleppseil in die Hand gedrückt.

Höhepunkt Champs-Elysées

Mit zwei Ersatzmotoren, viel Werkzeug, Schlafsäcken und einigen wenigen Kleidungsstücken starteten die Abenteurer am 18. Juli Richtung Paris. «Es war ein absolutes Highlight, mit dem Schnäpper auf der Champs-Elysées Richtung Triumphbogen zu fahren», schwärmen die drei. Mit den Töffli haben sie auch in den beiden anderen Grossstädten, London und Amsterdam, die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich gezogen. «Einige sind uns sogar nachgerannt und haben uns gefilmt», erzählt Dario Wellauer.

Übernachtet haben die Easy Riders aus dem Kemmental oft unter freiem Himmel, selten in Hotels – um wieder einmal duschen zu können. Es kam auch vor, dass sie von Privatpersonen spontan eingeladen wurden.

Zum Schluss Motorenstreik

Auf der 2000 Kilometer langen Strecke streikten die kleinen Motorräder abwechselnd.

Auf der letzten Etappe gab Patrick Oettlis Maschine den Geist auf, so dass er von seinen Kollegen mit Grossvater Wellauers Seil abgeschleppt werden musste. In Saarbrücken holte Ernst Oettli die drei Jungs und ihre Töffli dann ab.