«Mit dem Rummel können wir umgehen»

Im Kemmental wird am Sonntag gewählt. Gemeindeammann Walter Marty tritt bereits zum fünftenmal an. Im Interview spricht er über die Zukunft der Landgemeinde, seine persönlichen Pläne und warum er keine Angst hat, dass Sebastian Vettel wegzieht.

Urs Brüschweiler
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Walter Marty Gemeindeammann Kemmental (Bild: Urs Brüschweiler)

Walter Marty Gemeindeammann Kemmental (Bild: Urs Brüschweiler)

Die meisten Gemeinden wählen ihre Behörde im nächsten März. Warum sind Sie im Kemmental früher dran?

Walter Marty: Das hat keinen besondern Grund. Falls es einen zweiten Wahlgang brauchen sollte, könnten wir diesen dann noch an einem ordentlichen Wahltermin durchführen, bevor die neue Legislatur beginnt.

Viel schief gehen dürfte aber nicht bei der Gesamterneuerungswahl.

Marty: Wir hatten ja kürzlich einen Wechsel im Gemeinderat. Für die neue Amtsperiode stellen sich alle fünf Mitglieder wieder zur Verfügung. Es gibt keinen Anlass, etwas zu ändern.

Sie persönlich sind seit 2000 Gemeindeammann im Kemmental. Es wäre Ihre fünfte Wahl. Offenbar haben Sie noch nicht genug.

Marty: Nein, in der Tat nicht. Die Aufgabe gefällt mir. Ich fühle mich sehr wohl hier. Wir sind ein gutes Team in der Behörde. So gesehen, ist ein Ende derzeit nicht absehbar.

Letztes Jahr sind Sie als Kantonalpräsident der SVP zurückgetreten. Ist Ihnen ohne diese Aufgabe noch nicht langweilig geworden?

Marty: Das gab wie geplant eine Entlastung zugunsten meiner Freizeit. Ohne das Parteipräsidium habe ich jetzt vor allem an Abenden und Wochenenden mehr Zeit. Aber es sind ja auch schon wieder Ämter dazugekommen. Zum Beispiel engagiere ich mich im Vorstand der Spitex Mittelthurgau. Eine wichtige Arbeit, die mir gut gefällt.

Seit 2006 sind Sie auch Mitglied des Grossen Rats des Kantons Thurgau. Dort wollen Sie bleiben?

Marty: Ja, ich werde 2016 sicher wieder zur Wahl antreten. Das Mandat ist eine gute Ergänzung zum Gemeindeammannamt. Das bringt Vorteile. Falls ich wiedergewählt werde, wäre vorgesehen, dass ich das Präsidium der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission übernehmen würde. Heute bin ich bereits Vizepräsident.

Zurück ins Kemmental. Welches sind die grossen Baustellen in der Gemeinde?

Marty: Wir beschäftigen uns mit den laufenden Projekten. Beim Strom und beim Abwasser stehen Investitionen an, und wir planen ein neues Telekommunikationsnetz. Ausserdem können wir eine neue Mehrzweckhalle bauen. Darüber hinaus stösst das Feuerwehrdepot an seine Grenzen, und wir werden die Ortsplanung aufgleisen.

Zur neuen Mehrzweckhalle für 8 Millionen Franken sagten 80 Prozent der Stimmbürger Ja. Das ging erstaunlich glatt über die Bühne, für die Grösse des Projekts.

Marty: Dieses Projekt hat sehr viel Interesse geweckt. Wir hatten das auch seriös und genügend langsam vorbereitet. Umso erfreulicher ist das Ergebnis. Die Halle wird einen Investitionsschub auslösen.

Das Kemmental ist flächenmässig die drittgrösste Gemeinde im Kanton Thurgau. Sie ist mit den vielen Dörfern und Weilern aber extrem verzettelt. Wie schaffen Sie es eigentlich, den Überblick zu behalten?

Marty: Das Wichtigste in unserer Gemeinde ist die Erschliessung. Es gilt bei uns der eiserne Grundsatz, das kein Dorf oder Weiler benachteiligt wird. Das zeigt sich zum Beispiel beim Aufbau eines Glasfasernetzes. Für die Swisscom rentiert es nicht, etwa Lippoldswilen zu erschliessen. Nun nimmt die Gemeinde das im ganzen Kemmental selber in die Hand. Die Behörde geniesst hierbei viel Vertrauen von der Bevölkerung.

Für die ganz grossen Schlagzeilen sorgt im Kemmental aber vor allem einer: Rennfahrer Sebastian Vettel. Stört Sie der Rummel um den prominenten Einwohner?

Marty: Nein, dank ihm sind wir schliesslich weltbekannt geworden. Wir haben davon eigentlich nur Vorteile. Und mit dem Medienrummel können wir gut umgehen.

Mit den Finanzen sieht es im Kemmental derzeit rosig aus. Sehen Sie der Abstimmung über die Abschaffung der Pauschalsteuer eigentlich mit Sorge entgegen?

Marty: Nein. Ich weiss nicht, wie viel Steuern Sebastian Vettel zahlt, und will es auch gar nicht. Sollte er eines Tages hier wegziehen – ob das so ist, können wir gar nicht beurteilen – würde das keine grossen Auswirkungen haben. Die Liegenschaft würde ja nicht einfach leer stehen, sondern es würde jemand nachkommen.

Sie haben am 30. November keinen Gegenkandidaten. Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, wie viele Stimmen Sie erreichen wollen?

Marty: Nein, die schlichte Zahl ist nicht so relevant. Es ist klar, dass man es als Gemeindebehörde nicht immer allen recht machen kann. Aber ich würde mich einfach freuen, wenn ich weitermachen dürfte. Das gilt so auch für den Gesamt-Gemeinderat.