Mit dem Hahn in der Schule

AMRISWIL. Beim «Generationentreff» im Schulmuseum Amriswil konnten Grosseltern, Eltern und Kinder knifflige Aufgaben lösen und eine unterhaltsame Schulstunde erleben. Sie erfuhren dabei, dass dem Unterricht in früheren Zeiten auch Tiere beiwohnten.

Hugo Berger
Merken
Drucken
Teilen
Die engen Holzbänke wecken Erinnerungen an die eigene Schulzeit. (Bilder: Hugo Berger)

Die engen Holzbänke wecken Erinnerungen an die eigene Schulzeit. (Bilder: Hugo Berger)

Der Internationale Museumstag, an dem sich am Sonntag insgesamt rund 200 Museen beteiligten, hat sich zum Ziel gesetzt, Begegnungen aller Art zu ermöglichen. «Wir legen heute den Schwerpunkt auf die Begegnung zwischen den Generationen», erklärte Hans Weber, Leiter des Schulmuseums in Amriswil.

Zählrahmen liess Köpfe rauchen

Das Thema kam bei den Besucherinnen und Besuchern gut an.

Jung und Alt, Familien, aber auch Grosseltern mit Enkelkindern unternahmen eine Entdeckungsreise durch das Schulmuseum. Langweilig wurde es auf dem Rundgang niemandem. Knifflige Aufgaben wie etwa der chinesische Zählrahmen liessen da und dort die Köpfe der Besucher rauchen.

Schule anno dazumal

Ganz unterschiedlich erlebten die Besucher die gemeinsamen Schulstunden im alten Schulzimmer.

Während die Erwachsenen in den Holzbänken eingeklemmt wohl in der Erinnerung schwelgten, fanden die Kinder es vor allem «cool», mit richtiger Tinte zu schreiben.

Ganz in ihrem Element waren «Fräulein Lehrerin und Herr Lehrer» Susanne Diethelm und Richard Hunziker. «Da geht einem das Herz auf», meinte Susanne Diethelm angesichts so viel braver Schüler und Schülerinnen.

Wie sich die Schule und ihre Lehre im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, machte die ehemalige Lehrerin anhand des Lesebuches deutlich. Anders als bei den heutigen Geschichten stand früher nicht der Unterhaltungswert im Vordergrund, sondern die Belehrung. Ein Begriff für jeden Schüler war beispielsweise der Thurgauer Heimatdichter Alfred Huggenberger, dessen Gedichte zumindest in einigen Bruchstücken noch in vielen Köpfen vorhanden sind.

Wiege in der Schulstube

Richard Hunziker führte die Besucher noch weiter in der Zeit zurück. Als es nämlich noch gar keine Schulzimmer gab, sondern der Unterricht in der privaten Stube des Lehrers stattfand. Das dies kein optimaler Zustand war, geht aus einem Bericht eines damaligen Schulinspektors hervor.

Er beschrieb seinen Besuch so: «Widriger Geruch schlug mir entgegen und machte das Atmen schwer. Im Zimmer stand ein Bett, ein Spinnrad und eine Wiege. Ausserdem befanden sich dort ein Hahn, zwei Hühner und ein Hund.

Die Schüler mussten auswendig Gelerntes aufsagen, aber das Kind in der Wiege schrie so laut, dass man sie nicht verstand.»

Wie die Schulstunden damals, wurde auch die Lektion im Schulmuseum Amriswil am «Generationentreff» mit einem gemeinsamen Lied beendet.