Mit dem gleichen Feuer

BISCHOFSZELL.Kunstgiesser Peter Zollinger hat sich mit seinem Können und Wissen weitherum einen Namen gemacht. Im Januar hat er seine Kunstgiesserei Cornel Hutter überschrieben, der den Betrieb mit ebenso viel Herzblut weiterführen will.

Claudia Gerrits
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Nach jahrelanger Zusammenarbeit hat der Bischofszeller Peter Zollinger (links) seine Kunstgiesserei an Cornel Hutter übergeben. (Bild: Claudia Gerrits)

Nach jahrelanger Zusammenarbeit hat der Bischofszeller Peter Zollinger (links) seine Kunstgiesserei an Cornel Hutter übergeben. (Bild: Claudia Gerrits)

 «Die Bildhauerei und das Kunstgiessen sind zwar unterschiedliche Berufe, doch es gibt Parallelen, was die Fingerfertigkeit, das Schauen betrifft», macht Cornel Hutter deutlich. Dem gelernten Bildhauer, der seit zehn Jahren ein eigenes Bildhaueratelier in Amriswil betreibt, hat es jedoch nicht nur Stein, sondern auch Metall angetan.

Im Januar hat er die Kunstgiesserei von Peter Zollinger übernommen. Giessereiluft hat Hutter erstmals vor 17 Jahren geschnuppert, damals im zweiten Lehrjahr in Bischofszell, weil sein Lehrmeister Hansjörg Hemmi eine Woche verreist war und seinen Lehrling in dieser Zeit zum Kunstgiesser schickte. Seitdem hat Hutter regelmässig bei Peter Zollinger ausgeholfen. Anfang 2007 ist er in den Betrieb eingestiegen.

Vor 36 Jahren haben Peter Zollinger und seine Frau Hedwig die Kunstgiesserei an der Niederbürerstrasse eröffnet. Weil es kaum Fachliteratur über Kunstguss gab, habe er sich damals das Wissen darüber selber erarbeiten müssen, erzählt Zollinger. Gelernt hatte er Eisen- und Glockengiesser. Auch manches der Werkstatteinrichtung wie die Schmelzöfen hat Zollinger selbst gebaut. Wenn der 68-Jährige erzählt, ist noch immer die Leidenschaft für sein Handwerk zu spüren.

Mit Rat und Tat möchte er seinen Nachfolger unterstützen und noch zwei, drei Tage in der Woche mitarbeiten.

«Ich habe sehr grosses Glück, nicht nur die Werkstatt, sondern auch die Erfahrung und das Wissen Peter Zollingers übernehmen zu können», betont Cornel Hutter. In all den Jahren ihrer Zusammenarbeit habe er einen stets tieferen Einblick in das Handwerk des Kunstgiessens erlangt. Neben der Kunstgiesserei möchte Hutter auch das Bildhauen weiter be-treiben.

«Nach einer Weile Arbeit mit Metall muss ich wieder einmal Stein bearbeiten, und nach einer Weile Stein habe ich wieder Lust auf Metall.» Früher habe er 60 bis 70 Grabmale im Jahr anfertigen können, doch die Grabsteinkultur habe sich verändert, heute hole man eben die Steine aus China, verdeutlicht er.

Beim Bildhauen könne er auch eigene Ideen verwirklichen; Kunstgiessen sei vor allem herausforderndes Handwerk, erklärt Cornel Hutter, wenn man ihn fragt, was er denn lieber mache.

Beim Kunstguss im Wachsausschmelzverfahren, einer alten Technik, mit der meistens in der Bischofszeller Kunstgiesserei gearbeitet wird, sind 23 Arbeitsgänge notwendig vom Original bis zum fertiggestellten Bronzeguss. Silikon, Gips, Wachs, Schamotte und Metall kommen dabei zum Einsatz. «Der Umgang mit so unterschiedlichen Materialien fasziniert mich genauso wie die Begegnungen mit den verschiedenen Künstlern und ihren Arbeiten», sagt Hutter.

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