Mit Beitragsprimat Kosten und Risiken verringern

Die Pensionskasse der Gemeinde Weinfelden wechselt zum Beitragsprimat. Die Renten werden nicht mehr vom letzten Lohn, sondern aufgrund der bezahlten Beiträge berechnet. Im Schnitt werden die Renten etwas kleiner.

Urs Brüschweiler
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Schwierige Zeiten für PK-Verwalter Erwin Wagner. (Bild: edc)

Schwierige Zeiten für PK-Verwalter Erwin Wagner. (Bild: edc)

Weinfelden. Der Trend gehe in der heutigen Zeit an vielen Orten vom Leistungsprimat zum Beitragsprimat, sagt Pensionskassenverwalter Erwin Wagner. Der Kanton Thurgau habe seine Pensionskasse bereits per 2006 umgestellt. Und in der Privatwirtschaft sei dies der Normalfall.

Seit 1. Januar

Am 1. Januar 2009 hat nun auch die Gemeinde Weinfelden ihr System geändert. Im Leistungsprimat berechnete man die Renten aufgrund des letzten Lohnes vor der Pensionierung. Dadurch wurden bei Besoldungserhöhungen jeweils hohe Nachzahlungen fällig. Das grössere Problem aber sei die vorgeschriebene Verzinsung der Deckungskapitalien mit jährlich gut 4,5 Prozent. In Zeiten der unruhigen Kapitalmärkte werde das immer schwieriger, so Wagner. Bei ungenügenden Kapitalerträgen, wie es in der aktuellen Finanzkrise der Fall sei, entstünden dadurch zunehmend Verluste.

Reserven stark geschrumpft

Die Pensionskasse der Gemeinde sei gesund, so Wagner. Doch die Reserven seien als Folge der schlechten Marktentwicklung stark geschrumpft. Der Deckungsgrad sei ebenfalls zurückgegangen und liege aktuell bei knapp 100 Prozent, was aber noch nicht alarmierend sei. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, habe sich der Gemeinderat schon frühzeitig Gedanken gemacht und entschieden, auf das flexiblere System des Beitragsprimats umzustellen.

Dabei werden alle lebenslang einbezahlten Sparbeiträge aufgerechnet und mit einem Umwandlungssatz von 6,65 Prozent pro Jahr als Rente ausbezahlt. Dadurch fallen erstens die Nachzahlungen bei Besoldungserhöhungen weg. Und zweitens gilt für die Kapitalverzinsung nicht mehr der fixe Zinssatz von 4,5 Prozent, sondern ein variabler Satz. Der vom Bundesrat festgelegte Mindestzinssatz liegt momentan bei 2 Prozent.

2,7 Millionen für Härtefälle

Nicht zu verleugnen sei, dass dadurch die Renten im Schnitt etwas kleiner würden, so Wagner. Um Härtefälle zu vermeiden, stellt die Pensionskasse 2,7 Millionen Franken für die Ausfinanzierung zur Verfügung. Das heisst, Versicherte ab Alter 58 erhalten dieselben Leistungen garantiert, wie nach dem alten System. Im Alter von 57 bis 39 Jahre wird die Ausfinanzierung pro Jahr um 5 Prozent kleiner.

Viele zahlten freiwillig mehr

Viele Versicherte hätten, die Möglichkeit zum persönlichen Beratungsgespräch genutzt, sagt Wagner. Allgemein sei die Akzeptanz für die Umstellung vorhanden gewesen. Einige hätten auch die neue Möglichkeit genutzt, freiwillig mehr einzubezahlen, um das Rentenniveau zu erhöhen.

29 Prozent Aktien

Klar sei, das Risiko von Schwankungen der Finanzmärkte liege nun mehr bei den Versicherten. Die Pensionskasse verfolge aber seit jeher eine defensive und konservative Anlagestrategie. 67 Prozent des Kapitals sei in Nominalwerten, wie zum Beispiel Obligationen, angelegt, oder in Immobilien. 29 Prozent sind Aktien. Diese verloren 2008 35 Prozent an Wert. Nur gerade 4 Prozent befinden sich in sogenannten alternativen Anlagen, wie zum Beispiel Hedge Funds. Aber auch dort habe man keine Totalausfälle zu beklagen.

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