«Mister Kreisel» geht in Pension

Ende Jahr geht der Weinfelder Tiefbauchef Bruno Mästinger in den frühzeitigen Ruhestand. Gleichzeitig feiert er sein 25-Jahr-Arbeitsjubiläum. Mitgestaltet hat er unter anderem die Umfahrungsstrasse mit acht Kreiseln und das Zentrum.

Mario Testa
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Der Rathausplatz ist für Bruno Mästinger der schönste Flecken, den er in Weinfelden neu gestalten durfte. (Bild: Mario Testa)

Der Rathausplatz ist für Bruno Mästinger der schönste Flecken, den er in Weinfelden neu gestalten durfte. (Bild: Mario Testa)

Herr Mästinger, Sie gehen im Alter von 62 Jahren vorzeitig in Pension…

Bruno Mästinger: Halt! Ich gehe Ende Jahr in den frühzeitigen, nicht in den vorzeitigen Ruhestand; ein kleiner aber feiner Unterschied (lacht).

Was hat Sie denn zu diesem Entscheid motiviert?

Mästinger: Ich will mein Leben noch geniessen. Das heisst, ich will mehr Zeit für mich, für meine Frau, meinen Garten und meine Enkel. Man weiss ja nie, was in drei Jahren sein wird, die ich jetzt noch arbeiten könnte.

Haben Sie Ihre Arbeit als Tiefbauchef von Weinfelden denn nicht geniessen können?

Mästinger: Doch, sehr. Ich bin nicht arbeitsmüde und die Arbeit hat mir über all die Jahre sehr gut gefallen. Jeden Morgen bin ich gern aufgestanden und zur Arbeit. Meine Frau hat in den Ferien jeweils gesagt: «Gäll, bisch froh, wennt nögschd Wuche wieder chasch go schaffe?!»

Was hat Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut gefallen?

Mästinger: Ich war immer sehr gern draussen auf den Baustellen. Das hab ich schon nach meinem Ingenieurstudium als Bauführer gern getan. Ein Bürolist bin ich nicht, aber natürlich gehört das auch zur Arbeit. Und der administrative Aufwand hat schon stark zugenommen.

Wie erklären Sie sich die Zunahme der Administration?

Mästinger: Die Arbeit ist komplexer geworden. Es gibt viel mehr Vorschriften, die beachtet werden müssen. Wir mussten auch lernen, dass wir die Bevölkerung und Anstösser sehr früh einbeziehen müssen. Dadurch wird der Aufwand grösser.

Auf Welche Projekte blicken Sie mit Stolz zurück?

Mästinger: Ich durfte viele schöne Sachen machen, hab auch grosses Vertrauen genossen seitens der Behörde. Was sicherlich heraussticht ist die Sanierung der Umfahrung sowie die Neugestaltung des Zentrums mit all den neuen Querschnitten der Strassen und dem Rathausplatz, der mir sehr gut gefällt, so wie er sich heute präsentiert. Dazu kommen die vielen Erschliessungen. Im Sangen beispielsweise ist fast ein kleines Dorf neu entstanden in dieser Zeit.

Haben Sie misslungene Projekte gehabt, einen «Bock» geschossen?

Mästinger: Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Im nachhinein war ich manchmal auch schlauer. Aber ich hab daraus gelernt und es beim nächstenmal besser gemacht. Erfahrung ist wertvoll. Was sicher sehr schwierig war, war die Beseitigung der Unwetterschäden im Jahr 1994. Das hat uns noch lange beschäftigt. Das war ein unerfreuliche Arbeit – aber nicht uninteressant.

Was ist Ihre Meinung zu verkehrsfreien Zonen im Zentrum?

Mästinger: Verkehrsfrei geht nicht, sonst ist das Zentrum tot. Wir dürften aber einen Schritt weitergehen als es heute der Fall ist und eine Begegnungszone einführen, wo die Fussgänger Vortritt haben. Das fördert die gegenseitige Rücksichtnahme und das Verständnis – etwas, das unserer Gesellschaft ohnehin gut anstehen würde.

Wenn Sie in Pension gehen, hinterlassen Sie Weinfelden acht Kreisel. Sehen Sie sich als «Mister Kreisel»?

Mästinger: Nein, das ist doch ein anderer, der ehemalige Kantonsingenieur Jürg Bärlocher (lacht). Ich finde Kreisel aber nach wie vor das beste System, besser als Lichtsignale oder Stopstrassen. Sie verflüssigen den Verkehr. Zudem ist die Unfallschwere kleiner, es gibt höchstens noch Streifkollisionen.

Ist das Transitverkehrsproblem dank der Verflüssigung des Verkehrs auf der Umfahrung gelöst?

Mästinger: Es gibt leider immer noch Transitfahrten durchs Dorf, aber der Verkehr aussenrum fliesst gut. Mit der Sanierung der Freiestrasse und den häufiger geschlossenen Barrieren erhoffe ich mir eine weitere Beruhigung auf der Achse durchs Zentrum.

Glauben Sie noch daran, dass die BTS eines Tages gebaut wird?

Mästinger: Ich bin der Meinung, dass mit Hochdruck an der BTS gearbeitet werden muss. Wenn ich sehe, was für Ströme zur Rush Hour durchs Thurtal fahren, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Und der Verkehr nimmt mit jedem Jahr um zwei Prozent zu. Zwar will keiner den Verkehr, aber alle wollen ein Auto. Das beisst sich – wir werden diese Verkehrsentwicklung aber nicht aufhalten können.

Konnten Sie gut umgehen mit solchen Interessenkonflikten – es nicht allen recht machen zu können?

Mästinger: Das hab ich typisch schweizerisch gelöst. Man muss kompromissbereit sein. Normen müssen eingehalten werden, das trägt zur Sicherheit bei. Aber es gibt Spielräume auch in den Gesetzen, und diese sollten ausgenützt werden, wenn nötig.