MISSVERSTÄNDNIS: «Ich meinte doch nicht alle Kosovaren»

Auf Facebook gingen die Wogen hoch, als der Arboner Nacht-Chauffeur Martin schrieb, dass er keine Kosovo-Albaner mehr transportieren würde. Nach etlichen bösen Kommentaren, ist er nun gescheiter und sieht seinen Fehler ein.

Miranda Diggelmann
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Nacht-Chauffeur Martin bereut nun, was er auf Facebook geschrieben hat und versucht, wieder Frieden zu stiften.

Nacht-Chauffeur Martin bereut nun, was er auf Facebook geschrieben hat und versucht, wieder Frieden zu stiften.

Der 55-jährige IV-Rentner und Nacht-Chauffeur Martin fährt einen Partybus, der vor allem Jugendliche nach dem Ausgang nach Hause bringt. Er mag seinen Job, so würde es ihm nicht langweilig werden. In letzter Zeit sei es jedoch vermehrt zu unerfreulichen Zwischenfällen in seinem Nachtbus gekommen, verursacht von immer der selben Gruppierung. Beim letzten Zwischenfall, als sechs der zehn Personen nicht bezahlen wollten, Brandlöcher machten und im Bus assen, reichte es Martin aber endgültig. Am letzten Sonntag, dem 2. April, schrieb er auf Facebook, dass er nicht mehr dazu bereit wäre, Exjugoslawen, insbesondere Kosovo-Albaner, zu transportieren und dass sie sich nicht mehr bei ihm melden sollen. «Ich brach in Wut aus und schrieb den Text aus dem Affekt heraus, als ich noch völlig emotional und aufgelöst war», sagt der Arboner.

Facebook-Gemeinschaft verärgert über den Post

Martins Facebook-Post sorgte nebst zustimmenden Voten auch für heftige Diskussionen und scharfe Kritik. Ihm wurde Rassismus vorgeworfen. Ausserdem waren viele der Facebook-Gemeinschaft der Meinung, dass seine Entscheidung rechtlich gesehen gar nicht erlaubt ist. Dies bestätigt Werner Fischer, Geschäftsleiter von Fischer Consulting Zürich, welche Taxifahrer ausbilden. «Taxifahrern ist es verboten, nach Lust und Laune auszuwählen, wen sie chauffieren möchten. Es gilt die Beförderungspflicht», sagt Fischer. Ausnahme dürften nur gemacht werden, wenn der Passagier extrem stark alkoholisiert ist oder unter Drogeneinfluss steht. Dies wäre gesetzlich so geregelt.

Chauffeur Martin hat sich falsch ausgedrückt

Nach den vielen bösen Kommentaren, merkte Nacht-Chauffeur Martin, dass er wohl falsch verstanden wurde. Er hätte doch eigentlich nur die betroffene Gruppe von Kosovo-Albanern gemeint, und nicht Exjugoslawen und Kosovo-Albaner generell. Auch die Rassismus-Vorwürfe streitet der 55-Jährige ab. «Ich bin bestimmt kein Rassist. Die Leute haben mich lediglich falsch verstanden», sagt er. Sein einziges Ziel wäre es gewesen, dass die betroffene Gruppe, welche für die unerwünschten Zwischenfälle im Partybus verantwortlich waren, auf ihn aufmerksam und ihn kontaktieren würden, so dass das Problem aus der Welt geschaffen werden könnte. Tatsächlich hätten sich die Betroffenen kurz darauf bei Martin gemeldet und ihn gestern Abend auf ein Gespräch ins eigene Club-Lokal eingeladen. Nacht-Chauffer Martin ist sich bewusst, dass seine Formulierung falsch aufgefasst hätte werden können. «Ich möchte mich ganz offiziell bei allen Kosovo-Albanern für meine Fehlformulierung entschuldigen. Ich meinte nur die unangenehmen Chaoten, nicht die Allgemeinheit», sagt er.

Martin hoffe, dass zwischen ihm und der betroffenen Clique von Jugendlichen eine Lösung gefunden werden könne und bald wieder Frieden herrsche. Schliesslich würde ihm seine Arbeit eigentlich sehr viel Spass bereiten.