«Mir gibt es ein gutes Gefühl»

ROMANSHORN. Hunde, Schildkröten und Stofftiere als Vertreter ihrer lebendigen Artgenossen gehören zu den Gottesdienstbesuchern in der katholischen Kirche Romanshorn. Sie erhalten wiederum den Segen von Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann.

Daniela Ebinger
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Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann segnet Polly. Auch wenn es für sie das erste Mal ist: Die Boxer-Hündin nimmt es gelassen. (Bilder: Daniela Ebinger)

Gemeindeleiterin Gaby Zimmermann segnet Polly. Auch wenn es für sie das erste Mal ist: Die Boxer-Hündin nimmt es gelassen. (Bilder: Daniela Ebinger)

Friedlich sitzt die grosse, schwarzweisse Neufundländer-Hündin im Gang der Kirche. Als die Musik einsetzt, stellt sie die Ohren und blickt umher. Lange lässt sich Dori nicht davon ablenken und legt sich flach auf den Fussboden. Für einmal gehört der Gottesdienst auch den Tieren. Dies im Zusammenhang mit dem Welt-Tierschutztag am 4. Oktober. Er steht zu Gedenken an den Heiligen Franz von Assisi, der unter anderem wegen seiner Tierpredigten Berühmtheit erlangte. Dori darf zum ersten Mal mit. «Ich habe schon viel von den Tiergottesdiensten gehört», sagt Monica Gallardo. Zusammen mit ihren Kindern und der Hündin wollte sie den besonderen Gottesdienst erleben. «Dori hat von der Segnung nicht viel mitbekommen, aber mir gibt es ein gutes Gefühl und ich finde den Gottesdienst lässig», sagt die Romanshornerin. Tochter Aurora nahm ihre Stofftiere stellvertretend für ihre drei Katzen mit.

Danken für freudige Momente

Franco Villa lässt Boxer-Dame Polly das erste Mal segnen und hofft, dass sie damit gut beschützt ist. Was die Segnung genau bewirkt, weiss Judith Himmelberger nicht genau. Sie besucht den Tiergottesdienst mit ihren drei kleinen Schildkröten sowie Hündchen Samy. «Wir spüren im Moment nicht viel, aber das Wissen, dass meine Tiere dazugehören und ihnen damit gute Gedanken geschickt werden, tut gut.» Mit der Segnung ihres Jack Russel will Regula Hug Gott danken für die vielen freudigen Momente. «Auch hoffe ich zu spüren, was alle Tiere brauchen und dass mir die Gefühlswelt der Tiere geöffnet wird», sagt Regula Hug. «Einmal im Jahr gedenken wir in einem Gottesdienst unserer Tiere und Mitgeschöpfe», sagt Gaby Zimmermann und setzt ihr graues Stoffschwein hin. Sie fragt sich: «Wenn die Tiere uns Antwort geben könnten, was würden sie uns sagen?» Sie zählt zahlreiche traurige, erschütternde und brutale Beispiele von Tiermissbrauch, Tiervermarktung oder falscher Haltung auf und fragt, was wir Menschen unseren Mitgeschöpfen alles antun.

Viele schauen weg

Sie geniesse es, am Morgen mit ihren Minipigs spazieren zu gehen und erfreue sich am Tageslicht, den schönen Plätzen und frischen Wiesen, sagt die Gemeindeleiterin. Viele Menschen wollten bei unangenehmen Sachen gar nicht hinsehen, sagt sie und nennt das Beispiel vom billigen Steak. «Wenn es demjenigen, der es verspeist, bewusst wäre, dass das Geschöpf Gottes in seinem Leben für das wenige Geld gar keinen Sonnenstrahl und kein Tageslicht erblicken konnte, würde ihm das Steak im Hals steckenbleiben.»

Kevin Steiger und Aurelia Gallardo haben Stofftiere zur Segnung mitgebracht. Monica Gallardo ihre Neufundländerhündin.

Kevin Steiger und Aurelia Gallardo haben Stofftiere zur Segnung mitgebracht. Monica Gallardo ihre Neufundländerhündin.

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