Migros investiert 16 Millionen

Mit dem Projekt für eine zweigeschossige Tiefgarage mit 193 Abstellplätzen bekennt sich die Migros zum Standort im Zentrum. Beteiligen will sich auch die Stadt, die aus dem Projekt grossen Nutzen ziehen könnte.

Rita Kohn
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Die Ein- und Ausfahrt der geplanten Tiefgarage soll über die Rütistrasse geregelt werden. Oberirdisch verblieben 73 Parkplätze. (Bilder: Stadt Amriswil)

Die Ein- und Ausfahrt der geplanten Tiefgarage soll über die Rütistrasse geregelt werden. Oberirdisch verblieben 73 Parkplätze. (Bilder: Stadt Amriswil)

Es war eine ungewöhnliche Situation: Auf dem Tisch lagen die Pläne für eine zweigeschossige Tiefgarage, die ein Investitionsvolumen von rund 16 Millionen Franken auslösen wird. Vorgestellt wurden sie von Vizestadtammann Hanspeter Strickler, Bauherrin ist jedoch die Migros. Grund für diese Konstellation sind die momentanen Besitzesverhältnisse des Grundstücks, auf dem sich ein Grossteil des heutigen Migros-Parkplatzes befindet.

Der Boden gehört bis jetzt der Stadt Amriswil und ist der öffentlichen Zone zugeteilt, ist aber mit einem Nutzungsrecht belastet. Sagt das Volk an der Urne Ja zum vorliegenden Projekt, wird sich einiges ändern.

Grundstück verkaufen

Um nämlich bauen zu können, möchte die Migros das Grundstück einerseits kaufen, andererseits ist sie auf eine Umzonung von der öffentlichen Zone in die Kernzone angewiesen.

Im Sinne des verdichteten Bauens und dem Wunsch, die Parkplätze möglichst unter den Boden zu verlegen, ist die Stadt daran interessiert, dass die Migros ihr Vorhaben umsetzen kann. Denn dadurch kann auch die Stadt zu den bei Grossanlässen benötigten Parkplätzen kommen. Der Stadtrat drängte darauf, dass die geplante Tiefgarage ein zweites Geschoss bekommt, was die Zahl der Parkplätze nahezu verdoppelt.

So stehen bei Grossanlässen nach Realisierung des Projekts in der Tiefgarage rund 190 Parkplätze zur Verfügung.

Beteiligung 3 Millionen

Insgesamt würde sich die Stadt Amriswil eine Beteiligung am Tiefgaragenprojekt 3 Millionen Franken kosten lassen. Darin enthalten sind rund 1,1 Millionen Franken, die die Migros als Kaufpreis für das Grundstück entrichten müsste, sowie 1,9 Millionen Franken, die als Netto-Kostenbeteiligung anfallen würde.

Beim derzeit auf 6 Millionen Franken veranschlagten Preis für das zweite Tiefgaragengeschoss ein vorteilhafter Handel für die Stadt. «Die Migros braucht die Parkplätze genauso», sagt Hanspeter Strickler. Alleine deshalb sei ein solches Abkommen überhaupt zustande gekommen.

Heftiger Brocken

Pius Stäger, Leiter Sparte Liegenschaften bei der Migros, machte denn auch keinen Hehl daraus: «16 Millionen sind auch für die Migros ein heftiger Brocken für den Standort Amriswil.

» Doch stehe die Geschäftsleitung hinter dem Projekt. Ein Detailhandel funktioniere nur, wenn der Kundschaft genügend Parkplatz zur Verfügung stehe. «Wir sind nicht daran interessiert, Suchverkehr zu generieren», betonte er, wies aber gleich darauf hin, dass es zu Spitzenzeiten auch mit den zusätzlichen Parkplätzen in der Tiefgarage eng werden könnte. Aber mehr als die nun geplanten Parkplätze liessen sich derzeit nicht rechtfertigen.

Bei Bedarf öffnen

Fest steht, dass die Tiefgarage der Migros in der Regel ausserhalb der Geschäftszeiten geschlossen sein wird. Dies, um allfälligen Vandalenakten vorzubeugen. Bei Bedarf durch die Stadt wird die Garage offen bleiben. Dann wird die Stadt aber jeweils für die Sicherheit besorgt sein. «Unsere Anwälte sind dabei, eine umfassende Vereinbarung auszuarbeiten», versicherte Strickler.

In solchen Fällen sei es so, dass ausschliesslich die Stadt Partnerin der Migros sei, erklärte Hanspeter Strickler auf die Anfrage von CVP-Präsident Beat Maier. Die einzelnen Veranstalter wie etwa die Awa oder der City-Run müssten sich nicht selber darum bemühen.

Liegenschaft einbeziehen

Beim Blick auf den Plan zeigt sich, dass eine Liegenschaft im Nordwesten der Migros-Parzelle eine optimale Lösung in Sachen Verkehrsführung und Tiefgarage verhindert.

Auf die Frage von Gewerbevereinspräsident Markus Schütz bestätigte Pius Stäger, dass die Migros mit dem Eigentümer im Gespräch sei und eine mittelfristige Übernahme des entsprechenden Grundstücks anstrebe. Der Zeithorizont liege hier aber bei etwa 2014, was einen Einbezug ins Projekt Tiefgarage unmöglich mache. Denkbar wäre eine spätere Erweiterung. Noch nicht gelöst ist auch das Problem einer besseren Vernetzung von Migros und Amriville.

«Ein Zusammenbau der beiden Zentren ist nicht so einfach», betonte Pius Stäger, schloss aber mittelfristige Lösungen nicht aus.

Klare Besitzverhältnisse

Im November wird die Migros-Verwaltung über das Projekt entscheiden. Am 28. November kommt es zudem zur Urnenabstimmung, bei der es einerseits darum geht, ein Kreditbegehren von brutto 3 Millionen Franken bzw.

netto 1,899 Millionen Franken als Gemeindeanteil am Bau der Tiefgarage zu sprechen, andererseits das entsprechende Grundstück an die Migros zu verkaufen und die Umzonung vorzunehmen. «Sagen die Verwaltung oder die Amriswiler Stimmberechtigten Nein, werden wir wieder bei null stehen», meinte Pius Stäger. Vizestadtammann Strickler ist zuversichtlich: «Das Gesamtprojekt darf sowohl für die Stadt Amriswil als auch für die Genossenschaft Migros Ostschweiz als Win-win-Situation bezeichnet werden.

» Es würden klare Besitzverhältnisse geschaffen und die Stadt könne von den zusätzlichen Parkplätzen profitieren.