Meistens gewinnen die Amriswiler

AMRISWIL. In der Turnhalle Oberfeld trainiert jeden Mittwochabend der PluSport Amriswil. Die Menschen mit einer Behinderung bereiten sich auf den bevorstehenden Volleyball-Cup vor, der am 19. September in Amriswil ausgetragen wird.

Luisa Gomringer
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Die Plusport-Mitglieder wärmen sich mit Dehnungen für das Volleyballtraining auf. (Bild: Andrea Stalder)

Die Plusport-Mitglieder wärmen sich mit Dehnungen für das Volleyballtraining auf. (Bild: Andrea Stalder)

So individuell wie ihre bunten T-Shirts sind auch die Träger. Engagiert rennen, springen und gehen die Mitglieder des PluSport Amriswil kreuz und quer durch die Turnhalle Oberfeld. Die Menschen mit Handicap wärmen sich so für das bevorstehende Training auf. Das älteste Mitglied ist bereits 65jährig, das jüngste gerade einmal zwölf Jahre alt. Nachdem sie ihre Muskeln ausgiebig gedehnt haben, geht es für die 35 Mitglieder weiter. Viele sind schon seit Jahren dabei.

Verständigung ist nicht einfach

Alle packen mit an, wenn es an das Wegräumen der Matten geht, und stellen gemeinsam das Volleyballnetz auf. Dabei gibt es auch Diskussionen, wo genau das Netz angebracht werden muss. «Es ist nicht immer einfach, die Mitglieder zu verstehen oder ihnen das Programm zu erklären, da viele undeutlich sprechen, nicht gut hören, nicht gut sehen oder geistig nicht nachkommen», sagt Trainingsleiter Daniel Hohl. Trotz der besonderen Herausforderung sind die PluSport-Mitglieder ein eingespieltes Team und die zwei Volleyballnetze stehen ein paar Minuten später. Das Anspiel kann geübt werden.

Auch hier wird neben dem Spielen viel diskutiert. Doch wenn Assistent Enrico Schläpfer etwas sagt, hören alle aufmerksam zu. «Unser Team besteht aus sechs Leitern und zwei Assistenten, die alle eine spezielle Ausbildung hinter sich haben oder momentan absolvieren», erklärt Daniel Hohl. «Da die Mitglieder ständige Betreuung brauchen, begleiten wir sie im Training und auch in der Garderobe.»

Man muss informiert sein

Eine gute Aufsicht ist im Behindertensport erforderlich. Daniel Hohl hat von jedem Vereinsmitglied ein Informationsblatt. «Es musste auch schon der Notarzt gerufen werden, da ist es wichtig, genau zu wissen, welche Medikamente die Person zu sich nimmt oder welche Art von Behinderung sie hat.»

Obwohl der Verein auf den ersten Blick gewöhnlich aussieht, wird in gewissen Momenten doch wieder klar, dass einige Sachen anders laufen. «Es gibt Mitglieder, die auf Grund einer Krankheit immer mehr abgeben und für eine Zeit gar nicht mehr kommen können», bedauert Daniel Hohl. Leider würden manche schon in jüngeren Jahren sterben. Wenn er den anderen Turnern mitteilen muss, warum ihr Kollege nicht mehr zum Training erscheint, stimmt das Daniel Hohl schon traurig. Auch wenn solche Momente schwer für die Leiter und für die Mitglieder sind, schauen alle nach vorne und geben ihr Bestes. Momentan konzentrieren sich die Sportler aus Amriswil speziell auf das Volleyballspielen. Am 19. September führt PluSport Amriswil zum 11. Mal den Volleyballcup durch. An diesem Wettkampf treten zehn bis zwölf Mannschaften aus der ganzen Schweiz an. Die Amriswiler sind in dieser Sportart besonders erfolgreich und gewinnen den Cup fast immer.

Für fast alle geeignet

Da die PluSport-Mitglieder verschiedene Handicaps haben, auf die Rücksicht genommen werden muss, ist es nicht einfach, eine geeignete Sportart für jeden zu finden. Volleyball eignet sich für viele besonders gut, da es zu keinem Körperkontakt kommt. Gespielt wird mit einem grünen Gymnastikball, da er weicher und grösser als ein Volleyball ist und zusätzlich langsamer fliegt. Auf Grund dessen, nennt man diesen Sport auch Zeitlupenvolleyball. «Bei den Wettkämpfen wird der Ehrgeiz der Behinderten und deren Gemeinschaft gestärkt», betont Daniel Hohl. Zur Belohnung gebe es nach jedem Wettkampf ein gemeinsames Essen, wo sich die Teilnehmer herausputzen und den Abend mit ihren Kollegen geniessen können.

Daniel Hohl Trainingsleiter PluSport Amriswil (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Daniel Hohl Trainingsleiter PluSport Amriswil (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))