Mehr Leben für die Steinach

Die Wasserqualität der Steinach soll mit einem regionalen Projekt verbessert werden. Gereinigtes Abwasser würde ab Ende 2012 direkt von der ARA Morgental in den Bodensee fliessen. Über das Projekt stimmt St. Gallen im September ab.

Andrea Kern
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Baden in der Steinach soll ab 2013 wieder möglich sein. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Baden in der Steinach soll ab 2013 wieder möglich sein. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Steinach. Baden in der Steinach wird nicht empfohlen, zumindest nicht zwischen der ARA Hofen bei Wittenbach und dem Bodensee. Denn unterhalb der ARA, die das Abwasser der Stadt St. Gallen reinigt, besteht die Steinach nur noch aus 20 Prozent Bachwasser, 80 Prozent sind gereinigtes Abwasser aus der ARA. «Ein extremes Mischverhältnis», stellt Fredy Brunner, Stadtrat von St. Gallen, fest.

So wurde bereits vor längerer Zeit ein Projekt aufgegleist, das gestern in der ARA Morgental bei Steinach vorgestellt wurde.

Ökostrom produzieren

Das regionale Projekt zur Verbesserung der Wasserqualität der Steinach beinhaltet laut Fredy Brunner drei Bereiche. Damit das gereinigte Abwasser aus der ARA Hofen nicht mehr in die Steinach fliesst, soll es in einer fünf Kilometer langen Druckleitung direkt zur ARA Morgental geleitet werden.

Geplant ist dort ein Kraftwerk, das jährlich vier Millionen Kilowattstunden Ökostrom produzieren soll. Damit könnten rund 900 bis 1000 Haushalte versorgt werden. Ein wichtiges Ziel sei, Synergien zu schaffen. Fredy Brunner denkt dabei auch an eine gemeinsame Anlage, die womöglich in 20 bis 25 Jahren realisiert werden könnte.

Bereits ins Auge gefasst wird eine mikrobiologische Reinigung, die laut Werner Federer, Geschäftsleiter von Fischer Ingenieure Arbon, auf dem Areal der ARA Morgental neben dem Kraftwerk ihren Platz finden würde. «Heute gibt es in der Gewässerschutzverordnung dafür noch keine Vorschriften», sagt Werner Federer. Doch man sei sich bewusst, dass die Reinigung des Abwassers von Medikamenten, Pflegeprodukten sowie Industrierückständen zu gegebener Zeit gesetzlich gefordert werde.

Ein neuer Ablaufkanal, der gleichzeitig den hochwassergefährdeten Bergerbach entlasten soll, ist von der ARA Morgental zum Bodenseeufer geplant. Am Ufer werde dann das Wasser in einer neuen Seeleitung in 26 Metern Tiefe in den Bodensee geleitet. Mit 1270 Metern Länge wird diese rund doppelt so lang wie die bestehende, die jedoch als Entlastung noch in Betrieb sein wird. «Gerade bei Regenwetter ist es sinnvoll, wenn wir eine doppelte Kapazität aufweisen können», sagt Werner Federer.

Lebensraum aufwerten

Mit diesen Massnahmen soll die Wasserqualität der Steinach, des Bodensees und bei den Trinkwasser-Entnahmestellen verbessert werden. Insgesamt wird mit dem Projekt der Lebensraum im und am Gewässer aufgewertet. So soll in einem weiteren Schritt die Steinach renaturiert werden. Obwohl die Steinach ohne das Abwasser der ARA Hofen massiv weniger Wasser führen werde, trockne der Bach nicht aus, versichert Werner Federer. Im Gegenteil würden durch die Renaturierung Rückzugsmöglichkeiten für Tiere geschaffen.

Die Kosten für das Projekt betragen rund 25 Millionen Franken. Die Stadt übernimmt 20,3 Millionen und die Gemeinde Wittenbach 2,5 Millionen. Am 20. April entscheiden die Delegierten des Abwasserverbandes Morgental über das Projekt; dessen Anteil: 1,5 Millionen. Am 26. September folgt die Volksabstimmung in der Stadt St. Gallen. Verläuft alles nach Zeitplan, sind die Arbeiten Ende 2012 abgeschlossen, so dass im Sommer 2013 bedenkenlos in der Steinach gebadet werden könne.

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