MAUREN: Leuchtende Fratzen in der Kälte

Auch im östlichen Nachbardorf von Weinfelden wird die Bochselnacht gefeiert, wenn auch in viel kleinerem Rahmen. Dafür schnitzen die Kinder ihre Räben umso gfürchiger.

Mario Testa
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Die Maurer Kinder singen "Ds Laternelied". Lehrerin Regula Svec singt vor, Rita Hitz begleitet auf der Handorgel. (Bild: Mario Testa)

Die Maurer Kinder singen "Ds Laternelied". Lehrerin Regula Svec singt vor, Rita Hitz begleitet auf der Handorgel. (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Ein Stecken mit drei Ästen, ein Kerzlein, das bis zum Schluss brennt, und eine gehörige Fratze geschnitzt ins Räbeliechtli. Diese drei Punkte müssen die Maurer Kindergärtler und Primarschüler erfüllen, um in die Kränze zu kommen. «Wir zeichnen jeweils die schönste Runggle pro Jahrgang aus, und es gibt auch jedes Jahr einen Tagessieger», sagt Mitorganisator Kurt Hitz. Am Donnerstagabend hat Dario Liebmann die dreiköpfige Jury mit seinem Bochsellicht am meisten überzeugt, er sichert sich den Tagessieg. «Ich hab schon gedacht, dass ich mit meiner Runggle dieses Jahr gewinne», sagt der Kindergärtler. «Ich hab mit viel Fantasie einen Geissenkopf reingeschnitzt.»

30 Kinder haben an der Bochselnacht in Mauren teilgenommen. Tags zuvor hatten sie am Nachmittag in der Schule ihre Lichter geschnitzt, zu Hause teils mit Hilfe der Eltern noch verfeinert und auf den Stecken gezurrt. Vom Schulhaus aus zogen sie am Donnerstagabend um 18 Uhr dann los, begleitet von einigen Eltern sowie der Lehrerin Regula Svec und Rita Hitz. Mit ihrer Handorgel begleitet die Frau des Organisators die Kinder beim Gesang. «Ds Laternelied», «Feliz navidad» oder «de Stern vo Bethlehem» singen die Kinder an vier Stationen in den Quartieren von Mauren. Vereinzelt kommen die Anwohner aus ihren Häusern, lauschen, klatschen und ziehen sich wieder an die Wärme zurück.

Die Stecken werden immer kürzer

Geraucht wird unter den Kindern auch in Mauren an der Bochselnacht nicht mehr, und das schon seit einigen Jahren. «Offiziell entschieden hat man das gar nie, aber es hat sich einfach so ergeben. Dabei war’s doch etwas, das die Bochselnacht ausgemacht hat; zu rauchen, bis einem schlecht wurde», sagt Thomas Schalch, der mit den Kindern mitspaziert. «Früher waren wir jeweils etwa 60 Kinder und ohne Erwachsene unterwegs, nur der Lehrer war dabei. Die Stecken waren drei Meter hoch.» Die Bochselnacht sei braver geworden und kleiner, aber immer noch ein schöner Anlass.

Etwa 40 Kinder gehen in Mauren in die Primarschule, zehn haben also nicht teilgenommen. Die Bochselnacht ist nicht Pflicht. Einige Eltern würden ihre Kinder nicht am Umzug teilnehmen lassen, da der Brauch nicht zu ihrem christlichen Glauben passe, sagt ein junger Familienvater, der an der Spitze des Zugs, mit Leuchtweste und Lampe ausgerüstet, dafür sorgt, dass die Autos anhalten, bis die Schar vorbeigezogen ist. «Mir tun diese Kinder leid. Es ist doch einfach ein schöner Brauch.»

Klamme Finger fassen heisse Würste

Nach dem stündigen Zug durchs Dorf versammeln sich die Kinder beim ehemaligen Feuerwehrdepot. Dort gibt es Wienerli und Suppe für alle, während sich die Jury über das schönste Bochsellicht berät. Dank der heissen Würste und der Heizung im Depot können sich alle wieder aufwärmen. «Die Maurer Bochselnacht lebt von all denen, die mitmachen», sagt Kurt Hitz in einer kurzen Ansprache und dankt den Lehrerinnen dafür, dass sie den Brauch weiterhin pflegen.