Maturaarbeit schafft Brücken

AMRISWIL. Voreingenommen sind beide Seiten: Schweizer und albanische Migranten begegnen einander meist skeptisch und mit Berührungsängsten. Vanessa Lochbaums Wunsch ist eine Annäherung beider Kulturen.

Maya Mussilier
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Vanessa Lochbaum freut sich, dass aus ihrer Maturaarbeit zum Thema Integration bleibende Kontakte zu albanischen Familien entstanden sind. (Bild: Reto Martin)

Vanessa Lochbaum freut sich, dass aus ihrer Maturaarbeit zum Thema Integration bleibende Kontakte zu albanischen Familien entstanden sind. (Bild: Reto Martin)

Frank Lochbaum schüttelt den Kopf und lacht. Ein bisschen ungewöhnlich sei es schon, dass er sich für ein albanisches Fest engagiere, ja sogar den Anstoss dazu gegeben habe. Bis vor kurzem gehörte Frank Lochbaum nämlich noch zu jenen Menschen, die den albanischen Migranten eher skeptisch gegenüberstehen. Geändert hat sich seine Einstellung schliesslich durch die Maturaarbeit seiner Tochter Vanessa.

«Ich hatte keine gute Meinung»

Die junge Frau lächelt wissend. Ganz ähnlich ist es ihr selbst ergangen. «Ich hatte, wie so viele andere auch, keine besonders gute Meinung von dieser Bevölkerungsgruppe», gibt sie ohne zu zögern zu. «Im zweiten Jahr der Kanti habe ich über Christliche Hilfsorganisationen in Südafrika geschrieben. Für die Maturaarbeit hatte ich eigentlich eine Fortsetzung dieser Arbeit geplant», erzählt Vanessa Lochbaum. Schliesslich habe sie sich aber entschieden, etwas ins Zentrum ihrer Arbeit zu rücken, das mit der Schweiz zu tun habe. «Ich wollte unter dem Aspekt Integration eine Familie auf ihrem Weg begleiten. Das Amt für Integration konnte mir wegen der Datenschutzbestimmungen aber nicht weiterhelfen. Man hat mir geraten, mich an ausländische Vereine zu richten.»

Das hat Vanessa Lochbaum schliesslich getan. Sie hat über den Albanischen Verein Amriswil den Kontakt zu einer Einzelperson und einer Familie gefunden, die über ihren langen Weg der Integration erzählten. Ausserdem startete die junge Frau eine Online-Umfrage zum Thema. «Es haben sich knapp 250 Leute gemeldet. Das hat mit total überrascht», erzählt sie. Erstaunt war sie auch darüber, wie viel Mühe sich die Teilnehmer beim Ausfüllen des Fragebogens gemacht haben. «So konnte ich viele verschiedene Aspekte in meine Arbeit einfliessen lassen», sagt Vanessa Lochbaum.

Grosse Gastfreundschaft erlebt

Bei einem albanischen Fest fielen für die junge Frau die letzten Bedenken. «Ich erlebte dort eine sehr grosse Gastfreundschaft», sagt sie. Der Wunsch der 20-Jährigen ist es, mitzuhelfen, gegenseitige Vorurteile abzubauen. «Als vor vielen Jahren die ersten Italiener zum Arbeiten in die Schweiz kamen, wurden sie beschimpft. Heute gehören sie bei uns ganz selbstverständlich dazu. Das wünsche ich mir für die albanischen Migranten ebenfalls», sagt sie.