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MATTWIL: Qual der Wahl: Das Brauchtum oder die Umwelt schützen

Die "Christbaumverbrennete" ist im Dorf eine alte Tradition. Problematisch ist allerdings, dass offene Feuer für hohe Feinstaubemissionen sorgen und die Umwelt belasten.
Sabrina Bächi
«Christbaumverbrennete» in Mattwil: Anwohner bringen nebst Baum auch Essen und Getränke mit, um die Tradition zu feiern. (Bild: Donato Caspari)

«Christbaumverbrennete» in Mattwil: Anwohner bringen nebst Baum auch Essen und Getränke mit, um die Tradition zu feiern. (Bild: Donato Caspari)

Kein anderer Baum erfreut die Gemüter so sehr, wie der Christbaum. Er ist Symbol für die besinnliche Zeit, für Familienzusammenkünfte und Geschenke, nicht zuletzt auch für feines Essen, Guetzli und den Glauben. Reich geschmückt ziert er manch gute Stube und verleiht dem alltäglichen Wohnraum einen festlichen Glanz. Bis zum Dreikönigstag bleiben die meisten stehen.

Dann jedoch ist der Tag der Abrechnung gekommen. Der Tag, an dem die Müllabfuhr die nun jämmerlich am Boden liegenden Bäume zusammen sammelt. Jetzt sehen sie weder besonders schön, noch besonders festlich aus. In Mattwil jedoch, soll der Baum nicht achtlos weggeworfen werden. Hier herrscht bis heute die Tradition der "Christbaumverbrennete". So organisiert der Dorfverein am Freitag nach dem Dreikönigstag, bringen nebst Baum auch Würste, Kuchen und Punsch mit. Letzten Freitag war es wieder soweit: Gemeinsam entzündeten die Mattwiler ihr Christbaumfeuer, immer unter Aufsicht eines Feuerwehrmannes, und schauten zu, wie die Funken stieben.

Alternative Lösung vom Kanton

An diesem Brauchtum gibt es jedoch einen Haken: Die Christbaumentsorgung mit einem offenen Feuer ist problematisch. Das Amt für Umwelt schreibt dazu: "offene Feuer tragen sieben Prozent zur Feinstaubemission bei". Vor allem im Winter sei das ein Problem, da die Belastung mit Feinstaub zu dieser Jahreszeit sowieso hoch ist. Doch eine Christbaum Entsorgung ohne Fest, das wäre dann doch schade. So ist das Amt auch gleich um neue Lösungsansätze bemüht: Die "Verbrennete" soll durch eine "Christbaumteilet" ersetzt werden. Das heisst, die Bäume, anstatt verbrennen, gemeinsam häckseln und dann entsorgen, oder aber als Bedeckung für den Garten benutzen. "So macht der Christbaum dreimal Freude: Als geschmückter Baum, als Grund für ein Fest und als ‹Glücksbringer› im Garten", schreibt das Amt. "Das wäre eine gute und umweltverträglichere Alternative", sagt Martin Eugster, Abteilungsleiter Boden und Abfall vom Amt für Umwelt, auf Nachfrage. Ein Verbot für solche Brauchtumsfeuer gibt es nicht. "Nur wenn feuchte Gartenabfälle oder Möbel auch mitverbrannt werden, ist es wegen der Rauchentwicklung verboten", sagt er. Brauchstumsfeuer werden vom Kanton jedoch toleriert.

Amt führt immer noch Kontrollen durch

Trotzdem finden immer wieder stichprobenartige Kontrollen statt. "Die Gemeinden halten sich mittlerweile sehr gut daran", sagt der Experte. "Wir wollen natürlich nicht, dass noch weitere Feuer dazukommen", deshalb der Vorschlag zur "Christbaumteilet" seitens Kanton. Wegen der messbar erhöhten Emissionswerte rät das Amt beispielsweise auch von Feuerwerkskörpern an Sylvestern ab. Verboten ist aber auch das nicht.

Für den Birwinker Gemeindepräsidenten Peter Stern ist die "Christbaumverbrennete" eine schöne Tradition. "Es ist ein alter Brauchtum und für den Dorfverein sind solche gesellige Anlässe enorm wichtig", sagt Stern. Er ist froh, dass der Kanton gegenüber dem Brauchtum so liberal denkt. "Es wäre wirklich sehr schade, wenn solche Anlässe nicht mehr gepflegt werden dürfen." In Mattwil wird also auch künftig der Tannenbaum knisternd im Feuer entsorgt. Und das in geselliger Runde.

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