MANNENBACH: Ende für Station «Einzigartig»

Das Restaurant im Bahnhof Mannenbach war während der letzten vier Jahre ein beliebter Treffpunkt. Aus gesundheitlichen Gründen hört die Wirtin nun auf.

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Karin Länzlinger wird morgen Samstag zum letzten Mal am «Schalter» ihres Restaurants stehen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Karin Länzlinger wird morgen Samstag zum letzten Mal am «Schalter» ihres Restaurants stehen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

«Vier Jahre Aufbauarbeit gehen leider zu Ende. Wir haben uns nun entschieden, den Bistrobetrieb einzustellen und keine weiteren Optionen mehr zu prüfen», lautet die Botschaft von Karin und Hans Jörg Länzlinger mit ihrem Team. Der Grund: Wirtin Karin Länzlinger kann nicht mehr schmerzfrei laufen. Ein Verkauf des Bahnhofes ist aber kein Thema. Der Bahnhof ist im Besitz der Firma Lägro GmbH in Kesswil, deren Inhaber der Ehemann der Wirtin ist. Sie erinnert sich: «Mein Mann kam mal nach Hause und sagte: ‹Ich habe dir einen Bahnhof gekauft. Mach was draus.›» Und sie hat tatsächlich etwas Einzigartiges aus der «Station Einzigartig» gemacht.

Abschied nehmen vom guten Geist

Jetzt hängen Schilder mit der Aufschrift «verkauft» an Mobiliar und anderen Dingen. Teile der Innenausstattung sind bereits weg. Als Erinnerungsstücke gekauft, um Erinnerungen vor dem Verfall zu retten. «Wir sind bewusst nochmals gekommen, um Abschied zu nehmen vom Ambiente, vom guten Geist, der im ‹Einzigartig› herrscht», erklären Katrin Schaad aus Kaltenbach und Rahel Mattera aus Ossingen, angereist mit dem Zug, im Sommer kamen sie per Velo. «Karin Länzlinger hat das Auge für schöne Details und ein Gefühl für Gastfreundschaft», wird gelobt.

Jeder weiss, dass man fortan nicht mehr die selbst gemachten Kuchen und Spätzle geniessen kann. In der Abschiedswoche gibt es noch Suppen, Wienerli und Brunch. «Es drückt einem das Herz ab», klagt Elisabeth Gasser aus Zürich. Sie lobt das Essen, das Gebäck, das Cachet der Wohnung mit der Dachschräge, wo sie Ferientage verbracht hat. Die zwei Wohnungen über der Station sind inzwischen vermietet. Für die Weiterführung des Bistrobetriebes wurde ein Infoabend veranstaltet. Zehn Interessenten sind gekommen, aber es gab keine Zusage. «Die Aufbauarbeit ist ja gemacht», sagt die Wirtin und betont, dass das Personal, Claudia Hug (Küche) und Christina Kraft (Service), mehr als prima ist.

Für die Lokführer gab es immer einen Kaffee

Die Besucher während der letzten Tage von «Einzigartig» fangen immer wieder von vorne an damit, wie schade sie es finden, dass die Station zu geht. Katharina Kuhn aus Langrickenbach meint: «Ich bin echt traurig, dass ‹Einzigartig› zugeht. Dieses Bistro hebt sich ab von der grossen Masse.» Else Visser aus Lommis schwärmt von der Ambiance und vom Angebot. Erika Reich aus Appenzell und Alexandra Wick aus St. Gallen, beide Neuzuzügerinnen in Ermatingen, können es nicht fassen, dass noch keine Nachfolge gefunden wurde. Sie zählen die Pluspunkte der Lage auf, den Veloweg, die Bahnstation, die Schifffahrt, alles direkt am See. Thurbo-Lokführer Christof Baumann aus Bürglen will die Schliessung ebenfalls nicht in den Kopf: «Hier wurden wir mit Kaffee verwöhnt, bei jedem Halt wurde uns rasch einer serviert. Das ist schweizweit bekannt unter den Lokführern.» Was aussen als alter Bahnhof beginnt, wurde innen umgewandelt zur kulinarischen Wellnessstation. Es sind auch viele Freundschaften entstanden. Mit Sicherheit werden daher Tränen fliessen am Tag mit der Signalisation: Endstation... bitte alle aussteigen, am 24. Dezember, 14 Uhr.

Margrith Pfister-Kübler

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