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«Man muss schon ein Spinner sein»

«Die Meuterei auf der Bounty» ist seine Leidenschaft. Seit Edi Spengler vor 20 Jahren zusammen mit Freunden den Bounty-Club Schweiz gegründet hat, lässt ihn die berühmte Geschichte von der Meuterei nicht mehr los. Ein Besuch im einzigen Museum von Weinfelden.
Donat Beerli
Leidenschaftlicher Sammler: Edi Spengler im Museum des Bounty-Clubs Schweiz. (Bild: Reto Martin)

Leidenschaftlicher Sammler: Edi Spengler im Museum des Bounty-Clubs Schweiz. (Bild: Reto Martin)

WEINFELDEN. «Wir brauchen Eure Gebete»: Auch vier Wochen, nachdem die «Bounty II» dem Wirbelsturm Sandy erlegen ist, läuft es Edi Spengler kalt den Rücken runter, wenn er an die letzten Worte von Kapitän Robin Wallbridge denkt. Das Schiff, das für die «Bounty»-Verfilmung mit Marlon Brando aus dem Jahre 1962 nachgebaut wurde und auch in «Pirates of the Carribean» eine Hauptrolle spielte, war nach Florida unterwegs, als es, vom Wirbelsturm überrascht, unweit der Küste von South Carolina sank.

Der Präsident des einzigen Bounty-Clubs der Welt sitzt inmitten fein säuberlich angeordneter Artefakte des historischen Schiffes und begutachtet Fotos vom letzten Jahr, die ihn an Bord der «Bounty II» zeigen. «Ein Stück Weltgeschichte geht verloren», sagt Edi Spengler und berührt seinen Glücksbringer, einen Nagel der echten «Bounty», den er um den Hals trägt. Der Dreimaster sei ein Botschafter für die Geschichte der berühmten Meuterei gewesen.

Aufwendiges Hobby

Diese Meuterei in Erinnerung zu halten, die im Jahre 1789 in der Südsee stattgefunden hatte und Anlass für fünf Hollywood-Filme war, ist das Hauptanliegen von Edi Spengler und seinem Club.

Wenn der 54-Jährige die Geschichte zu erzählen beginnt, sprudeln die Jahreszahlen nur so aus ihm heraus. Edi Spengler kennt jedes kleinste Detail, das mit der Meuterei zu tun. Er habe viele Hobbies in seinem Leben gehabt, aber nichts habe ihn so gepackt wie die «Bounty». Die meisten der zahlreichen Artefakte, die das Museum in Weinfelden zieren, hat Edi Spengler ersteigert und dafür unzählige Stunden seiner Freizeit geopfert. Seit kurzem ist sogar das Original-Filmskript der Verfilmung aus dem Jahre 1935 zu sehen. «Man muss schon ein Spinner sein», sagt Edi Spengler. «Und eine grosszügige und tolerante Frau haben», fügt er lächelnd an.

Vor gut 20 Jahren habe alles angefangen, sagt der 54-Jährige, der in seinem beruflichen Leben als Verkaufsleiter bei Amag tätig ist. Aber eigentlich schon viel früher. Als 15-Jähriger sei er als Automechaniker-Lehrling abends nach Hause gekommen und habe den Fernseher eingeschaltet. Was lief? Eine Schwarz-Weiss-Verfilmung der Geschichte der Meuterei aus dem Jahre 1935. «Wenn ich damals nicht eingeschaltet hätte, wäre es wahrscheinlich nie so weit gekommen.»

Ein paar Jahre später, 1991, sass Edi Spengler mit zwei Freunden am Tisch und unterhielt sich mit ihnen über die Meuterei. Aus Jux, wie er heute sagt, beschlossen die drei einen Brief an die Nachfahren der Meuterer zu senden, von denen man wusste, dass sie auf der Südseeinsel Pitcairn lebten. Ein Jahr später – der Brief war schon lange vergessen – brachte die Post ein Paket mit dem Absender Pitcairn. Darin lag ein geschnitztes «Bounty»-Modell. «Ein einzigartiger Moment», sagt Edi Spengler heute. Seit diesem Zeitpunkt unterstützt der Bounty-Club die Insulaner auf Pitcairn. Dazu betreiben sie eine Bar, die einmal in der Woche öffnet. Alle Einnahmen bekommen die Bewohner von Pitcairn. Edi Spenglers Leidenschaft hat ihn und sein Frau an die verschiedensten Orte in der Südsee geführt, und die Liebe zu den Menschen dort ist nur grösser geworden.

Tattoo mit Haifischzähnen

«Für mich kommen gewöhnliche Ferien nicht in Frage. Ich möchte erleben, wie diese Menschen damals gelebt haben.» Deswegen habe er sich auch ein polynesisches Tattoo stechen lassen. Aber nicht auf die herkömmliche Art. Vor zehn Jahren hat ihn das Oberhaupt eines kleinen Dorfes in der Südsee mit Haifischzähnen tätowiert. «Eine zweistündige Tortur, aber es hat sich gelohnt.»

Sogar auf Pitcairn selber waren die Spenglers schon. 2005 unternahm der Club eine Reise zur entlegenen Südseeinsel, die nordöstlich von Neuseeland liegt. »Wir mussten ein Schiff chartern, Kursschiffe gibt es da keine.» 78 Stunden auf offener See, ohne ein Anzeichen einer Menschenseele, das sei nicht einfach gewesen. Da habe er am eigenen Leib miterlebt, wie schnell Spannungen zwischen Menschen entstehen können.

Kate Winslets Schuhe

Die «Bounty» ist nicht das einzig berühmte Schiff, das Edi Spengler begeistert. In der «Bounty Bar» findet man auch ein Paar Schuhe, die Schauspielerin Kate Winslet im Film «Titanic» getragen hat. Die Schuhe einer Oscar-Preisträgerin in Weinfelden? «Nicht der Rede wert», sagt Edi Spengler. Sie habe im Film noch 22 andere Schuhe getragen.

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