«Man muss mit der Zeit gehen»

AMRISWIL. Die Firma Parkette.ch liefert ihre Holzböden in alle Welt. In Volketswil und Rothrist betreibt das Amriswiler Unternehmen mit Erfolg eine permanente Ausstellung. Nur im hiesigen Raum nimmt das Angebot kaum jemand wahr.

Maya Mussilier
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Werner Krebs zeigt eine kleine Auswahl an Farbmöglichkeiten für Parkettböden. (Bild: Donato Caspari)

Werner Krebs zeigt eine kleine Auswahl an Farbmöglichkeiten für Parkettböden. (Bild: Donato Caspari)

«Warum wir den Aufwand auf uns nehmen, und auch die Schnittkanten von Hand einölen?» Werner Krebs liefert die Antwort gleich optisch nach. Mit einem nassen Schwamm fährt er über ein Stück unbehandeltes Parkett und sofort kommt Bewegung in das Stück Holz. Es verbiegt sich, bis es kurz darauf ein fast geschlossener Ring ist.

Als er die Reaktion des Holzes zum ersten Mal gesehen habe, sei für ihn klar gewesen, dass diese empfindliche Stelle an den Kanten geschützt werden müsse. «Es ist mir unerklärlich, aber wir sind weltweit die Einzigen, die den Aufwand auf uns nehmen und die Kanten von Hand schützen», sagt Werner Krebs.

Ganz nach Kundenwunsch

Stolz ist Werner Krebs auch auf die riesige Farbenvielfalt, die seine Firma anbieten kann. «Wir haben 500 verschiedene Oberflächen im Angebot und können auch auf ausgefallene Kundenwünsche eingehen», sagt er und zeigt auf ein oranges Muster, das er nach einigem Tüfteln für eine Kundin hergestellt hat. «Die Frau hat den Boden jetzt in ihrem Haus und ist begeistert davon», sagt Werner Krebs.

Damit zeigt der Geschäftsinhaber eine Stärke seines Familienbetriebes auf. Ein einzigartiger Parkettboden in der Wunschfarbe, der auch noch gut gegen Nässe geschützt ist – das gibt es eben nicht ab der Stange. Entsprechend gross ist das Interesse. «Leider nicht in Amriswil, wo wir mit unserem Geschäft seit so vielen Jahren präsent sind», bedauert Krebs. «Hier wissen viele Leute gar nichts von unseren speziellen Produkten. Aber wir verlegen oder liefern mittlerweile Böden in die ganze Schweiz, ins Ausland und sogar nach Übersee.» So beispielsweise aktuell gerade in Südafrika.

Mutiger Schritt bringt den Erfolg

Den Durchbruch hat das Amriswiler Unternehmen auf ungewöhnliche Weise geschafft. «Wir waren immer an der Weihnachtsausstellung in Amriswil vertreten und hatten keine bis wenig Resonanz.» Auch der Wechsel von der alten Festhütte zum modernen Pentorama brachte für Geschäft nicht die erhoffte Verbesserung.

«Wir mussten uns also etwas einfallen lassen, um unsere Firma mit 750 Stellenprozenten weiter auslasten zu können», erzählt Werner Krebs. Allen Unkenrufen zum Trotz habe er es dann gewagt, einen Stand an der Wohga in Winterthur zu buchen. Sie seien förmlich überrannt worden, sagt Werner Krebs. Der Stand sei immer voll Besucher gewesen. «So ein grosses Interesse waren wir uns bislang nicht gewöhnt.» Mittlerweile hat die Firma Krebs, die neu unter dem Namen Parkette.ch auftritt, zwei permanente Ausstellungen. Eine in der Bauarena Volketswil und eine im Stilhaus Rothrist. «Bemerkenswert finde ich, dass wir schon mehrfach Leute aus unserer Region in der Bauarena hatten, die nicht wussten, dass wir solche Böden herstellen.»

Hotel wird zum Teppichgeschäft

«Als meine Eltern 1966 nach Amriswil kamen, führten sie das Hotel Marktplatz.» 1971 begann der Vater mit Teppichen zu handeln und die sanierungsbedürftige Kegelbahn im Untergeschoss wurde zum Teppichlager umfunktioniert. Später eröffnete die Mutter von Werner Krebs im ersten Stock ein Vorhangatelier.

«Man muss mit der Zeit gehen», sagt Werner Krebs ohne Wehmut. Früher wollten die Leute Teppiche. Das sei vorbei, wie auch der Wunsch nach viel Stoff an den Fenstern. Heute seien glatte Böden, kurze Vorhänge und Attrappen anstelle von Nachtvorhängen gefragt. So habe sich ihr Angebot geändert.