Malereien für Arbeiter tabu

Bis im Winter ist das neue Dach der Johanneskapelle errichtet. Nach der Fassadensanierung beginnt Restauratorin Doris Warger nächsten Sommer damit, die wertvollen Wandmalereien freizulegen.

Michelle Sommerhalder
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Die Dachkonstruktion wird freitragend und soll nach dem Herausbrechen des Zwischenbodens auch vom Erdgeschoss aus zu sehen sein. (Bild: Max Eichenberger)

Die Dachkonstruktion wird freitragend und soll nach dem Herausbrechen des Zwischenbodens auch vom Erdgeschoss aus zu sehen sein. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Die Sanierung des Kappeli im Städtchen liegt im Zeitplan: Die künftig freitragende Dachkonstruktion ist instand gestellt, der Rohbau saniert und die Dachschalung zur Hälfte erstellt. Mit dem Freilegen der Wandmalereien wurde noch nicht begonnen. Diese schlummern noch bis nächsten Sommer unter ihrer Abdeckung. Die Arbeiten werden etappiert ausgeführt. Sie erstrecken sich über mehrere Jahre.

Morsche Balken entfernt

«Mitte Oktober wird das Notdach entfernt: rechtzeitig bevor der Winter hereinbricht. Bis dahin ist das Unterdach errichtet und mit Ziegeln gedeckt, wenn es weiterhin gut läuft», berichtet Bauleiter Ivo Stalder. Ein paar faule und morsche Balken mussten ersetzt werden, ausserdem Sparren, welche das Dach tragen. «Ab und zu gibt es auch Unvorhergesehenes. So mussten zum Beispiel mehr Balken ersetzt werden, als man zunächst glaubte.» Die gesamte Dachsanierung soll Anfang November abgeschlossen sein. Auch den Kostenrahmen habe man bisher einhalten können. Die Baukommission trifft sich einmal pro Woche auf der Baustelle, um anstehende Fragen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Mit feinem Pinsel

Restauratorin Doris Warger hatte sich vor Beginn der Bauarbeiten an die mühsame Arbeit gemacht, mit einem feinen Pinselchen die mittelalterlichen Wandmalereien im Kappeli zu entstauben. Den gröbsten Dreck musste sie, mit Lupe ausgerüstet, entfernen, um festzustellen, wie weit die Verschmutzung mit der Malschicht verklebt war. Dazu erklärte sie, dass mit einer Säuberung immer auch ein Verlust einherginge. Die Malereien sind für alle beteiligten Arbeiter eine Tabuzone, denn allein eine Berührung mit der Hand könne schon Schaden anrichten. Jetzt, da die Bauarbeiten in vollem Gange sind, sind die Wandmalereien gut geschützt.

Verborgener Schatz im Kappeli

Nächsten Frühling beginnt die Säuberung der Fassade. Im Sommer kann sich die Restauratorin daranmachen, den Verputz zu entfernen, der die Wandmalereien verdeckt. Diese stamme wahrscheinlich aus der Reformationszeit, als Bilder in der Kirche aus der Mode kamen. Der Bilderzyklus, der die Innenwände der ehemaligen Kirche schmückt, stammt aus dem 14. Jahrhundert und zeigt die Osterpassion. Unter anderem ist die Kreuzigung Jesu zu sehen. Der Zyklus ist von erheblichem Wert.

Zwischendecke kommt raus

Im Herbst 2013 wird die Zwischendecke herausgebrochen, so dass man vom Erdgeschoss aus das gesamte Schiff einsehen kann. Doris Warger ist bei allen Gesprächen und Terminen, die Verputz und Malerei betreffen, dabei.