Malerei lockt wie die Loreley vom Felsen

ARBON. Das 50-Jahr-Jubiläum seiner Hobbymalerei liess Karl Steurer ohne viel Aufsehen passieren. Lieber als ein Festtag ist ihm ein Tag mit Pinsel und Farbe. Jetzt stellt er im Alters- und Pflegeheim National aus.

Hedy Züger
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Karl Steurer bringt beim Bild einer Berglandschaft letzte Retuschen an. (Bild: Hedy Züger)

Karl Steurer bringt beim Bild einer Berglandschaft letzte Retuschen an. (Bild: Hedy Züger)

Seit er pensioniert ist, beansprucht die Staffelei einen schönen Teil der freien Tage. Diese Konkurrenz muss sogar Kater Hilam respektieren. Gegenständlich, naiv, abstrakt? Karl Steurer malt Bilder in verschiedenen Stilen.

Experimentieren

Im Startjahr, 1958, experimentierte Steurer sogar mit Spraydosen. Nicht lange zwar, aber der Trend zum Experimentieren blieb. Er setzte sich mit allerlei Malerei, die ihn beeindruckte, auseinander und wagte selber viele Versuche. Wenn sich Erfolge einstellten, behielt er sich trotzdem den Freiraum vor, von einer Technik in die andere zu wechseln. Damit bekundete sogar Galerist Kurt Schär, dem doch keine Kunstrichtung verborgen blieb, seine Mühe: «So bleib doch mal bei einem Stil, sonst wirst Du nie erfolgreich sein», kritisierte er, «das Bild da ist abstrakt, also gehört keine gegenständliche Figur hinein.» Karl Steurer lächelt pfiffig, wenn er sich an die Szene mit dem erfahrenen Kunsthändler im Burkartshof erinnert. Sesshaft im Sinn stilistischer Treue wurde er nach dieser Rüge nämlich nicht. Öffnet er heute das Album mit Fotos seiner frühen Bilder, steht der Betrachter plötzlich in der Steinacher Bucht und bewundert die Silhouette von Arbon.

Trudy Wiget spurte vor

Im Lauf der Jahre kam mancher Aufsteller ins Leben des Kunstmalers. Mit der Arboner Künstlerin Trudy Wiget pflegte Steurer immer wieder den Gedankenaustausch. Nachdem sie sich mit ihren eigenen Bildern aus dem bekannten Sternacker in St. Gallen zurückgezogen hatte, setzte sie sich dafür ein, dass danach Karl Steurer und sein Sohn die Adresse für den Publikumskontakt nutzen konnten. 2005 war das «Sonnhalden» ein solcher Treffpunkt. Und bis März 2012 zeigt er nun im Alters- und Pflegeheim National mit 30 Exponaten, wie vielgestaltig seine Malerei ist. Bergdörfer, die sich eng an Felsmassive anlehnen, faszinieren Steurer in jüngster Zeit. Er selber reist nicht mehr viel, die Inspiration zur Wiedergabe schlichter Siedlungen und wuchtiger Steinwände in Acryl gewinnt er auf anderem Weg. Ihm entgeht auch die Ausstellung Manet, Monet und Miró im Kunsthaus Zürich. Da er oft ähnlich malt, müssten ihn die Bilder des Spaniers fesseln. Doch Steurer winkt ab, unter den «ganz Grossen» verehre er den Norweger Edvard Munch.

Ein innerer Zug

Karl Steurer kam in einem der ältesten Arboner Gebäude, im Wohnturm an der Badgasse, zur Welt und wuchs in der Altstadt auf. Bis 1968, bis zu deren Schliessung, arbeitete er in der Kugellagerfabrik. Zu Zeichenstift und Farben griff er aus einer Motivation heraus, die ihn damals selber überraschte. Er feilte hart an seiner Anfangsbegabung – und ist ein Suchender geblieben. Los lässt ihn die Malerei nie, sie lockt wie die Loreley vom Felsen.