«Malen ist für mich wie ein Fieber»

In ihrer Freizeit nimmt Monika Bettinaglio aus Schönenberg am liebsten den Pinsel in die Hand. Die farbenfrohen Bilder der 42-Jährigen sind in einem Ausstellungsraum an der Grünaustrasse 5 zu sehen.

Tobias Söldi
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Monika Bettinaglio vor ihren farbenfrohen Bildern. (Bild: Tobias Söldi)

Monika Bettinaglio vor ihren farbenfrohen Bildern. (Bild: Tobias Söldi)

SCHÖNENBERG. Greift Monika Bettinaglio einmal zu Pinsel und Farbe, dann kann sie sich kaum mehr von der Leinwand trennen. «Malen ist wie ein Fieber, das mich packt», gesteht sie. Ergreift diese für einmal nicht unwillkommene Art von Fieber Besitz von ihr, hält es sie mehrere Stunden ununterbrochen fest. «Für eine Stunde nehme ich den Pinsel gar nicht erst hervor», sagt die Teilzeitkünstlerin. «Das lohnt sich nicht.» Fast die gesamte freie Zeit nimmt das Hobby so in Anspruch.

Anstrengend und entspannend

Eine Zeit, die Monika Bettinaglio gerne in Kleidern mit Farbklecksen verbringt. «Ich bin nicht besonders ordentlich, im Gegensatz zum täglichen Leben», meint sie. Malen beruhige, helfe abzuschalten und erfordere trotzdem Konzentration, indem alle Sinne auf etwas Bestimmtes, einen Gegenstand oder eine Farbfläche, fokussiert sind. «Es ist anstrengend und zugleich entspannend», meint Monika Bettinaglio, selbst verwundert über diese Paradoxie.

Was diesen intensiven Maltagen entspringt, ist meist lebensprühend, kräftig und farbenfroh. Oft ist der Hintergrund der Bilder abstrakt gehalten, ein Über- und Nebeneinander von Flächen, Linien und verlaufender Farbe. Darüber entfaltet sich die gegenständliche Welt: Menschen, Tiere, Pflanzen, Körper oder Gesichter. Inspiration findet die gebürtige Bündnerin auf Spaziergängen, bei Gesprächen, im Wald, in einem Café, in flüchtigen Erinnerungen. Nicht in jedem Fall muss ein Gegenstand den Weg auf die Leinwand finden. «Ein abstraktes Bild ist genauso schwer zu malen wie ein gegenständliches», erklärt Monika Bettinaglio. Stellt auf der einen Seite die Wiedergabe von Emotion und Ausdruck die grosse Herausforderung dar, so gelte es bei abstrakten Werken besonders auf die Komposition und auf die Grundsätze der Farbenlehre zu achten. «Ich fühle mich in beiden Bereichen wohl.»

Schülerin mit Talent

Schon früh regte sich die Begabung in ihr. «Als Kind habe ich gerne gemalt», erinnert sie sich. Ihr Lehrer an der Oberstufe sah in seiner Schülerin ein Talent schlummern, das es zu wecken galt. Die damals in Zürich wohnende junge Frau wählte zunächst aber den Beruf der Technischen Zeichnerin, doch fehlte ihr dort der Raum zur Entfaltung. «Ich brauche künstlerische Freiheit.» Diese eroberte sie sich 2004 zurück, als sie nebenberuflich wieder mit Acryl und Öl zu malen begann. Fünf Jahre später lud sie zu ihrer ersten Ausstellung ein: «Das war eine wunderbare Erfahrung, auch wenn ich sehr nervös war.»

Hohe Ansprüche

Doch mit dem Malen allein ist es nicht getan. Auch im künstlerischen Bereich gilt es, die eigenen Fähigkeiten ständig zu verbessern. Gerade, wenn das eigene Tun mit hohen Ansprüchen konfrontiert wird. «Um vorwärts zu kommen, besuche ich Weiterbildungskurse», erzählt Monika Bettinaglio, die sich als Perfektionistin bezeichnet. Bevor sie nicht vollständig zu einem Bild steht, verlässt dieses ihr Atelier nicht. Und das kann lange dauern. Nicht nur wegen der hohen Messlatte, sondern auch aufgrund der Arbeitsmethode: Monika Bettinaglio malt in Schichten, übermalt immer wieder, bis es «stimmt».

Ausstellungsraum eröffnet

Eines Tages möchte Monika Bettinaglio von ihrer Kunst leben können. Einen Schritt in diese Richtung ging sie letzten Dezember: Mit ihrem Lebenspartner, dem Hobbydrechsler Markus Bernhardsgrütter, eröffnete sie an der Grünaustrasse 5 einen Ausstellungsraum. Darin sind ihre Bilder und die Arbeiten ihres Partners ausgestellt. «Holz und Bilder passen einfach gut zusammen», erklärt Monika Bettinaglio.

Und auch als Team ergänzen sich die beiden bestens: «Markus hilft mir, die Bilder aufzuhängen, ich übernehme die Dekoration», meint Monika Bettinaglio.