Mäuschen, Katze, dumme Kuh

Theatergruppe Fast unterhielt in Frasnacht mit einer turbulenten Komödie amerikanischer Autorenschaft, die von Bühnentalenten aufgewertet wurde.

Hedy Züger
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«Pretty Belinda» handelt von Scheidung, Freundschaft und der Suche nach Glück. (Bild: Hedy Züger)

«Pretty Belinda» handelt von Scheidung, Freundschaft und der Suche nach Glück. (Bild: Hedy Züger)

Immerhin 15 Jahre lang lief das Glück im Eheleben von Belinda mit. Es sei Verlass auf ihren Gatten Alan, meinte sie. Dann erkennt sie: Ich war blind. Ihr geht auf, wie banal und freudlos die Zweisamkeit ist. Am Tag vor der Scheidung wollen die Freundinnen sie aus ihrem Tief herausholen, Wellnesstage im Club Mutamento heisst das Zaubermittel. Der Macho bewegt alle drei. Belinda klagt: «Zuerst war ich das Mäuschen, dann die Katze, und schliesslich wurden die Tiere immer grösser.»

Was sie nicht ahnt: Während der Trennung wechselte ihr Gatte auf den Posten des Hoteldirektors und wählt wieder eine ihm nahestehende Person. Im Hotel, das die drei Frauen buchen, treten neue Bezugspersonen auf den Plan und kommen dem scheiternden Ehemann ins Gehege.

Der Fitnesstrainer des Hotels ist neutral, introvertiert und gerät dennoch in Verdacht, sich weiblichen Gästen zu nähern; der Hairstylist fühlt sich vom eigenen Geschlecht angezogen und verguckt sich eindeutig in den Musterkoffer mit weiblichen Dessous statt in die Frauen.

Umwerfender Spass

Der Ladenbetreiber hält sich an den Sekt, torkelt, lallt. Bei einer brillanten Gesamt- und Einzelleistung war es der Hairstylist, der den Zuschauern umwerfenden Spass ermöglichte. Er setzte seine Rolle, zum Teil in frivolen Lackhöschen, wie ein Urtalent um. Wie er nur schon seinen Freund beschrieb, dessen Haut.

Gurke ist essbar

Das Publikum vergnügte sich von A bis Z ob des Spiels, das die Spitzen der Eisberge des Lebens mit Humor verbrämt. Im Alltag sind die Klippen düster und bedrohlich, auf der Bühne mit Charme, Überspitzung und Witz garniert, zum Beispiel Belindas Naschsucht, die mit immer grösseren Pralinéschachteln ausgedrückt wird. Oder Maggys Gurke, die sie statt der Gesichtsmaske verfutterte. Ob man die ernsten Themen neben dem Witz erkannt hat? Drohende Arbeitslosigkeit, Wunsch nach Treue, Sicherheit vor Sex, Nötiges vor Luxus?

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