MÄRSTETTEN: Zurück zu den Wurzeln

Mit seinen fast 94 Jahren lädt der Dorfchronist Eugen Alder am 9. Juni wieder zu einer Führung ein. Er wird von Maro dem Alemannen erzählen und vom Säntis, der in die Thurgauer Stuben schaut.

Esther Simon
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Schüler befragen den Senior: Der Märstetter Dorfchronist Eugen Alder gibt gerne Antwort. (Bild: Susann Basler (Märstetten, 11. März 2008))

Schüler befragen den Senior: Der Märstetter Dorfchronist Eugen Alder gibt gerne Antwort. (Bild: Susann Basler (Märstetten, 11. März 2008))

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Ein Glück, dass das Staatsar­chiv den gesamten Nachlass von Eugen Alder hat sichern können.Pech hingegen für den Märstet­ter Dorfchronisten, ehemaligen Schulmeister und Theaterregisseur: Wenn er mal was in den eigenen Akten nachschauen will, muss er nach Frauenfeld pilgern. Sei’s drum. Die wichtigsten Daten und Fakten über sein geliebtes Märstetten hat der bald 94-Jährige ohnehin im Gedächtnis gespeichert. Und dank seines langen Lebens kann er, wie kaum ein Zweiter, die grossen Zusammenhänge herstellen und die Dinge einordnen.

Das wird auch an der neuen Dorfführung vom Freitag, 9. Juni, der Fall sein, zu der Alder im Auftrag der Bürgergemeinde einlädt. «Es wird sicher kein Dorfrundgang mit Rathaus und Türmchen», sagt Alder mit dem gewohnten Schalk in den Augen. Er hält sich da ganz an den Thur­gauer Schriftsteller Ernst Nägeli (1908 bis 2006), der sagte, dass der Säntis in viele Thurgauer Stuben hineinschaue. «Das ist doch ein wunderbarer Satz», sagt Alder, «er trifft genau auf Märstetten und Ottoberg zu.»

Alder wird seine Führung um 18.30 Uhr bei der Kirche beginnen. Er wird erzählen, wie die Gletscher und das Wasser die Landschaft um Märstetten formten und wie es überhaupt dazu kam, dass hier eine Siedlung entstanden ist. Und er wird erklären, wie sich das Weg- und Strassennetz im und um das Dorf, das amtlich erstmals 1150 erwähnt wurde, gebildet hat. «Märstetten ist kein Strassendorf, es hat einen grossen Kern, einen Brunnen und einen Dorfbach», sagt Alder, und ein bisschen Stolz blitzt in seinen Augen auf. Der Dorfführer wird schliesslich die Geschichte von Maro dem Alemannen erzählen und mit den Teilnehmern das Hohe Haus besichtigen.

Nicht so viel Zeit, wie er bräuchte

«Fehlen werden die Geschichten von den Nachtwächtern, den Gemeindemausern und den Hebammen», sagt Alder mit einem leisen Bedauern. Denn an der Führung vom 9. Juni hat er nicht so viel Zeit, wie er eigentlich bräuchte. Der Rundgang soll nicht länger als fünf Viertelstunden dauern. «Alles andere ist ja im Thurgauer Staatsarchiv nachzulesen.»

Apropos Staatsarchiv in Frauenfeld: 13 Laufmeter umfasst der Bestand, den Eugen Alder dem Kanton als Geschenk überlassen hat. Es sind die gesammelten Werke aus Alders Zeit von 1954 bis 1988 als Schulmeister in Märstetten und die Dokumente, die er als Lokalhistoriker zusammengetragen hat. Darunter sind sämtliche Ausgaben des «Hilarius», der reich bebilderten Dorfzeitung mit dem Jahresrückblick, die jeweils am 13. Januar in Mär­stetten verteilt wird. Wenn wieder 50 Leute kommen, wie zur letzten Führung, wäre das für Eugen Alder kein Problem: «Meine Stimme ist noch gut. Als Führer eines Regimentsspiels konnte ich sie einst reichlich trainieren.»

Dorfführung Freitag, 9. Juni, 18.30 Uhr, Besammlung bei der Kirche, keine Anmeldung erforderlich, kein Eintritt