Macht das Pfarrhaus in Erlen krank?

ERLEN. Der Konflikt um das Erler Pfarrhaus, das nach Ansicht der Pfarrfamilie Ursache für gesundheitliche Probleme ist, hat ein Ende gefunden. Pfarrer Andreas Haller hat seine Stelle auf kommenden Herbst gekündigt.

Hugo Berger
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Evangelisches Pfarrhaus an der Poststrasse in Erlen: Andreas Haller und seine Familie sind ausgezogen; sie kehren nicht mehr zurück. (Bild: Archiv/Georg Stelzner)

Evangelisches Pfarrhaus an der Poststrasse in Erlen: Andreas Haller und seine Familie sind ausgezogen; sie kehren nicht mehr zurück. (Bild: Archiv/Georg Stelzner)

Das Verhältnis zwischen Pfarrer Andreas Haller und der Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Erlen ist seit einiger Zeit getrübt. Grund dafür ist die Wohnsituation der siebenköpfigen Pfarrfamilie. Diese klagte über erhebliche gesundheitliche Störungen, welche sie auf das Pfarrhaus an der Poststrasse in Erlen zurückführt.

Andreas Haller, evangelischer Pfarrer von Erlen. (Bild: rst/Archiv)

Andreas Haller, evangelischer Pfarrer von Erlen. (Bild: rst/Archiv)

Nun hat Haller seine Stelle auf den Herbst gekündigt, wie Kirchenpräsident Thomas Bichsel am Dienstag an der Gemeindeversammlung erklärte. Andreas Haller sagte, die gesundheitlichen Probleme bei ihm und seiner Frau seien akut geworden. Diese äusserten sich in Herzrasen, Herzrhythmusstörungen und allgemeinem Unwohlsein. «Es ist einiges nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben.» Das Thema sei kompliziert. Alle hätten sich um Lösungen bemüht, aber keine gefunden. «Ich bitte Sie, von einer Schuldzuweisung Abstand zu nehmen», sagte der Seelsorger.

Rücktritt gefordert

Das Problem liege in der Wohnsituation, betonten beide Seiten. «Wir haben im Pfarrhaus Messungen durchgeführt und nichts Belastendes gefunden», sagte Bichsel. Auch eine Blutuntersuchung bei Pfarrer Haller habe zu keinem Ergebnis geführt. In gleichem Sinn äusserte sich Markus Oettli. Das Pfarrhaus sei schon alt. Viele hätten bisher dort gelebt, und niemand habe an gesundheitlichen Störungen gelitten. «Ich glaube nicht, dass das Problem am Haus liegt», stellte der Arzt fest. Unzufrieden zeigte sich Oettli mit der Arbeit der Kirchenbehörde. Es sei ein schlechtes Zeichen, dass Jahr für Jahr weniger Leute den Gottesdienst besuchten. «Wenn es in einem Fussballclub nicht mehr richtig läuft, muss der Trainer gehen. Für Dich ist die Zeit gekommen abzutreten», forderte Oettli den Präsidenten auf.

Er habe sich aufgrund der Situation mit einem Rücktritt beschäftigt, sei aber zum Schluss gekommen, dass er die Amtsdauer zu Ende führen wolle, antwortete Bichsel. Im Gegensatz zu einem Sportverein sei die Kirchenbehörde von der Gemeinde gewählt, gab Kirchenvorsteher Max Wälchli zu bedenken. «Ein Rücktritt wäre die einfachste Lösung, aber damit wäre niemandem gedient.»

Zieht der Neue ein oder nicht?

Aufgeworfen wurde auch die Frage, ob Hallers Nachfolger ins umstrittene Pfarrhaus einziehen wird oder nicht. Man werde das Problem offenlegen und ihm die Entscheidung überlassen, versicherte Bichsel. Rechtlich sei die Kirchgemeinde nicht dazu verpflichtet, dem Amtsinhaber einen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, hielt er fest. Eine Kirchbürgerin betonte, wichtig sei, dass in der Behörde Einigkeit darüber herrsche, in welche Richtung es gehe, ob man einen konservativen oder einen fortschrittlichen Pfarrer wolle. «Die Wahl Hallers war damals richtig. Was dann daraus entstanden ist, konnten wir nicht voraussehen», sagte Bichsel.

Thomas Bichsel, Präsident evangelische Kirchgemeinde. (Archivbild: rst)

Thomas Bichsel, Präsident evangelische Kirchgemeinde. (Archivbild: rst)

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