Luise opfert ihre Seele

BISCHOFSZELL. Auf der Erde, im Himmel und in der Hölle spielt Ödön von Horváths Theaterstück «Himmelwärts». Es ist die neue Produktion der Städtlibühne Bischofszell. Die Mitglieder proben fleissig für die Premiere am 6. Mai.

Claudia Gerrits
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In der Aula Sandbänkli laufen die Proben für die neue Produktion der Städtlibühne. (Bild: Claudia Gerrits)

In der Aula Sandbänkli laufen die Proben für die neue Produktion der Städtlibühne. (Bild: Claudia Gerrits)

«Verlasse ich das Bühnenpodest auf der Seite oder hintenherum?», will der Teufel alias Hanspeter Wüthrich von Regisseur Jörg Emmenegger wissen. Der Herr der Hölle soll nämlich vor der Himmelspforte mit Petrus verhandeln, und diese befindet sich auf einer anderen Bühnenebene. Für die Schauspielerinnen und Schauspieler ist es die erste Probe in der Aula Sandbänkli, dem Aufführungsort, und damit auch die erste Probe mit der tatsächlichen Bühnenausstattung mit ihren verschiedenen Ebenen. Seit Probenbeginn im vergangenen Sommer haben sie meistens auf der Bitzibühne gearbeitet.

Nachwuchstalente dabei

«Dieser Wechsel ist immer schwierig. Jetzt müssen sich die Schauspieler nicht nur auf Text und Spiel konzentrieren, sondern auch ihren Platz auf der Bühne finden», erklärt Jörg Emmenegger. «Das lenkt vom Text ab», weiss auch Hanspeter Wüthrich, der zum zweiten Mal bei der Städtlibühne mitspielt, aber auch bei der Herisauer Bühne aktiv ist.

13 Schauspielerinnen und Schauspieler sind in der neuen Produktion engagiert. «Wir haben etliche neue Nachwuchsschauspieler gewinnen können», freut sich Caroline Tobler, Präsidentin der Städtlibühne. Nicolai Novelli ist der jüngste Mitwirkende. Er habe nur fünf Sätze auswendig lernen müssen und komme in der ersten Szene schon in den Himmel, weil er beim Fussballspiel gestorben sei, erzählt der 15jährige Schüler lachend. Gestorben wird noch mehr in «Himmelwärts».

Das Stück des österreichisch-ungarischen Autors Ödön von Horváth (1901–1938) spielt auf der Erde, im Himmel und in der Hölle. Als «Märchenposse» bezeichnete der Autor das Stück selbst. Auf der Erde lebt die junge Luise, deren Eltern gestorben sind. Luise wünscht sich nichts sehnlicher, als Opernsängerin zu werden, und wartet wochenlang darauf, im Theater vorsingen zu können. Für ihren Wunschtraum gibt sie sogar ihre Seele preis. Mit «Himmelwärts» (in einer Dialektfassung) zeigt die Städtlibühne ihre sechste Produktion. Mit «Hin und Her», ebenfalls von Ödön von Horváth, trat die Laienbühne 2002 erstmals auf und begeisterte das Publikum.

«Theater ist Emotion»

Einen Durchlauf des ganzen Stücks will Jörg Emmenegger haben. Da und dort kommen die Einsätze noch nicht ganz prompt. Das kommende Probenwochenende werde nochmals ein Quantensprung sein, ist der Regisseur überzeugt, der seit 30 Jahren mit Amateurtheatern arbeitet. Er sei schon lange genug Regisseur, um zu wissen, dass in den letzten Wochen vor einer Aufführung noch manches passiere. «Denkt daran: Theater ist Emotion!», mahnt er die Mitwirkenden am Ende der fast vierstündigen Probe. In der Woche vor der Premiere steht jeden Abend eine Probe an.