Lotterleben bald vorbei

Facelifting für die Fischerhäuser an der Rislenstrasse: Die Sanierung startet Mitte Juli. Private Spender tragen, vom Fünfliber bis zu zehntausend Franken, viel an deren Umnutzung zu Ferienwohnungen bei.

Daniel Walt
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Grosser Renovationsbedarf: Blick in Räumlichkeiten in einem der Fischerhäuser. (Bild: Daniel Walt)

Grosser Renovationsbedarf: Blick in Räumlichkeiten in einem der Fischerhäuser. (Bild: Daniel Walt)

Läuft alles wie geplant, gibt es in Romanshorn im kommenden Frühling einen Schandfleck weniger. Und das ganz ohne Abriss einer geschichtsträchtigen Liegenschaft. «Wir hoffen, dass die Fischerhäuser nächsten Frühling bezugsbereit sind», sagt Beat Haag. Er ist Präsident der Denkmalstiftung Thurgau. Diese hat die denkmalgeschützten, aber verlotterten Fischerhäuser vor eineinhalb Jahren gekauft. Ziel ist es, sie als Feriendomizil herzurichten.

Alles Überflüssige musste raus

Seit Anfang Februar liegt der Denkmalstiftung die Baubewilligung für die Sanierung der Fischerhäuser vor. «Zunächst haben wir alles herausgerissen, was nicht hineingehört: Wand- und Bodenverkleidungen beziehungsweise Teppiche oder Badzimmer- und Küchenmöbel», so Beat Haag. Ziel sei es gewesen, den Rohbau freizulegen. Was folgte, war eine denkmalpflegerische Untersuchung. Dabei wurde zu eruieren versucht, was in den Liegenschaften original ist.

Zudem wurden die Wünsche der Stiftung «Ferien im Baudenkmal» abgeklopft, welche die Fischerhäuser im Auftrag der Denkmalstiftung betreiben wird.

Zuerst kommt das Dach dran

Ab Mitte Juli starten nun die spektakuläreren Arbeiten. «Zuerst wird das Dach geflickt, denn es regnet teils hinein», sagt Beat Haag. Zudem geht es an den Innenausbau: Balken sowie Teile des Bodens und der Wände sind zu ersetzen, weil das Holz verfault ist. Von Grund auf neu erstellt werden müssen die technischen Installationen.

«Am Schluss geht es noch darum, bestehende Täfer zu flicken, zu streichen und zu reinigen», erklärt Beat Haag. Entstehen werden insgesamt vier Wohnungen. Eine von jenen im Erdgeschoss wird laut Beat Haag mit einer Wohnung im oberen Stock intern verbunden sein. «Hier ist eine Vermietung an grössere Familien denkbar», sagt Beat Haag. Man könne diese zwei Wohnungen aber auch getrennt vergeben.

Mit Radio, aber ohne TV

Wie wird es in den Ferienwohnungen überhaupt aussehen? Beat Haag zu dieser Frage: «Die Nasszellen werden heutigen Standard aufweisen.» Ansonsten werde es in der Regel ein Radiogerät pro Wohnung geben, nicht aber einen Fernseher oder Geschirrspüler. «Wir wollen bewusst auf Bescheidenheit setzen», sagt Haag. Er verweist auf das Ziel, günstige Ferien in einem Baudenkmal zu ermöglichen – in einem Ambiente also, das den Charme früherer Zeiten versprüht. Zur Möblierung hält Beat Haag fest, denkbar sei sowohl antiker als auch modernerer Stil.

«Wir werden sicher nicht einfach in Brockenhäuser gehen und nehmen, was gerade so herumsteht», unterstreicht er. Ein, zwei Zimmer sollten jeweils auf gleiche Art möbliert werden. Für Hinweise auf gebrauchtes, aber in gutem Zustand befindliches Mobiliar ist Haag dankbar. Er hätte auch Freude, wenn sich beispielsweise ein Möbelschreiner finden würde, der bereit wäre, mit seiner Hände Arbeit einen Beitrag an die Möblierung der Fischerhäuser zu leisten.

Noch 200 000 Franken fehlen

Generell ist die Denkmalstiftung dankbar für jede Unterstützung, die ihr bei der Umnutzung der Fischerhäuser zuteil wird. Ein beträchtlicher Teil der Million, welche bereits zusammengekommen ist, sind Beträge von Bund, Kanton und Gemeinde oder von Stiftungen. Der Rest stammt von Spendern. «Der kleinste, per Einzahlungsschein eingegangene Betrag war fünf Franken. Dann geht es über 20 Franken bis zu 10 000 Franken von Privatpersonen.

» Die privaten Spenden kämen aus der ganzen Ostschweiz – «nicht übertrieben viele sind aus Romanshorn, zahlreiche aber aus dem Thurgau», so Haag. Weniger erfolgreich sei man in Sachen Barspenden bisher bei Industrie und Gewerbe gewesen, wobei die Erbringung gewisser Arbeiten zugesagt worden sei. Haags Hoffnung ist es, dass die noch fehlenden 200 000 Franken doch noch zusammenkommen. «Ansonsten wäre es eine Möglichkeit, eine Wohnung noch nicht herzurichten», sagt er.

Er macht aber keinen Hehl daraus, dass die Stiftung wohl eher einen Kredit aufnehmen würde, um die ganze Sanierung durchziehen zu können.

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