Lokalzeitungen sind ein Stück Heimat

Dem Schweizer Journalist Karl Lüönd ist um die Schweizer Presselandschaft nicht bange, sofern es diese verstehe, Trends zu erkennen und eroberte Nischen zu pflegen.

Christof Lampart
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Weinfelden. Anspruchsvolle Tageszeitungen hätten in den letzten Jahren immer mehr zu kämpfen gehabt gegen Inserateschwund, rückläufige Abonnentenzahlen und immer stärker aufkommende Konkurrenz von Internet, Gratiszeitungen und Direktwerbung. Dies erklärte Karl Lüönd, der von der Erfa-Gruppe eingeladen worden war. Nichtsdestotrotz hätten sich die papierverarbeitenden Medien gut am Markt behaupten können.

Dicht am Leser dran

Zuversichtlich stimme ihn, so Lüönd, dass die Schweiz ein Volk der Zeitungsleser sei. Schlecht sei hingegen, dass die Marktsättigung fast bei 100 Prozent liege, womit die Wachstumsraten beschränkt und der Kampf um Marktanteile hart sei. Denn Familie Schweizer gebe zwar im Jahr durchschnittlich rund 3000 Franken für Medien aus, aber davon seien gerade einmal 650 Franken für Papiermedien reserviert und das Jahresabonnement einer Tageszeitung koste schon gegen 350 Franken. In einem solchen Umfeld hätten es vor allem die mittelgrossen Tageszeitungen immer schwerer, denn sie müssten den Spagat zwischen umfassender Lokal- und umfassender globaler Berichterstattung erfolgreich meistern. Doch dies sei zugleich auch ihre grosse Chance: «Diese informative und emotionale Dichte kann nur eine regional verankerte Zeitung bringen, die ganz nah bei den Leuten ist», so Lüönd.

Emotionale Bindung

Dieses schwer messbare Gefühl von Information plus Heimatverbundenheit könne weder eine Pendlerzeitung noch eine grosse, nationale Tageszeitung hervorbringen, so Lüönd. Wie stark die Bindung an eine lokale Zeitung sein kann, zeige sich immer wieder dann, wenn der Verkauf eines traditionsreichen Blatts abgewickelt werde. Dann habe man in Gesprächen, auch bei Leuten, welche die Zeitung nie abonniert hatten, oft das Gefühl, dass ein Stück Heimat verloren ginge.

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