LIPPERSWIL: Flüge sorgen für Aufregung

Beim Golfplatz landet ab und zu ein Helikopter. Nun möchten die Betreiber einen offiziellen Landeplatz erstellen. Die Anwohner befürchten jedoch viel Lärm und wollen das Vorhaben verhindern.

Nicole D’orazio
Drucken
Teilen
Der Helikopterlandeplatz soll auf dem Hügel mit der Linde, auf dem Areal des Golfclubs erstellt werden. (Bild: Andrea Stalder)

Der Helikopterlandeplatz soll auf dem Hügel mit der Linde, auf dem Areal des Golfclubs erstellt werden. (Bild: Andrea Stalder)

Nicole D’Orazio

nicole.dorazio@thurgauerzeitung.ch

«Ich dachte das sei ein verfrühter Aprilscherz, als ich das Couvert öffnete und ein Baugesuch für einen Helikopterlandeplatz raus-nahm. Das ist doch ein Verhältnisblödsinn», sagt eine Lipperswilerin. Aus Angst vor Anfeindungen möchte sie anonym bleiben. Auf der Parzelle 702 möchten die Golf Lipperswil AG sowie die Guggenbühl AG von Roman Ochsner, dem Initianten und Investor des Golfplatzes und -hotels, einen Landeplatz erstellen. Die Baueingabe liegt noch bis am 7. März bei der Gemeinde Wäldi auf.

Letztes Jahr seien schon Helikopter beim Golfplatz gelandet. Auf der Wiese, erzählt die Frau. «Das war immer sehr laut.» Sie befürchtet, dass vor allem an den Wochenenden Gäste mit dem Helikopter anreisen. «Genau dann wollen wir uns aber erholen. Deshalb wohnen wir doch auf dem Land und nicht in Dubai.»

Anwohner wollen sich das nicht bieten lassen

Ein anderer Anwohner, der auch unerkannt bleiben möchte, hat ebenfalls absolut keine Freude am geplanten Landeplatz. «Die Flüge letztes Jahr haben die Nachbarn verärgert. Die Helis sind jeweils über unsere Häuser geflogen.» Es sei bei jedem Start und jeder Landung eine sehr laute und staubige Angelegenheit gewesen. «Wir wollen uns das nicht bieten lassen», sagt er. Ihn ärgert zudem, dass die Verantwortlichen des Golfclubs nicht im Ort wohnen und somit die Immissionen der Helikopter nicht ertragen müssen.

Er und auch andere Anwohner würden Einsprache machen oder hätten das bereits gemacht, sagt der Mann. Er glaubt, dass sie gute Chancen hätten. Denn für den Landeplatz sei eine Ausnahmebewilligung nötig. «Es handelt sich hier um eine Golfzone 1. Neue Bauten und Gebäude sind nicht erlaubt.» Eine dritte Anwohnerin weiss, dass der Landeplatz auf einem Hügel mit einer Linde, südwestlich vom Restaurant erstellt werden soll. «Mir wurde gesagt, dass bis zu 20 Flüge im Monat erlaubt seien. Das geht doch nicht, dass wir das ertragen müssen», sagt sie. Sie will sich ebenfalls mittels Einsprache wehren.

Weder die Verantwortlichen der Guggenbühl AG, noch der Golf Lipperswil AG möchten sich während der Bauauflage zum Projekt äussern, wie es gegenüber unserer Zeitung heisst.

An- und Abflüge werden nur über die Autobahn erlaubt

Adrian König, Gemeindepräsident von Wäldi, möchte die Anwohner beruhigen. «Die An- und Abflüge wären klar geregelt und nur von der Autobahn her und sicher nicht übers Wohngebiet erlaubt», sagt er. Es stimme, dass in der Vergangenheit Helikopter beim Golfplatz gelandet seien. «Mit dem Baugesuch möchten die Verantwortlichen die Flüge offiziell regeln.» Auf einem Hügel werde dafür ein neun mal neun Meter grosser Platz mit Platten ausgelegt sowie ein zehn Meter hoher Windsackmast erstellt. Zudem seien die Verantwortlichen daran interessiert, die Lärmimmissionen so niedrig wie möglich zu halten, sagt der Gemeindepräsident. «Die Golfspieler hätten bestimmt auch keine Freude, wenn ihnen ständig ein Helikopter über dem Kopf schwirrt.»

In der Nacht sind Flüge verboten

König erklärt, dass es klare Regeln bezüglich Personentransporten zu touristischen und sportlichen Zwecken gibt. Diese dürften weder über Wohngebiet, noch nachts erfolgen – zumindest nicht zwischen 22 und 6 Uhr. Er denke nicht, dass es viele Flüge geben wird. Laut Recherchen rechnen die Gesuchsteller mit 10 bis 15 Flügen pro Jahr.

Die Bauauflage sei nicht auf ausserordentliches Interesse gestossen, sagt König. «Das Gesuch wird zudem von verschiedenen kantonalen Ämtern geprüft.» Er denke auch, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zur Stellungnahme eingeladen wird.