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Lieber Hochzeiten als Krieg

Tobias Theiler aus Arbon lernt Konstrukteur. Seine Leidenschaft aber ist die Fotografie. Eines seiner Fotos wurde mit dem Sony World Photography Award 2015 ausgezeichnet. Er ist aber auch so etwas wie der Hoffotograf vom Altersheim.
Daniela Huber
Das Sony-Siegerbild von Tobias Theiler. Licht und Schatten zwischen Häuserfronten. (Bild: pd)

Das Sony-Siegerbild von Tobias Theiler. Licht und Schatten zwischen Häuserfronten. (Bild: pd)

ARBON. «Fotografieren ist meine grösste Leidenschaft. Es gibt nichts, wofür ich so viel Zeit und Energie aufwende.» Wenn der 21jährige Tobias Theiler vom Fotografieren spricht, wird sehr schnell klar, dass er in der Hinsicht kompromisslos ist. Wenn er auf seine Expeditionen geht, dann plant er die Tage genau. Er muss wissen, wie das Wetter ist, wann und wo die Sonne untergeht und wie man dort hinkommt. «Wenn ich das nicht tun würde, würde ich plötzlich dastehen und wüsste nicht was machen. Das wäre das schlimmste Szenario überhaupt.»

Glück mit dem Foto weitergeben

Dass dieser Fall bisher nicht eintrat, wird klar, wenn man Tobias Theilers Fotografien betrachtet. Farben, Fluchtpunkt und Tiefenschärfe vereinigen sich zu einem perfekten Zusammenspiel. Er fotografiert mit Ziel, und überlässt bei seinen Landschaftsbildern nichts dem Zufall. Trotzdem will der junge Fotograf und Konstrukteur-Lehrling dem Betrachter keine makellose Welt vermitteln, sondern die Natur so unmittelbar und fühlbar wie möglich darstellen.

In Gran Canaria vor einigen Jahren hatte er die Wellen an die Klippen schlagen hören. Hinter ihm zogen die Möwen ihre Kreise. Die Sonne sank hinunter und brachte die Wolken zum Glühen. «Da war ich glücklich», gesteht Theiler, «und dieses Glück möchte ich mit meinen Fotos ausdrücken und weitergeben.» Aber der junge Mann spricht nicht nur von den Sonnenuntergängen im Leben. Seine Fotografie mit dem Titel «Communication» wurde bei dem Sony World Photography Awards 2015 zum Siegerbild gekürt. Auf der Schwarz-Weiss-Fotografie ist ein Durchgang zwischen zwei Hochhäusern zu sehen. Vertikale, horizontale und diagonale Linien sind perfekt abgestimmt. Was manch einer als die schlichte architektonische Lösung eines Transportproblems sehen könnte, wirkt in Theilers Bild tatsächlich wie Poesie aus Linien und Spiegelungen. «Ich habe mir da vorgestellt, wie die Menschen aus den beiden Häusern durch dieses Tunnel gehen um miteinander zu kommunizieren. Wenn dieser Durchgang nicht wäre, würden sich manche Leute vielleicht nie begegnen. Die Häuser hätten nichts gemeinsam.»

Augenblicke einfangen

Sich selbst bezeichnet Theiler als eher introvertiert. «Wenn ich fotografiere, dann ist es schwierig, mich noch auf eine andere Person zu konzentrieren. Da bin ich am liebsten allein.» Trotzdem ist er ein zugänglicher Mensch, der an seiner Freude teilhaben lässt. Auch Personen lichtet er gerne ab. Manchmal fotografiert er Anlässe im Altersheim von Arbon auf Auftrag. «Ich bin da so eine Art Hoffotograf», lacht er. «Das ist dann eine ganz andere Sache. Dort kann ich nicht mit dem Stativ herumrennen, sondern muss spontan die guten Augenblicke einfangen. Das ist meiner Meinung nach eine Ehre, denn es kann gut sein, dass meine Bilder von einer Person auch die letzten sind.»

Wenn Tobias Theiler seine Lehre abgeschlossen hat, möchte er ein Praktikum in einer Fotoagentur machen. In welche Richtung ihn die Fotografie treiben wird, weiss er noch nicht genau. Davon lässt er sich überraschen. Er würde zwar schon lieber Hochzeiten fotografieren als Krieg, stellt er fest, «aber fotografieren will ich auf jeden Fall».

Wolkenspiel und Felsen: Tobias Theilers Fotografien wirken wie gemalt. (Bild: pd)

Wolkenspiel und Felsen: Tobias Theilers Fotografien wirken wie gemalt. (Bild: pd)

Tobias Theiler Fotograf (Bild: pd)

Tobias Theiler Fotograf (Bild: pd)

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