Lieber ein Plan als schnelles Geld

GÜTTINGEN. Die Güttinger Stimmbürger möchten das alte Schulareal nicht einfach an den Erstbesten verkaufen. Sie wollen mitbestimmen, in welcher Form die Parzelle im Herzen des Dorfes überbaut werden soll.

Martina Eggenberger Lenz
Drucken
Teilen
Das alte Schulhaus und die Turnhalle werden abgerissen, dafür soll auf dem Güttinger Schulareal eine Zentrumsüberbauung entstehen. (Bild: Reto Martin)

Das alte Schulhaus und die Turnhalle werden abgerissen, dafür soll auf dem Güttinger Schulareal eine Zentrumsüberbauung entstehen. (Bild: Reto Martin)

Der Entscheid fiel relativ knapp aus: 41 der 82 anwesenden Stimmbürger sprachen sich für die Verkaufsvariante mit Projektvorschlag aus. Sie wollen die Planung einer Überbauung der mehr als 7000 Quadratmeter grossen Parzelle nicht einfach Dritten überlassen. Demgegenüber standen 32 Anwesende, die das alte Schulareal möglichst schnell an den Meistbietenden verkaufen wollten.

Die Schulgemeinde möchte das alte Schulareal veräussern, weil sie mit Vollendung des Neubaus bei der Rotewis Land und Bauten nicht mehr braucht. Die Liegenschaft hat einen Verkehrswert von rund 2,5 Millionen Franken. Den Stimmbürgern wurden zwei Möglichkeiten aufgezeigt. Bei der ersten hätte die Parzelle nach der Umzonung in die Wohn- und Gewerbezone 2 oder Dorfzone verkauft werden können. Diese Variante lobten mehrere Votanten als schnell, effektiv und günstig. Es wurde einzig kritisiert, dass nicht eine Wohn- und Gewerbezone 3 mit höherer Ausnützungsziffer angestrebt wurde.

Studienwettbewerb geplant

Es gab aber auch einige Stimmen, die davor warnten, die Planungsvollmacht für das Areal aus der Hand zu geben. «Dieses Areal mitten im Dorf ist es wert, dass wir mitentscheiden», meinte ein Stimmbürger. Die Variante mit Projektvorschlag sieht daher vor, dass die Schulgemeinde eine Kommission einsetzt, einen Studienwettbewerb durchführt und erst danach verkauft. Dieses Verfahren wird allerdings Geld kosten und mehr Zeit in Anspruch nehmen, wie Schulpräsidentin Gisela Girard sagte. Natürlich wäre auch bei diesem Vorgehen eine Umzonung unumgänglich.

Gemeindeammann Urs Rutishauser outete sich als Verfechter der Variante Verkauf mit Projektvorschlag. Er sprach von der Möglichkeit, die Gemeindeverwaltung in eine neue Zentrumsüberbauung ebenso zu integrieren wie Läden, Praxen oder Alterswohnungen. Eine höhere Ausnützungsziffer sei nur mit einer qualifizierten Planung möglich, gab er zu bedenken.

Aus vier Fonds wird einer

Kontrovers diskutiert wurde weiter über die Verwendung von Fonds. Vier Personen haben der Schulgemeinde einst Gelder vermacht. Zwei nannten Stipendien als Verwendungszweck. Weil nun in letzter Zeit kaum mehr Anfragen bei der Schulbehörde eingingen, bleibt das Geld ungenutzt liegen, was die Behörde schade findet. Das soll sich ändern, wie die Versammlung mit 46 Ja- zu 26 Nein-Stimmen entschied. Die einzelnen Fonds und Legate werden in einem Konto zusammengefasst, das enge Verwendungszweckkorsett aufgehoben. Will die Behörde mehr als 30 000 Franken für spezielle Projekte sprechen, muss sie die Zustimmung der Stimmbürger einholen.

Die Rechnungen beider Körperschaften schliessen mit einem Plus. Jenes der Primarschulgemeinde beläuft sich auf 592 000 Franken, das der Gemeinde auf 455 000 Franken. Zu verdanken ist das in erster Linie ausserordentlichen Grundstückgewinnsteuern. Die Schule nutzt den Gewinn für ausserordentliche Abschreibungen, die Politische Gemeinde legt Geld für die Schulwegsicherung und neue EDV zur Seite.

Steuerfüsse sinken

Beide Behörden stellten massive Steuerfusssenkungen in Aussicht. Schulpräsidentin Gisela Girard sprach von vier bis fünf Prozenten, Gemeindeammann Urs Rutishauser von sechs Prozenten in den nächsten ein bis drei Jahren.

Aktuelle Nachrichten